Eskalation der Staatskrise Maduro warnt vor Bürgerkrieg in Venezuela

Das Ultimatum von sieben EU-Staaten an Nicolás Maduro ist abgelaufen - und der Ton wird schärfer. In einem Interview sinniert Venezuelas Präsident über das Risiko eines gewaltsamen Konflikts. Man werde das Land verteidigen.

AFP

Seit fast zwei Wochen tobt der offene Machtkampf um die Zukunft Venezuelas, am Wochenende gingen Zehntausende Menschen aus beiden Lagern auf die Straßen. Inzwischen diskutiert Staatschef Nicolás Maduro in klaren Worten die Möglichkeit eines Bürgerkriegs in dem südamerikanischen Land, das über reiche Ölvorkommen verfügt. Niemand könne heute mit Sicherheit sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs sei, erklärte Maduro im Interview des spanischen Fernsehsenders La Sexta: "Alles hängt vom Grad der Verrücktheit und der Aggressivität des Imperiums des Nordens (USA) und von dessen westlichen Verbündeten ab."

Der linksnationalistische Politiker betonte: "Wir leben einfach in unserem Land und verlangen, dass sich niemand in unsere internen Angelegenheiten einmischt. Und wir bereiten uns darauf vor, unser Land zu verteidigen." In den Fabriken, in den Universitäten sei "das Volk dabei, sich (zum Schutz der Regierung) zu bewaffnen", so Maduro. Es handele sich um "Milicianos", die militärisches Training absolviert hätten.

US-Präsident Donald Trump habe ja die militärische Option auf dem Tisch. "Was soll ein Land da machen? Sich ergeben?", fragte Maduro. Es gebe eine Kampagne, um Venezuela "als Monster, als Diktatur darzustellen."

Das Interview wurde nach Angaben von La Sexta am Freitag geführt und soll am späten Sonntagabend ausgestrahlt werden. Auszüge wurden am Sonntag in verschiedenen Medien veröffentlicht.

Die Uhr läuft ab - und Maduro provoziert EU-Staaten

In dem Disput zwischen Maduro und seinem Herausforderer Juan Guaidó ist ebenfalls am Sonntag ein Ultimatum Deutschlands und sechs weiterer EU-Staaten abgelaufen: Bis dahin hätte Maduro eine freie und faire Präsidentenwahl ausrufen sollen. Sollte sich der Amtsinhaber weigern, wollten Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande und Belgien Guaidó als legitimen Übergangsstaatschef anerkennen. Die USA und zahlreiche weitere Länder haben das bereits getan.

"Wir akzeptieren von niemanden Ultimaten!", sagte Maduro in dem Interview noch einmal mit Nachdruck. "Das ist so, als ob ich der EU sagen würde: 'Ich gebe euch sieben Tage Zeit, um die Republik von Katalonien anzuerkennen, oder ich ergreife Maßnahmen.'" Internationale Politik könne nicht auf Ultimaten basieren.

Im Video: Ultimatum an den amtierenden Präsidenten vor dem Ablauf

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Maduro ist in seiner Haltung auch nicht isoliert: Russland, China, die Türkei, Kuba, Bolivien und Nicaragua stehen hinter ihm. Er weiß außerdem den Sicherheitsapparat Venezuelas und wichtige Militärführer auf seiner Seite - auch wenn ein General am Wochenende überlief.

Hilfslieferungen aus dem Ausland in Aussicht

Das Land befindet sich seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Obwohl Venezuela über die größten bekannten Erdölreserven weltweit verfügt, fehlen Lebensmittel und Medikamente, Hyperinflation macht Bargeld faktisch wertlos. Etwa drei Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflüchtet.

Guaidó kündigte baldige Hilfslieferungen aus befreundeten Staaten an. Für die Lieferungen würden in den kommenden Tagen grenznahe Sammelstellen in Kolumbien, Brasilien und "auf einer Karibikinsel" eingerichtet, sagte Guaidó. Er appellierte an das Militär, die Hilfslieferungen ins Land zu lassen.

Das Kräftemessen um den südamerikanischen Staat geht also weiter. An die Gegner im In- und Ausland schickt Maduro im Rahmen des La-Sexta-Interviews dann auch noch eine unmissverständliche Botschaft: "Wir werden Venezuela nicht hergeben."

jok/AP/dpa



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