Venezuela Maduros teurer Sieg

Der Hungerrepublik Venezuela drohen durch den Wahlsieg von Nicolás Maduro neue Sanktionen aus Europa und den USA. Ein langes Leiden beginnt - in einem der einst reichsten Länder Lateinamerikas.

Von , Rio de Janeiro


Bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela ist es gekommen wie erwartet: Präsident Nicolás Maduro wurde wiedergewählt, weil die Venezolaner mit dem Bauch abgestimmt haben oder gar nicht erst an der Urne erschienen sind.

Gleich neben den Wahllokalen hatte die Regierung Anlaufstellen eingerichtet. Dort konnten die Wähler neue Ausweise registrieren, die sie für den Bezug von Lebensmittelpaketen und anderen Zuschüssen der Regierung berechtigen. Wer nicht Maduro wählt, der bekommt kein Essen - so einfach und brutal funktioniert die politische Kontrolle unter dem Regime des Nachfolgers von Hugo Chávez.

Jene Oppositionsführer, die zum Boykott der Wahl aufgerufen hatten, verbuchten jedoch auch einen Sieg: Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale hatten laut Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters nur knapp über 30 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben. Offiziell liegt die Enthaltung bei 46 Prozent, doch das ist nicht glaubwürdig: Die Oberste Wahlbehörde wird von der Regierung kontrolliert. Unabhängige Journalisten waren in vielen Wahllokalen nicht zugelassen; Passanten filmten die leeren Säle mit ihren Handys.

Allerdings ist es fraglich, ob sich die hohe Enthaltung langfristig für die Opposition auszahlen wird. Sie hatte schon einmal, unter Maduros Vorgänger Chávez, zum Wahlboykott aufgerufen. Das hatte zur Folge, dass die regierenden Chávez-Anhänger das Parlament und alle Institutionen komplett unter ihre Kontrolle bekamen.

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Jetzt droht Venezuela ein politisches System wie Kuba: Maduro will mit Hilfe einer Verfassungsgebenden Versammlung, die er im vergangenen Jahr einberief, ein Wahlverfahren einführen, in dem die Kandidaten von der Regierung handverlesen werden. Freie Wahlen dürften dann endgültig der Vergangenheit angehören.

Maduro hat damit sein Ziel erreicht: Er ist aus dem Schatten seines Vorgängers getreten und hat all jene Lügen gestraft, die in dem ehemaligen Busfahrer nur eine Marionette sahen, die früher oder später gegen eine andere Puppe ausgetauscht würde.

Doch sein Sieg wird ihn teuer zu stehen kommen: Die USA und Europa werden ihre Sanktionen gegen das Regime voraussichtlich verschärfen. Washington wird womöglich jetzt einen Ölboykott gegen Venezuela verhängen - bislang treffen die Sanktionen nur individuelle Repräsentanten des Regimes.

Auch der Druck auf die lateinamerikanischen Länder wird wachsen, gegen die Diktatur in ihrer Mitte vorzugehen. Nach Maduros Sieg ist es wahrscheinlich, dass noch mehr Venezolaner aus der Hungerrepublik fliehen werden. Wenn Washington kein Öl aus Venezuela mehr kauft, trifft das die gesamte Bevölkerung - die Regierung hat dann noch weniger Geld für Lebensmittelimporte. Hunger und Elend würden dramatisch zunehmen. Das können nur Zyniker wollen.

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Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Sanktionen und Flüchtlingsströme allein einen Regimewechsel erzwingen. Die radikaleren Anführer der Opposition hoffen daher auf eine Intervention von außen. Diese Option entspricht allerdings Wunschdenken: Washington ist mit anderen Brennpunkten auf der Welt beschäftigt; alle lateinamerikanischen Länder lehnen eine militärische Intervention ab. Ein Alleingang Washingtons ist selbst unter Trump unwahrscheinlich.

Die Opposition hofft daher auf das venezolanische Militär und ruft die Streitkräfte zum Putsch auf. Viele Generäle profitieren jedoch von dem Regime. Sie sind in Drogenhandel, Schmuggel oder andere illegale Aktivitäten verwickelt. Sie haben ihr Schicksal an das Maduros geknüpft.

Ein Aufstand müsste daher von den mittleren und unteren Rängen ausgehen, die ebenso unter Hunger und Elend leiden wie der Rest der Bevölkerung. Viele Soldaten ziehen es jedoch vor zu desertieren, Hunderte haben sich ins Ausland abgesetzt.

Es ist daher am wahrscheinlichsten, dass das Regime irgendwann von allein zusammenbricht. Das könnte allerdings weitaus länger dauern als von der Opposition erhofft. Russland und China stützen Maduro, zudem hilft ihm der Strom der Flüchtlinge: Die Unzufriedenen gehen; zurück bleiben Alte, Schwache - und der harte Kern seiner Anhänger.

Über Monate oder sogar Jahre wird die Welt dem langsamen Sterben einer Nation zusehen, die einmal als eines der reichsten Länder Lateinamerikas galt.

insgesamt 13 Beiträge
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Manitou-01@gmx.de 21.05.2018
1.
Sanktionen sind der größte Blödsinn. Maduro wird deswegen nicht vor dem Westen kapitulieren und die macht an US-Marionetten übergeben. Aber falls es eine echte demokratische Opposition geben sollte, hilft es der nicht, Veränderungen herbeizuführen. Dagegen kann die Regierung Maduro eher die eigenen Reihen festigen, wenn Versorgungsprobleme durch ausländische Sanktionen verursacht werden.
Meinungsführer 21.05.2018
2. nur ein mögliches Szenario
Es kann aber auch anders kommen. Im Gegensatz zu Kuba, wo es den Menschen im Übrigen deutlich besser geht, ist Venezuela sehr reich mit Erdöl gesegnet. Es wäre nicht das erste Terrorregime, welches sich damit stabilisiert. Die Öl-Preise steigen derzeit rasant durch die US-Sanktionen gegen den Iran. Vielleicht sorgt Trump dadurch indirekt dafür, dass Maduros Macht dauerhaft gesichert wird. Die Chinesen kaufen sicher gerne günstiges venezuelisches Öl. Und vielleicht bauen sie dort auch Fördertürme und Raffinerien auf. Dass China auf die entgegengesetzten Interessen der USA Rücksicht nimmt, wenn die Ölpreise steigen, glaube ich nicht. China ist ökonomisch mächtiger als die überschuldete USA.
caronaborealis 21.05.2018
3. Sanktionen sind falsch
Sanktionen treffen die Bevölkerung - nicht die Eliten. Ich erlebe hier in Kolumbien tagtäglich, wie sich die Flüchtlinge aus Venezuela durch betteln über Wasser zu halten versuchen. Kolumbien ist selber ein armes Land und die Flüchtlinge, welche tagtäglich zu hunderten über die Grenze kommen werden auch für Kolumbien zu einer Belastung. Maduro muss weg, das ist klar - die Frage ist, mit welchen Mitteln.
retep_2003 21.05.2018
4. @Meinungsführer
Leider hat Hugo Chavez schon zu seiner Zeit, um frische Devis´sen zu bekommen, mit den Chinesen einen Deal gemacht und einen Grossteil seiner Ölproduktion zu niedrigsten Preisen verkauft. Ausserdem funktionierte schon 2010 kaum eine Raffienerie und Ölproduktion in Venzuela. Ich war vor Ort und komme aus dem Geschäft. Also hoher Ölpreis nutzt ihm nichts, da er kaum noch was produziert. Nur noch in die eigenen Taschen bis sie ihn zum Teufel jagen. Hoffentlich bald, bevor es zu eriner Humanitären Katastrophe kommt .
rolandjulius 21.05.2018
5. Wunschdenken
Sanktionen sind ein alter Hut, und haben noch nirgens ein Regime Change bewirkt. Mittlerweile sterben täglich hunderte Bürger in den Krankenhäusern, weil es den Ärzten an Allem mangelt. Die US und EU sollten sich dessen bewusst sein,und eines Tages für deren Machenschaften zur Rechenschaft gezogen werden.
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