Wirtschaftskrise Rund 10.000 Proteste in Venezuela im Jahr 2017

Die Bevölkerung in Venezuela ist extrem unzufrieden: Eine Organisation hat für das vergangene Jahr Tausende Demonstrationen gezählt. Grund ist die andauernde schwere Wirtschaftskrise.

Proteste in Caracas im April 2017
REUTERS

Proteste in Caracas im April 2017


Angesichts der dramatischen Versorgungskrise und Repression der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolás Maduro ist die Zahl der Proteste in Venezuela auf ein Rekordhoch gestiegen. Die auf Konfliktstudien spezialisierte Organisation "Observatorio Venezolano de Conflictividad Social" (OVCS) teilte mit, dass im Jahr 2017 insgesamt 9787 Demonstrationen und andere Arten von Protestaktionen gezählt wurden. Dies dürfte weltweit ein Spitzenplatz sein. 2016 hatte es laut OVCS noch 6917 Proteste gegeben.

Das OVCS steht der Opposition nahe, offizielle Angaben liegen nicht vor. Die Zahl entspricht 27 Demos am Tag. Grund dafür ist die Krise, die Venezuela seit Langem überschattet. Zwar gibt es in dem südamerikanischen Land die größten Ölreserven der Welt, aber auch die höchste Inflation, weshalb der Monatslohn nur noch wenige Euro wert ist und das Land massive Probleme hat, im Ausland genug Lebensmittel einzukaufen. US-Sanktionen erschweren die Situation. Zudem gilt Caracas als eine der gefährlichsten Städte der Welt.

Kryptowährung gegen Inflation?

In Venezuela gibt es einen dramatischen Wirtschaftseinbruch. Nach Schätzung einer Wirtschaftskommission des entmachteten Parlaments lag die Geldentwertung 2017 bei über 2600 Prozent. Eine private Wirtschaftsberatungsfirma geht sogar von knapp 2900 Prozent aus (Lesen Sie hier eine Analyse zur Inflation in Venezuela). Maduro macht einen "Wirtschaftskrieg" des Auslands und den niedrigeren Ölpreis für die Misere verantwortlich.

Der Präsident will mit einer Kryptowährung, dem "Petro", das Land aus den Fängen der Hyperinflation befreien. Der "Petro" soll mit Ölreserven abgesichert werden. So sollen Einfuhren von Lebensmitteln besser bezahlt werden können. Doch Experten sehen das Vorhaben skeptisch, weil es die Gefahr gibt, dass niemand den "Petro" akzeptiert.

Noch kann Maduro sich auf die Unterstützung des Militärs verlassen, doch Hunderttausende Zivilisten sind bereits geflohen. Die meisten Supermarktregale sind leer, Hunger und Kindersterblichkeit nehmen rasant zu. Das OVCS zählte seit Beginn des Jahres 2018 bisher 386 Demonstrationen, 107 Plünderungen und Plünderungsversuche, bei denen mindestens fünf Menschen starben. Erst am Montag waren mehrere Menschen ums Leben gekommen, als venezolanische Spezialeinheiten eine Gruppe Aufständischer angriffen.

dbate-Video über Aufstände in Venezuela

dbate.de

aev/dpa



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