Oppositions-Plebiszit in Venezuela Eine Tote bei Angriff auf Regierungsgegner

Millionen Venezolaner haben bei einem Plebiszit gegen die umstrittene geplante Verfassungsreform der Regierung gestimmt. In Caracas griffen Bewaffnete die Menschen an, eine Frau wurde dabei getötet.

Ermittler am Tatort in Caracas
REUTERS

Ermittler am Tatort in Caracas


In Venezuelas Hauptstadt Caracas haben Bewaffnete am Sonntag eine Frau getötet und drei weitere Menschen verletzt. Laut Staatsanwaltschaft wollten sie ihre Stimme beim symbolischen Verfassungsreferendum der Opposition abgeben, als Unbekannte von Motorrädern aus das Feuer auf die Bürger eröffnet hätten. Die Opposition machte "paramilitärische Gruppen" aus dem Umkreis von Präsident Nicolás Maduro für den Angriff verantwortlich.

Der Überfall ereignete sich in einem Arbeiterviertel im Westen Caracas'. Videoaufnahmen, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, zeigten Menschen, die in Panik vor den Schüssen flohen. Rund 500 von ihnen suchten Schutz in einer nahe gelegenen Kirche. Oppositionssprecher befürchteten weitere Todesopfer.

In ihrem erbitterten Streit mit der Regierung hatte die Opposition für Sonntag ein Plebiszit gegen Maduros Pläne für eine Verfassungsreform angesetzt. Millionen Venezolaner waren aufgerufen, über die umstrittene Wahl einer verfassunggebenden Versammlung abzustimmen. Die Regierung erkennt die Wahl nicht an. Der Staatschef selbst ließ als offene Kampfansage eine Generalprobe der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung abhalten.

López hofft auf Signal des "zivilen Ungehorsams"

Maduros sozialistische Regierung will eine neue Verfassung von einer verfassunggebenden Versammlung verabschieden lassen, die am 30. Juli bestimmt werden soll. Die Opposition befürchtet, dass der Präsident das Gremium mit seinen Anhängern besetzen könnte, um sich dann mit der neuen Verfassung diktatorische Vollmachten zu geben.

Das Oppositionsbündnis MUD - ein Sammelbecken konservativer, liberaler und sozialdemokratischer Parteien - hofft, dass das Plebiszit ein klares Signal des "zivilen Ungehorsams" sendet. "Ich bin weiter Gefangener, ich kann nicht zum Wahllokal gehen. Ich rufe euch auf, die Schritte bis zu eurem Wahllokal zu gehen und für Venezuela zu stimmen", ließ der zurzeit bekannteste Oppositionelle Leopoldo López über den Twitter-Account seiner Frau ausrichten. López wurde erst vor wenigen Tagen nach Jahren der Inhaftierung unter Hausarrest gestellt. Seiner Botschaft war ein Bild angehängt, das offenbar seinen eigenen Fuß mit elektronischer Fußfessel zeigte.

Das Parlament sieht seine Initiative durch die Verfassung gedeckt. Als Mobilisierungserfolg galt die Marke von acht Millionen der rund 19 Millionen wahlberechtigten Venezolaner. Die Maduro-nahen Wahlbehörden unterstützen die Abstimmung nicht. Venezuela versinkt seit Monaten im Chaos. Mehr als 90 Menschen sind seit Anfang April bei massiven Straßenprotesten gegen die Regierung gestorben. Das Land leidet unter der höchsten Inflation weltweit und einer akuten Versorgungskrise, überall fehlt es an Medikamenten und Lebensmitteln.

max/dpa/AFP



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