Gewalt in Venezuela Uno befürchtet Verbrechen gegen Menschlichkeit

Grundlose Festnahmen, übermäßige Gewaltanwendung und Folter von Häftlingen: Die Vereinten Nationen zeigen sich angesichts der Gewalt in Venezuela besorgt - und fordern eine unabhängige Untersuchung.

Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza
AP

Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza


124 Menschen sind bei den Protesten gegen die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro in Venezuela zwischen April und Juli ums Leben gekommen - fast die Hälfte von ihnen soll von Sicherheitskräften getötet worden sein. Das berichteten die Vereinten Nationen im August. Nun erhebt die Uno erneut schwere Vorwürfe. So seien bei der brutalen Unterdrückung von Regierungsgegnern womöglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden, meldet das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen.

Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, warf der Regierung in Caracas unter anderem grundlose Festnahmen, übermäßige Gewaltanwendung und die Misshandlung von Häftlingen bis zur faktischen Anwendung der Folter vor. "Meine Untersuchungen legen die Möglichkeit nahe, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden sein könnten", sagte Said. Er fordere eine internationale Untersuchung der Vorgänge in Venezuela.

Der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza wies die Vorwürfe zurück. "Diese Berichte entbehren jeder Grundlage", sagte er. Damit solle die Souveränität und Stabilität seines Landes untergraben werden. "Wir verlangen, dass der Hochkommissar solche Aggressionen gegen unser Land unterbindet", sagte Arreaza. "Die Opposition in Venezuela ist zu dem Pfad der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie zurückkehrt."

Demokratie "gerade noch am Leben"

Venezuela gehört zu den 47 Mitgliedern des Uno-Menschenrechtsrates und wird dort unter anderem vom Iran und von Kuba unterstützt. Das Opec-Mitglied steckt seit der Wahl 2015 in einer politischen Krise. Seit die umstrittene verfassungsgebende Versammlung eingesetzt wurde, hatte sich die Lage in Venezuela nochmals deutlich verschärft. Die kritische Generalstaatsanwältin Luisa Ortega wurde abgesetzt.

Said hatte den venezolanischen Sicherheitskräften Ende August bereits umfangreiche und offenbar gezielte Verletzungen der Menschenrechte von regierungskritischen Demonstranten vorgeworfen. Die Demokratie in dem lateinamerikanischen Land sei "gerade noch am Leben, wenn sie überhaupt noch lebt".

Video: Maduro kündigt nach Putschversuch harte Reaktionen an

vks/Reuters/dpa

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