Krise in Venezuela Präsident Maduro ruft Flüchtlinge zur Heimkehr auf

Täglich fliehen Hunderte Venezolaner aus ihrer Heimat. Ihr Präsident will sie zurückholen. Brasilien erwägt, den Zugang für die Menschen zu begrenzen. Und Kolumbien bittet um internationale Hilfe.

Grenzübergang zwischen Venezuela und Kolumbien
REUTERS

Grenzübergang zwischen Venezuela und Kolumbien


Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat seine geflüchteten Landsleute zur Heimkehr aufgefordert. "Hört auf, im Ausland Toiletten zu putzen und kommt nach Hause", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in einer im Fernsehen und Radio übertragenen Rede. Sein Kommunikationsminister Jorge Rodriguez gab am Mittwoch an, venezolanische Botschaften weltweit würden mit Anfragen von Venezolanern überschwemmt, die heimkehren wollen. Die Regierung wolle diese aber nicht veröffentlichen - aus Angst vor "Vergeltung gegen die Venezolaner, die eine Rückführung anstreben".

Venezuela steckt in einer tiefen wirtschaftlichen und humanitären Krise. Viele Menschen leiden unter der Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässen bei der Strom- und Wasserversorgung. Die Opposition macht Maduro verantwortlich und wirft ihm vor, die Demokratie in Venezuela auszuhebeln.

Hunderttausende Venezolaner sind bereits vor dem Elend und der Unterdrückung in ihrer Heimat geflohen. Experten sprechen von der wohl größten Flüchtlingskrise in der Geschichte Lateinamerikas. Mindestens 2,3 Millionen Venezolaner haben nach Angaben der Vereinten Nationen das Land bereits verlassen. In Peru leben mehr als 400.000 venezolanische Flüchtlinge. Maduro sagte, Venezolanern sei in Peru "Rassismus, Verachtung, wirtschaftliche Verfolgung und Versklavung" begegnet.

Die kolumbianische Regierung verglich die Massenflucht der Venezolaner mit der Lage im Bürgerkriegsland Syrien. "Sie kommen in einem Umfang vergleichbar mit Syrien und jeden Tag werden es mehr", sagte Außenminister Carlos Holmes Trujillo am Mittwoch im Parlament. "Die Krise hat ein extremes Ausmaß erreicht. Die Venezolaner kommen voller Angst nach Kolumbien, um hier zu bleiben oder in andere Länder weiterzuziehen."

Glücklicherweise werde der internationalen Gemeinschaft das Ausmaß bewusst "und die Notwendigkeit, mit Geld und Kooperation zu helfen". Trujillo plädierte für einen internationalen Hilfsfonds, um die venezolanischen Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.

Video: Mein Leben unter Maduro

dbate.de

Auch Brasiliens Staatschef Michel Temer hat sich erneut zur Lage in Venezuela geäußert. Es sei denkbar, an der Grenze Zutrittskarten zu vergeben, um die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf 100 bis 200 täglich zu begrenzen - anstatt der bisherigen 800 Venezolaner, die täglich nach Brasilien strömten, sagte er im Gespräch mit Radio Jornal. Diese Möglichkeit sei bereits im Kabinett erörtert worden.

Eine Schließung der Grenzen sei ausgeschlossen, teilte die brasilianische Regierung anschließend mit. Mit der Vergabe von Tickets an den Grenzen werde eine Möglichkeit geschaffen, notleidende und bedürftige Flüchtlinge vorzuziehen.

Angesichts zunehmender Konflikte zwischen Einheimischen und Venezolanern hatte Brasiliens Regierung am Vortag Militär an die Grenze verlegt. Der Einsatz im Bundesstaat Roraima sei jedoch auf zwei Wochen beschränkt, hieß es.

aar/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Direwolf 30.08.2018
1. Scherzkeks
Es leigt doch ganz Wesentlich in Maduros Hand. Er braucht doch nur zurücktreten und seine Marionetten zum Gleichen auffordern. DAs dürfte vielen dieser Menschen schon reichen. Dann vielleicht noch ein offizieller Abschied vom krachend gescheiterten Bolivarismus und die Leute werden wieder Hoffnungen für ihre Heimat haben und eine Rückkehr erwägen
Redigel 30.08.2018
2.
Maduro lebt in seiner eigenen Welt... und da er nicht abdankt und weiterwurstelt wie bisher, wird man sich gedulden müssen bis Venezuela vollständig kollabiert. Danach kommen sicherlich auch wieder viele seiner Landsleute zurück um den Mist wegzuputzen den er und seine Leute angerichtet haben.
candido 30.08.2018
3. Es ist ein Wahnsinn
was in diesem Land passiert. Sitzt auf den grössten Erdölreserven weltweit und lässt sein Volk darben. Dabei war Venezuela einst für Auswanderer aus Spanien das gelobte Land. Ich selbst habe als 7jähriger erlebt , wie tausende Galicier vom Hafen von Vigo das Land verlassen haben. Zigtausende sind aus den Kanaren emigriert (in Santa Cruz de la Palma gibt es noch heute ein venezolanisches Konsulat), und jetzt kehren sie massenhaft zurück. Das Ergebnis sozialistischer Politik.
helmut46 30.08.2018
4. Auch eine Option zum Wohl der Venezulaner!!!!!
Vielleicht sollten die USA im Interesse und zum Wohl der Bevölkerung die Sanktionen gegen Venezuela beenden, damit die großen Erdölvorkommen zur Verbesserung des Lebensstandards der Menschen dort verwendet werden können. Aber dies paßt nicht zur "Amerika first"-Politik Ich befürchte, daß eine Lockerung der Sanktionen erst geschieht, wenn sich Maduro dem US-Diktat unterwirft und der Ausbeutung Venezuelas durch US-Konzernen zustimmt.
cs01 30.08.2018
5.
Zitat von helmut46Vielleicht sollten die USA im Interesse und zum Wohl der Bevölkerung die Sanktionen gegen Venezuela beenden, damit die großen Erdölvorkommen zur Verbesserung des Lebensstandards der Menschen dort verwendet werden können. Aber dies paßt nicht zur "Amerika first"-Politik Ich befürchte, daß eine Lockerung der Sanktionen erst geschieht, wenn sich Maduro dem US-Diktat unterwirft und der Ausbeutung Venezuelas durch US-Konzernen zustimmt.
Die Sanktionen betreffen den Maduroclan, nicht das Volk. Die USA kaufen doch das venezuelanische Erdöl zu Weltmarktpreisen auf, was will Venezuela mehr. Geld wäre vorhanden, die Sanktionen sind billige Ausreden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.