Machtkampf Maduro schwört Soldaten auf Verteidigung Venezuelas ein

US-Präsident Trump hat Juan Guaidó bereits gratuliert. Doch mit dem selbsternannten Übergangspräsidenten Venezuelas will sich Noch-Staatschef Maduro nicht abfinden - und besucht die Armee.

Nicolás Maduro mit Soldaten
AFP

Nicolás Maduro mit Soldaten


Venezuelas Präsident Nicolás Maduro steht unter Druck. Im Machtkampf mit dem selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó hat sich die US-Regierung auf die Seite des Oppositionsführers gestellt und empfindliche Sanktionen gegen die sozialistische Regierung in Caracas erlassen.

Maduro hat darauf nun bei einem Truppenbesuch reagiert - und die Soldaten auf die Verteidigung des Landes eingeschworen. "Ich rufe die Streitkräfte zu einer großen militärischen Erneuerung auf, um zu garantieren, dass der nordamerikanische Imperialismus niemals einen Fuß auf unser Territorium setzt", sagte der Staatschef. "Wir sollten die Chance, die uns die imperialistische Aggression der Regierung von Donald Trump gibt, dazu nutzen, ein höheres Bewusstsein und eine klarere militärische Führung zu entwickeln."

US-Soldaten nach Venezuela?

Mehrere europäische Staaten hatten Maduro zuletzt ein Ultimatum gestellt. Die Drohung: Ruft er bis zum Wochenende keine freien und fairen Wahlen aus, wollen unter anderen Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien Guaidó als Staatsoberhaupt anerkennen. Maduro brachte nun zumindest mögliche Verhandlungen mit seinem Kontrahenten Guaidó ins Spiel.

Die Bundesregierung appellierte an Maduro und den venezolanischen Sicherheitsapparat, die Proteste in dem Land "nicht gewaltsam zu unterbinden". Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich beunruhigt über die steigende Zahl der Toten bei Zusammenstößen.

Maduro fürchtet zudem eine US-Militärintervention in dem südamerikanischen Land - und warnte vor einem zweiten Vietnam. Aus Washington hieß es nur: "Alle Optionen sind auf dem Tisch." Trump stellte sich jedoch bereits öffentlich hinter Gegenpräsident Guaidó und sprach eine Reisewarnung für das Land aus.

Trump: "Historische" Übernahme

In einem Telefonat habe der US-Präsident dem Parlamentschef zur "historischen" Übernahme der Präsidentschaft gratuliert - und die Unterstützung der USA untermauert, teilte das Weiße Haus mit. Trump und der Oppositionsführer vereinbarten demnach, sich regelmäßig auszutauschen.

Guaidó bedankte sich auf Twitter bei Trump: "Er betonte seine totale Unterstützung unserer demokratischen Arbeit, seine Bereitschaft zu humanitärer Hilfe und die Anerkennung unserer Übergangspräsidentschaft durch seine Regierung."

In Caracas protestierten unterdessen erneut zahlreiche Regierungsgegner gegen Maduros sozialistische Regierung. Sie forderten das Militär dazu auf, sich auf die Seite der Opposition zu stellen und humanitäre Hilfslieferungen ins Land zu lassen. Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise.

Demonstration gegen Maduro
AFP

Demonstration gegen Maduro

Die Demonstranten schwenkten venezolanische Flaggen und zeigten Transparente mit der Aufschrift "Freiheit" und "Respektiert die Menschenrechte". "Venezuela ist eine Diktatur", sagte Guaidó bei einem Protestmarsch an der Zentraluniversität. "Wir wollen ein Ende der unberechtigten Machtübernahme und Neuwahlen."

Zwei französische Journalisten, die über die politischen Spannungen in Venezuela berichteten, wurden einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge festgenommen. Die französische Botschaft sei eingeschaltet und bemühe sich um eine Freilassung, hieß es unter Berufung auf einen Diplomaten. Eine Bestätigung für diese Angabe gibt es bislang nicht.

apr/dpa/Reuters/AFP



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