Festnahme in Caracas: Venezuela wirft US-Bürger Agententätigkeit vor

Venezuelas Innenminister Torres: Schwere Vorwürfe gegen einen US-BürgerZur Großansicht
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Venezuelas Innenminister Torres: Schwere Vorwürfe gegen einen US-Bürger

Das belastete Verhältnis zwischen den USA und Venezuela wird auf eine neue Probe gestellt: Die Regierung in Caracas hat einen US-Bürger festgenommen und wirft ihm in schrillen Tönen Agententätigkeit vor. Der Mann habe Venezuela "in einen Bürgerkrieg stürzen" wollen.

Caracas - Für den US-Bürger endete die Ausreise aus Venezuela am Flughafen in Caracas. Dort wurde der Mann nach Angaben des venezolanischen Innenministers Miguel Rodríguez Torres am Mittwoch von Sicherheitskräften festgenommen. Der Vorwurf der venezolanischen Behörden: Tätigkeit für einen ausländischen Geheimdienst.

Der 1978 im US-Bundesstaat Michigan geborene Mann habe versucht, nach der Präsidentenwahl Unruhen zu provozieren, um einen Vorwand für eine ausländische Intervention zu liefern, sagte Torres am Donnerstag. Der US-Bürger sei Teil einer Verschwörung rechter Kräfte, um die Ergebnisse der venezolanischen Präsidentenwahl anzufechten. Dem Minister zufolge wollte er "unser Land in einen Bürgerkrieg stürzen, der sofort die Intervention einer ausländischen Macht provozieren würde, um die Ordnung wiederherzustellen".

Der US-Bürger soll Kontakte zu der oppositionellen Studentengruppe "Operation Souveränität" gehabt haben. Die Bewegung hatte vor dem Krebstod des langjährigen Präsidenten Hugo Chávez Anfang März die Regierung gedrängt, Informationen zu seinem Gesundheitszustand herauszugeben. Vor der Präsidentenwahl am 14. April setzte sie sich für eine faire und transparente Abstimmung ein. Nach Bekanntgabe des Sieges von Chávez' Stellvertreter Nicolás Maduro warf sie der Regierung Fälschung vor.

Der US-Außenamtssprecher Patrick Ventrell sagte, er könne dazu nichts sagen, bis er nicht weitere Informationen habe. Die US-Regierung hat Maduro bisher nicht als Präsidenten anerkannt. Der enge Gefolgsmann von Chávez hatte die Wahl knapp gegen den konservativen Oppositionskandidaten Henrique Capriles Radonski gewonnen, doch wirft dieser der Regierung Fälschung vor und fordert eine Neuauszählung.

Am Freitag kündigte Capriles Radonski an, das Ergebnis der Abstimmung offiziell anzufechten. "Wir werden die Wahlen gestützt auf alle Beweise anfechten", sagte Capriles Radonski dem Privatsender Globovision. "Wir werden von der gesetzlich vorgesehenen Prozedur nicht ablassen. Die nächste Etappe ist, die Wahl offiziell vor den rechtlichen Instanzen anzufechten, auch wenn wir keine Antwort in unserem Sinne erwarten." Früher oder später werde es Neuwahlen geben, zeigte sich Capriles Radonski überzeugt.

Angesichts heftiger Proteste mit teils blutigen Ausschreitungen versprach die Wahlkommission zuletzt, den Wahlgang zu überprüfen, unternahm dazu aber keine Schritte.

hen/dpa/AFP

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insgesamt 52 Beiträge
hubertrudnick1 26.04.2013
Wenn die USA und andere Länder sich gegen den Terror schützen und diese Terroristen hart bestrtafen wollen, warum versuchen sie dann immer auf verschiedener Art den Terror in anderen Ländern hineinzutragen, um ihre Interssen [...]
Zitat von sysopDas belastete Verhältnis zwischen den USA und Venezuela wird auf eine neue Probe gestellt: Die Regierung in Caracas hat einen US-Bürger festgenommen und wirft ihm in schrillen Tönen Agententätigkeit vor. Der Mann habe Venezuela "in einen Bürgerkrieg stürzen" wollen. Venezuela nimmt US-Bürger fest - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-nimmt-us-buerger-fest-a-896644.html)
Wenn die USA und andere Länder sich gegen den Terror schützen und diese Terroristen hart bestrtafen wollen, warum versuchen sie dann immer auf verschiedener Art den Terror in anderen Ländern hineinzutragen, um ihre Interssen dort durchsetzen zu können? Die vielen Reden vom gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus ist doch nur ein Farce, man zeigt sich nur betroffen, wenn es im eigenem Land geschied. Aber die größte Art des Terrors gegen ein Land und seiner Bevölkerung ist noch immer der Krieg und wer hat nicht alles schon Kriege ohne selbst angegriffen zu sein sie anderen Ländern überzogen? HR
johannes.kepler 26.04.2013
Die seit 1999 regierenden Chavistas haben jährlich von zumindest 3 Mordanschläge gegen den Präsidenten berichtet. Beweise haben sie nie gezeigt. Ich bin mir sicher, dass die USA, wie übrigens die Kubaner, die Chinesen und die [...]
Die seit 1999 regierenden Chavistas haben jährlich von zumindest 3 Mordanschläge gegen den Präsidenten berichtet. Beweise haben sie nie gezeigt. Ich bin mir sicher, dass die USA, wie übrigens die Kubaner, die Chinesen und die Russen, Geheimagenten in Venezuela haben. Inwieweit die USA-Regierung an Machtwechsel interessiert ist, weiss ich als Venezolaner trotzt Regierungspropaganda nicht. Denn: die USA kriegen wie zuvor Erdöl. Jetzt versucht die USA weniger von Venezuela abhängig zu werden und das gelingt. Das erdölexportierende Venezuela muss aber komischerweise mehr Benzin von den USA importieren, weil unsere eigene Erdölgesellschaft kollabiert und nicht genug Erdöl distillieren kann. Vor ein paar Jahren kundigte die Chávez-Regierung an, man habe einen französischen Agenten angehalten, der Chávez umbringen wollte. Am Ende 2012 haben sie ihn nach Frankreich geliefert. Wir haben nichts mehr gehört. Letztes Jahr haben sie auch anscheinend einen US-Amerikaner in Westvenezuela gehalten, der angeblich Karten hatte, wo er angedeutet hatte, wo und wann er zuschlagen wollte, um gegen die Chávez-Regierung vorzugehen. Wir haben nichts mehr von ihm gehört, nur dass er im Gefängnis sitzt. Die venezolanische Regierung hat jetzt Gesetze, die selbst strenger sind als die von Putin verabschiedeten Gesetzte gegen Nichtregierungsorganisationen. Dabei können diese Organisationen, selbst als sie für Menschenrechte kämpfen, kein Geld vom Ausland bekommen. Human Rights Watch wurde vom Land verwiesen. Selbst Amnesty International sind "Agenten der Imperialisten". Die Regierung hat gesagt, dass bei von der Opposition angekündigten Demos mehrere Chávez-Anhänger ermordet wurden. In Wahrheit sind mehrere Menschen ermordet worden - bei den normalen Morden, die seit Chávez Venezuela zum gefährlichsten Land Südamerikas gemacht haben. Die Gesundheitszentren, die angeblich von der Opposition angegriffen worden waren, waren eigentlich intakt oder, wie die Bürger in der Nähe sagten, schon seit Monaten runtergekommen, verlassen, weil es jetzt trotzt Recorderdöleinnahmen an Geld fehlt. Das ist mein Land. Die Nationalversammlung hat seit letzter Woche nichts mehr gemacht, weil der Militär und Vorsitzende dieser Versammlung die Abgeordnete der Opposition nicht zu Wort kommen lassen will, bis sie Maduro als Präsident anerkennen. Die Opposition verlangt die öffentliche Zählung der Stimmzettel. Die Regierung will es nicht. Angeblich gilt nun nur die Ergebnisse der Wahlcomputer.
gerd.lt 26.04.2013
Frage: Wer kann von einem rechten Putsch in Mittel- oder Südamerika berichten, an dem der US Geheimdienst CIA nicht beteiligt war?
Frage: Wer kann von einem rechten Putsch in Mittel- oder Südamerika berichten, an dem der US Geheimdienst CIA nicht beteiligt war?
denkmal65 26.04.2013
"Der 1978 im US-Bundesstaat Michigan geborene Mann habe versucht, nach der Präsidentenwahl Unruhen zu provozieren, um einen Vorwand für eine ausländische Intervention zu liefern," Wenn ich mir die u-s amerikanischen [...]
"Der 1978 im US-Bundesstaat Michigan geborene Mann habe versucht, nach der Präsidentenwahl Unruhen zu provozieren, um einen Vorwand für eine ausländische Intervention zu liefern," Wenn ich mir die u-s amerikanischen "Bemühungen" in Süd- und Mittelamerika,der letzten Jahrzehnte anschaue, ist das völlig glaubwürdig! Das entspricht exakt den Muster der U-S Aussenpolitik in ihren "Hinterhof"
marcel2101 26.04.2013
Natürlich! Nie käme man in den USA jemals auf so abwegige Ideen, dabei zu helfen, fremde Regierungen wegzuputschen! Erst Recht nicht in Venezuela! Völlig ausgeschlossen, denn nichts achtet man in Washington mehr, als die [...]
Natürlich! Nie käme man in den USA jemals auf so abwegige Ideen, dabei zu helfen, fremde Regierungen wegzuputschen! Erst Recht nicht in Venezuela! Völlig ausgeschlossen, denn nichts achtet man in Washington mehr, als die Souveränität anderer Nationen! Lange Rede, kurzer Sinn: Es muss sich zweifelsfrei um eine wilde Verschwörungstheorie handeln, Irrtum ausgeschlossen! ;-)
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  • Freitag, 26.04.2013 – 07:26 Uhr
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