Venezuela: Mehrere Tote bei Protesten gegen Wahlergebnis

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Oppositionsanhänger in Caracas: Protest gegen Maduro

In Venezuela wird die Lage nach der Präsidentenwahl immer brisanter. Wahlsieger Maduro hat eine geplante Demonstration der Opposition verboten. Bei Protesten gegen das Wahlergebnis kamen sieben Menschen ums Leben, 61 wurden verletzt.

Caracas - In Venezuela stehen sich Opposition und Regierung nach der Wahl unversöhnlich gegenüber. Beide Seiten mobilisierten im ganzen Land ihre Anhänger. Der zum Wahlsieger erklärte Sozialist Nicolás Maduro hat eine für Mittwoch geplante Demonstration der Opposition in Caracas verboten. Damit zog er die Konsequenz aus Protestaktionen, bei denen laut Generalstaatsanwaltschaft am Montag sieben Menschen ums Leben kamen und 61 verletzt wurden. "Ich werde den Marsch im Zentrum von Caracas nicht erlauben. Wir erlauben nicht, dass sie Blut auf den Straßen von Caracas vergießen. Wenn Sie mich stürzen wollen: Ich bin hier mit dem Volk in den Straßen", sagte Maduro am Dienstag.

Die Opposition will mit ihren Protesten eine Neuauszählung der Stimmen erreichen. Bei der bisherigen Auszählung setzte sich der sozialistische Kandidat Maduro am Sonntag knapp vor dem Herausforderer der Opposition Henrique Capriles Radonski durch. Tausende Capriles-Anhänger gingen in der Nacht zu Dienstag auf die Straße. Capriles mahnte zu friedlichen Protesten. Sie sollten Töpfe schlagend durch die Straßen ziehen. Doch die Zeichen stehen weiter auf Konfrontation. Die für Mittwoch geplante Demonstration sagte Capriles schließlich ab: Er sei besorgt, dass die Regierungsanhänger den Protest infiltrierten, um Gewalt zu provozieren.

Trotz aller Proteste wurde Maduro am Montag offiziell zum Wahlsieger gekürt. Er soll am Freitag den Amtseid für das bis 2019 dauernde Mandat ablegen. Nach aktuellen Angaben der Wahlbehörde erreichte Maduro am Sonntag ein Wahlergebnis von 50,75 Prozent und damit weniger als zwei Punkte mehr als sein Herausforderer Capriles Radonski, der auf 48,98 Prozent kam. Der Wunschnachfolger des vor sechs Wochen gestorbenen Staatschefs Hugo Chávez erhielt danach in absoluten Zahlen rund 262.000 Stimmen mehr als Capriles. Der Oppositionskandidat ist überzeugt, dass er die Wahl gewonnen hat, und fordert eine manuelle Auszählung aller Stimmen. Es gebe über 3000 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten.

USA und EU für Nachzählung

Die USA und die Organisation Amerikanischer Staaten stützten die Forderung nach einer Nachzählung der Stimmen. Die EU mahnte eine Prüfung aller Beschwerden an. "Wir glauben, es ist wichtig, dass das Ergebnis von allen Seiten akzeptiert wird", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

Die venezolanische Regierung kritisierte derartige Äußerungen als Einmischung in innere Angelegenheiten. Wahlsieger Maduro warnte zudem offen vor Putschversuchen und attackierte die Opposition. "Mehrheit ist Mehrheit, und die Demokratie muss respektiert werden. Wer die Mehrheit in einer Demokratie schwächen will, der ruft nach einem Staatsstreich", sagte er und fügte hinzu: "Ich warne das ganze Volk: Die Rechte will die Revolution und das, was wir erreicht haben, töten. Wer den Weg der Gewalt geht, wird auf den Staat treffen."

Zu seiner Amtseinführung werden am Freitag nach bisheriger Planung unter anderen Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner erwartet.

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Man kann als sicher annehmen, dass
hugahuga 16.04.2013
Zitat von sysopIn Venezuela wird die Lage nach der Präsidentenwahl immer brenzliger. Bei Protesten gegen den Wahlsieger Maduro kamen bereits sieben Menschen ums Leben, 61 wurden verletzt. Der Sozialist wurde inzwischen offiziell zum Wahlsieger erklärt. Venezuela: Mehrere Tote bei Protesten gegen Wahlergebnis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-mehrere-tote-bei-protesten-gegen-wahlergebnis-a-894771.html)
z.Zt. jede Menge CIA Agenten versuchen in Venezuela den amerikanischen Einfluss zu stärken bzw. wieder herzustellen. Das US Regime mag es nun mal gar nicht, wenn es Regierungen gibt, die nicht US hörig und abhängig sind - schon gar nicht, wenn sie in der Nachbarschaft liegen. Ich wünsche dem venezolanischen Volk, dass es den US Versuchungen erfolgreich widersteht, seinen eigenen Weg geht und sich von niemandem in die inneren Angelegenheiten reinregieren lässt. Außerdem: Die USA und das dort herrschende System sind absolut kein Vorbild. Für niemanden.
2. welche Stimmen....
JL1212 16.04.2013
sollen denn nachgezählt werden? Diese in den Urnen, die die Maduro-anhänger entsorgt haben. Es gibt zahlreiche Belege, Photos und Videoaufnahmen, die die Vernichtung und Verbrennung der Papierurnen belegen. Diese Aktionen begannen sofort nachdem Maduro vorerst der Neuzählung zustimmte. Zu diesen Zeitpunkt war noch so naiv zu glauben er hätte tatsächlich gewonnen, da hat ihn aber Wahlkommission wohl etwas besseren belehrt Und noch viele andere Aufnahmen gibt es wo z.B. Wähler bedrängt wurden Ihr Kreuz auch "richtig" zu setzen, oder Chavisten mit gleich mehreren ID-Karten wählen gingen. Ich hoffe ja nicht, dass es irgendjemand in zivilisierten Ländern gibt, die glauben es sei mit rechten Dingen zugegangen, trotz einer der modernsten Stimmenabgabesystemen der Welt (Papierstimmen dienen nur als Back-up).
3. Chavez oder Maduro unbeliebt bei US regierung
b5200 16.04.2013
yo, den Maduro mag die US Regierung nicht, wie auch schon nicht den Chavez, der sich nicht einmal mit inzenierten Aufstaenden hatte stuerzen lassen. Man lese dazu, sozusagen als begleitende Information, das Buch "Confessions of an economic hitman" von John Perkins.
4.
carahyba 16.04.2013
Zitat von JL1212sollen denn nachgezählt werden? Diese in den Urnen, die die Maduro-anhänger entsorgt haben. Es gibt zahlreiche Belege, Photos und Videoaufnahmen, die die Vernichtung und Verbrennung der Papierurnen belegen. Diese Aktionen begannen sofort nachdem Maduro vorerst der Neuzählung zustimmte. Zu diesen Zeitpunkt war noch so naiv zu glauben er hätte tatsächlich gewonnen, da hat ihn aber Wahlkommission wohl etwas besseren belehrt Und noch viele andere Aufnahmen gibt es wo z.B. Wähler bedrängt wurden Ihr Kreuz auch "richtig" zu setzen, oder Chavisten mit gleich mehreren ID-Karten wählen gingen. Ich hoffe ja nicht, dass es irgendjemand in zivilisierten Ländern gibt, die glauben es sei mit rechten Dingen zugegangen, trotz einer der modernsten Stimmenabgabesystemen der Welt (Papierstimmen dienen nur als Back-up).
Es gibt jede Menge Aussagen, dass diese Aktionen von Capriles-Schlägern durchgeführt wurden. Dieselben Schlägertrupps die gestern Nacht versucht haben bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizuführen. Dies wird heute Nacht wieder geschehen, das wurde schon angekündigt. Morgen soll es einen Marsch auf Caracas geben. Capriles hat auch schon angekündigt, dass er eine Menschenrechtsintervention der USA und EU, also der Transatlantiker, erbitten wird. Natürlich ist Venezuela total isoliert,weil die USA-EU am Wahlsieg Maduros zweifelt und wenn es weiter massenhafte Ausschreitungen geben wird ist natürlich Maduros Schuld, was denn sonst. Capriles Radonski ist der Gute, Maduro natürlich der Böse.
5. ...
ein anderer 16.04.2013
Zitat von hugahugaz.Zt. jede Menge CIA Agenten versuchen in Venezuela den amerikanischen Einfluss zu stärken bzw. wieder herzustellen. Das US Regime mag es nun mal gar nicht, wenn es Regierungen gibt, die nicht US hörig und abhängig sind - schon gar nicht, wenn sie in der Nachbarschaft liegen.
Natürlich wird Henrique Capriles unterstützung aus den USA haben. Mittel- und Südamerika ist wieder auf dem Radar der USA. Bush jr. hat damit begonnen und wieder die 4. Flotte in Dienst gestellt. Unter Obama haben die USA als einzige Macht im Westen den Putsch in Honduras begrüsst. Dort wurde ein gewähltrer Präsident abgesetzt. Heute gibt es wieder die Todesschwadronen, wie damals als die USA der Souverän des Kontinents war. Eine Regierung der Todesschwadronen | Journal21 - Journalistischer Mehrwert (http://journal21.ch/eine-regierung-der-todesschwadronen)
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