Venezuela Militär greift Aufständische an

"Staatsfeind Nr. 1" ist offenbar außer Gefecht gesetzt: Venezolanische Spezialeinheiten haben eine Rebellengruppe um den Hubschrauberpiloten Oscar Pérez umstellt. Es fielen Schüsse, mehrere Menschen starben.

Ein Soldat und ein Mitglied einer Sondereinheit in Caracas, Venezuela
DPA

Ein Soldat und ein Mitglied einer Sondereinheit in Caracas, Venezuela


Bei einem Spezialeinsatz des Militärs in Venezuela sind mehrere Menschen getötet worden. Der Einsatz richtete sich offenbar gegen eine Gruppe um den Hubschrauberpiloten Oscar Pérez, der im Juni mehrere offizielle Gebäude aus der Luft angegriffen hatte.

Unter den Toten seien zwei Polizisten, teilte das Innenministerium in Caracas mit.

Dem Ministerium zufolge hatten Militäreinheiten die Siedlung El Junquito bei Caracas umstellt, dort habe es heftige Feuergefechte gegeben. Das Ministerium spricht vom Kampf gegen eine "Terrorzelle". Diese sei niedergeschlagen und fünf ihrer Mitglieder seien festgenommen worden.

Ob der prominente Pilot getötet oder festgenommen wurde, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

"Sie wollen uns töten"

Die angegriffene Gruppe Aufständischer hatte zur Rebellion gegen Präsident Nicolás Maduro aufgerufen. Oscar Pérez gilt als ihr Anführer, nach ihm wurde seit mehr als einem halben Jahr gefahndet.

Pérez hatte sich immer wieder über soziale Medien an die Öffentlichkeit gewandt. Zuletzt verbreitete der ehemalige Polizist im Internet Videos, in denen er sagt, er werde mit Granatwerfern angegriffen. "Wir haben gesagt, dass wir uns stellen werden, aber sie lassen uns nicht. Sie wollen uns töten."

Auf den Bildern war er mit blutverschmiertem Gesicht zu sehen. Die regierenden Sozialisten sehen in Pérez den Staatsfeind Nr. 1.

Pérez will "Befreiung vom Sozialismus"

Der Vizechef der Sozialisten, Diosdado Cabello, berichtete auf Twitter von dem Spezialeinsatz. Der "Terrorist" Pérez habe Polizisten angegriffen, die ihn umzingelt hätten. Dabei seien zwei Sicherheitskräfte verletzt worden.

Der Hubschrauberangriff vom 27. Juni, bei dem Pérez und mehrere Unbekannte vier Granaten auf das Oberste Gericht in Caracas abgeworfen und Schüsse auf das Innenministerium abgegeben hatten, verschärfte die schwere politische Krise in dem südamerikanischen Land. Verletzte gab es damals nicht. Staatschef Maduro sprach von einem "terroristischen Angriff" und einem Putschversuch und versetzte die Armee in Alarmbereitschaft.

Pérez sieht sich als Anführer zur Befreiung des Landes vom Sozialismus. Nach Misswirtschaft und gesunkenen Öleinnahmen steht das Land mit den größten Ölreserven vor dem Kollaps, es gibt die höchste Inflation der Welt und Normalbürger bekommen in Supermärkten kaum noch Lebensmittel. Zuletzt nahmen landesweit Plünderungen zu.

Einen Report zur dramatischen wirtschaftlichen Lage in Venezuela lesen Sie hier.

cop/dpa/AFP



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
steve72 15.01.2018
1.
Gratulation!Wichtiger schritt der lange fällig war .
go-west 15.01.2018
2. Die Zeit der linken Diktaturen
ist weltweit abgelaufen. Wie Honeckers DDR wird auch die Bande um Maduro fallen. Sie haben die Dinge leider nun mittlerweile soweit eskaliert, dass sie da wohl kaum unversehrt rauskommen werden.
tailspin 15.01.2018
3. Eindeutig zweideutig
Zitat von steve72Gratulation!Wichtiger schritt der lange fällig war .
Wem gratulieren Sie hier genau?
geoskript 15.01.2018
4. eine kranke Diktatur ...
Die meisten Venezolaner hungern, die Läden sind leer, Zehntausende haben das Land verlassen. Dabei sind Hunderte Milliarden aus den Öleinnahmen der letzten Jahre in den Taschen der sozialistischen Parteibonzen und ihrer Soldateska versickert. Schade, dass dieses Menschen verachtende Regime noch nicht gestürzt ist ...
andreas.spohr 15.01.2018
5. vom Regen in die Traufe
.....und dann wird die "Bande um Maduro" durch eine Bande kapitalistischer Ausbeuter ersetzt, die die Erdölvorkommen ihrer naturgemäßen Bestimmung zuführen wird!
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