Politik


Streit über Redeverbot: Verletzte bei Prügelei in Venezuelas Parlament

Foto: REUTERS

In Venezuela eskaliert nach der Präsidentschaftswahl der Streit zwischen Regierung und Opposition: Im Parlament prügelten sich Abgeordnete der verfeindeten Lager. Mehrere Politiker sollen verletzt worden sein.

Caracas - Verwackelte Amateurvideoaufnahmen dokumentieren die Prügelei im venezolanischen Parlament: Abgeordnete der Regierungspartei und der Opposition gehen aufeinander los - es soll mehrere Verletzte gegeben haben. Medien waren bei der Sitzung am Dienstag nicht anwesend. Sie war nicht-öffentlich.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl liegen Opposition und Regierungspartei im Streit. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Schlägerei verantwortlich. Nach Darstellung der Opposition wurden sieben ihrer Parlamentarier angegriffen, als sie gegen einen Entzug ihres Rederechtes protestierten. Den Beschluss hatte die Regierungspartei für diejenigen Volksvertreter durchgesetzt, die nicht den Wahlsieg von Präsident Nicolás Maduro anerkennen wollen. Sein Widersacher Henrique Capriles Radonski erhielt dem amtlichen Ergebnis zufolge nur 1,5 Prozentpunkte weniger und spricht von Wahlbetrug.

Er sei nicht der Einzige, der bei der Prügelei geschlagen worden sei, sagte der Oppositionsabgeordnete Julio Borges dem Fernsehsender Globovision. Er machte Parlamentspräsident Diosdado Cabello persönlich für die Eskalation verantwortlich, da dieser den Abgeordneten der Opposition das Rederecht verweigert habe.

Cabello hatte den Oppositionsvertretern nach der Abstimmung gesagt, solange sie die Autoritäten und Institutionen des Landes nicht anerkennen würden, dürften sie im Parlament auch nicht sprechen. Die sozialistische Abgeordnete Odalis Monzon widersprach der Darstellung von Borges und sagte im Parlamentsfernsehen, sie sei "von den Oppositionsbänken heraus angegriffen" worden.

"Verschwinde mit deiner Fresse aus Venezuela"

Am Montag hatte die Wahlkommission mit einer Teilneuauszählung der umstrittenen Präsidentenwahl vom 14. April begonnen. Bei dem Urnengang hatte sich der Wunschnachfolger des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez, Nicolás Maduro, knapp gegen den oppositionellen Herausforderer Henrique Capriles Radonski durchgesetzt. Capriles Radonski wirft der Regierung aber Fälschung vor und beharrt auf einer Neuauszählung aller Stimmen.

Ein Angebot der früheren Kolonialmacht Spanien, zwischen den beiden Seiten zu vermitteln, wurde von Maduro am Dienstag vehement zurückgewiesen. "Herr Außenminister, verschwinde mit deiner Fresse aus Venezuela. Verschwinde einfach, du unverschämter spanischer Außenminister", sagte Maduro mit Bezug auf José Manuel García-Margallo. Für Mittwoch riefen beide Seiten zu Großkundgebungen zum 1. Mai auf.

cst/Reuters/AFP

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insgesamt 50 Beiträge
johannes.kepler gestern, 15:13 Uhr
Wenn Sie die Videos und danach Fotos der Beteiligten sehen, werden Sie feststellen, wer da verprügelt wurde. Ingenieur María Corina Machado, eine unserer Abgeordneten, wurde geschoben und die Abgeordneten der Regierungen haben ihr [...]
Wenn Sie die Videos und danach Fotos der Beteiligten sehen, werden Sie feststellen, wer da verprügelt wurde. Ingenieur María Corina Machado, eine unserer Abgeordneten, wurde geschoben und die Abgeordneten der Regierungen haben ihr Fusstritte gegeben. Der Anwalt Julio Borges wurde besonders brutal von anderen Regierungsabgeordneten, vor allem von Michael Reyes aus dem Bundesstaat Aragua, geschlagen. Angeblich sollte das Wahlsystem in Venezuela sicher sein, weil auch Stimmzettel gedruckt werden. In Wirklichkeit will die von der Regierung völlig beherrschte Wahlkommission diese Stimmzettel nicht zählen, nur die Listen gegen digitale Ergebnisse. Das ist aber völlig sinnlos, denn die stimmen sowieso immer überein, wenn es Wahlbetrug gibt. So wie die Regierung eigentlich im Jahr 2012 zugab, muss man die Zettel zählen und dazu überprüfen, ob diejenigen, die tatsächlich die Wahlmaschine benutzt haben, dazu berechtigt waren. In vielen Wahllokalen durften die Oppositionellen nicht reinkommen oder sie wurden manchmal rausgeworfen. Auch wenn der Chavismus jetzt jede Menge stimmen verlor und Capriles mehr zu sich holte: in den Regionen, wo wir, die Opposition, keine Zeugen hatten, hat plötzlich Maduro mehr Stimmen bekommen als Chávez im Oktober. In manchen Wahllokalen, wo die Opposition über 50 Stimmen kriegte, kriegte sie nun keine - das geschah aber nur in solchen Bezirken, wo es keine Zeugen gab.
johannes.kepler gestern, 15:21 Uhr
Der dicke Mann mit der gelb-blau-roten Jacke ist Michael Reyes, von der Chavez-Partei, schlägt zu, Julio Borges versucht vergeblich, sein Gesicht zu schützen. http://www.youtube.com/watch?v=66G-L1N7xzQ&feature=player_embedded [...]
Der dicke Mann mit der gelb-blau-roten Jacke ist Michael Reyes, von der Chavez-Partei, schlägt zu, Julio Borges versucht vergeblich, sein Gesicht zu schützen. http://www.youtube.com/watch?v=66G-L1N7xzQ&feature=player_embedded Sie können danach die Fotos sehen, wie Julio Borges und María Corina Machado aussahen.
raber gestern, 15:23 Uhr
Viel geredet, wenig gemacht! So sind nun mal die Venezolaner. Dies schliesst natürlich nicht aus, dass solch wenig zivilisierte Spektakel sich im Parlament abspielen. Nicht zu vergessen, dass es auch in anderen Ländern geschieht. [...]
Viel geredet, wenig gemacht! So sind nun mal die Venezolaner. Dies schliesst natürlich nicht aus, dass solch wenig zivilisierte Spektakel sich im Parlament abspielen. Nicht zu vergessen, dass es auch in anderen Ländern geschieht. Heutzutage noch von Kolonialmacht zu reden ist anachronisch, aber im Eifer des Gefechtes werden viele Dummheiten gesagt.
exterminate gestern, 15:28 Uhr
Die CIA-Provokateure geben keine Ruhe. Die gewählte Regierung sollte sich von denen nicht destabilisieren lassen und souverän durchgreifen.
Die CIA-Provokateure geben keine Ruhe. Die gewählte Regierung sollte sich von denen nicht destabilisieren lassen und souverän durchgreifen.
kurpfaelzer54 gestern, 15:47 Uhr
...wieviel unkritische Solidarität Maduro und seinen Leuten von Seiten deutscher Linker, insbesondere Parteigänger der im Bundestag vertretenen Partei "Die Linke " entgegengebracht wird. Ich kann die reale Lage von hier [...]
...wieviel unkritische Solidarität Maduro und seinen Leuten von Seiten deutscher Linker, insbesondere Parteigänger der im Bundestag vertretenen Partei "Die Linke " entgegengebracht wird. Ich kann die reale Lage von hier aus nicht beurteilen. Eine einseitige Parteinahme ist meiner Meinung nach sehr problematisch. Einen Vermittlungsversuch des spanischen Außenministers mit solchen unflätigen Worten abzuweisen zeugt nicht gerade von Intelligenz. Chavez hat das Land wirtschaftlich abgewirtschaftet. Es besteht die Gefahr, dass eine neue Diktatur entsteht die sich dann noch "sozialistisch" nennt. Solche Stalino-Sozialisten würden dem Ansehen der ursprünglichen sozialistischen Idee neuen schweren Schaden zufügen. Das sauberste wären Neuwahlen unter Aufsicht der UN.
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  • Mittwoch, 01.05.2013 – 15:00 Uhr
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