Staatskrise in Venezuela Russland warnt USA vor militärischem Eingreifen

Die USA suchten einen "künstlichen Vorwand" für ein militärisches Einschreiten in Venezuela, so der russische Außenminister Lawrow. Russlands Uno-Botschafter bezeichnete Hilfslieferungen für das Land als "Zwangsernährung".

Russlands Außenminister Sergej Lawrow
SERGEI CHIRIKOV/ EPA-EFE/ REX

Russlands Außenminister Sergej Lawrow


US-Präsident Donald Trump kokettiert immer wieder mit einer US-Intervention in Venezuela. Nun hat Russland die USA vor einem militärischen Eingreifen im krisengeschüttelten Venezuela gewarnt.

Es gebe Versuche von US-Seite, einen künstlichen Vorwand für ein solches Einschreiten zu schaffen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Interfax zufolge bei einem Ministertreffen in China. Wer offen sage, dass die Tage von Präsident Nicolás Maduro gezählt seien, zeige, dass Kuba und Nicaragua schon die nächsten Länder sein würden.

Bei einem Treffen von 13 lateinamerikanischen Staaten, Kanadas und der USA am Montag in Kolumbien war die Frage einer militärischen Intervention diskutiert worden. Die Teilnehmer sprachen sich im Ergebnis gegen den Einsatz von Gewalt in Venezuela aus. Auch die USA, vertreten durch US-Vizepräsident Mike Pence, schlossen sich dem an.

Die Probleme des souveränen Staates könnten nur auf Grundlage der von den Vereinten Nationen festgelegten Prinzipien gelöst werden, sagte Lawrow. Kein anderes Land in Lateinamerika unterstütze zudem die Möglichkeit einer militärischen Einmischung.

Russlands Uno-Botschafter bezeichnet Hilfslieferungen als "Zwangsernährung"

Die USA wollen die Lieferung von Hilfsgütern nach Venezuela mithilfe einer Resolution im Uno-Sicherheitsrat durchsetzen - womöglich noch in dieser Woche. Russlands Uno-Botschafter Wassili Nebensja bezeichnete die Lieferung von Hilfsgütern in das südamerikanische Land als "Zwangsernährung", da Maduro diese nicht genehmigt habe. Das ölreiche, von den USA mit Sanktionen belegte Land steckt in einer schweren Versorgungskrise. Mehr als drei Millionen Menschen sind bisher geflüchtet.

Der umstrittene Präsident Maduro und sein Herausforderer, der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó, tragen ihren Machtkampf unter anderem über die Hilfsgüter aus. Maduro sieht darin einen Vorwand für die USA, in Venezuela einzumarschieren und ihn zu stürzen.

Oppositionschef Juan Guaidó hatte am Wochenende bei Twitter anklingen lassen, sich "alle Optionen offenzuhalten, um Venezuela zu befreien". Auch der US-Außenminister Mike Pompeo twitterte, "nun ist die Zeit zum Handeln gekommen, um dem verzweifelten venezolanischen Volk zu helfen". Eine militärische Intervention der USA schloss er in einem Interview mit dem Sender Fox News nicht aus.

mst/dpa



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