Venezuela Maduro will Hungersnot mit Kaninchen bekämpfen

In Venezuela herrscht Versorgungsnotstand, Lebensmittel sind knapp. Präsident Maduro empfiehlt dem Volk nun, Kaninchen zu züchten und zu essen. Ein Oppositionspolitiker spricht von einem "schlechten Witz".

Kaninchen (Archivbild)
DPA

Kaninchen (Archivbild)


Das Land pleite, die Wirtschaft marode, die Läden leer: Venezuela kann seine Bürger kaum noch versorgen. Vor allem Kinder und Ältere leiden unter Mangelernährung, berichtet die Hilfsorganisation Caritas.

Hinzu kommt eine äußerst instabile innenpolitische Lage. Bei Protesten gegen den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro starben in den vergangenen Monaten mehr als hundert Menschen.

Nun hat Maduro das Land mit einem "Kaninchen-Plan" überrascht. Im Staatsfernsehen erklärte er, dass Kaninchen eine gute Quelle für tierische Eiweiße seien. Menschen sollten die Tiere zu Hause züchten und dann essen.

Behörden hatten zuvor bereits Empfehlungen gegeben, wie Bürger Obst und Gemüse auf Dächern und Balkonen anbauen können.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro
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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro

Der zuständige Minister Freddy Bernal sagte in derselben Fernsehsendung: "Es gibt ein kulturelles Problem, weil uns beigebracht wurde, dass Kaninchen süße Haustiere sind." Dabei handle es sich "um 2,5 Kilogramm Fleisch, reich an Eiweiß".

Man sollte Kaninchen "vom Standpunkt des Wirtschaftskriegs aus betrachten", erklärte Bernal. Das ölreiche Venezuela leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Die Regierung wirft US-Präsident Donald Trump vor, mit Sanktionen gegen Venezuela die Misere im Land verursacht zu haben.

Der neue Plan von Maduro sorgte bei der Opposition für Kopfschütteln: "Ist das ernst gemeint?", fragte Henrique Capriles, der zweimal als Kandidat bei Präsidentschaftswahlen angetreten war, in einer Videobotschaft: "Die Leute sollen Kaninchen züchten, um das Problem des Hungers in unserem Land zu lösen?" Das Ganze sei ein "schlechter Witz".

Nach einem Bericht der BBC wurden im Rahmen des Planes bereits Kaninchenbabys an 15 Gemeinden ausgeliefert. Doch die Menschen hielten sie nicht wie Nutz-, sondern wie Haustiere. "Die gaben ihnen Namen", klagte Minister Bernal, "und nahmen sie mit ins Bett."

hda/Reuters

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