Gewalt gegen Opposition Uno wirft Venezuela Folter vor

Venezuela versinkt im Chaos - jetzt schlagen die Vereinten Nationen Alarm. Die Gewalt des Staates gegenüber der Opposition sei systematisch und unverhältnismäßig. Es käme sogar zu Folter.

Proteste in Venezuela
AP

Proteste in Venezuela


Die Vereinten Nationen kritisieren in einem Bericht das harte Vorgehen der venezolanischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten: Demnach kam es zu systematischer und unverhältnismäßiger Gewalt. Eine Gruppe von Experten habe in dem Land zudem willkürliche Verhaftungen, Folter und gewaltsame Hausdurchsuchungen festgestellt. Das teilte die Uno in Genf mit.

"Diese Verstöße sind aufgetreten inmitten des Zusammenbruchs der Rechtsstaatlichkeit in Venezuela", sagte Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein. Die Uno appellierte an das südamerikanische Land, Maßnahmen zur Deeskalation zu ergreifen.

Venezuela wird seit Monaten von politischen Unruhen und einem erbitterten Machtkampf zwischen Regierungslager und Opposition erschüttert. Der Protest richtet sich gegen den sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro, der das Land zunehmend zu einer Diktatur umbaut.

Nach offiziellen Angaben starben bei den Demonstrationen bisher mehr als 120 Menschen. Nach einer Analyse der Vereinten Nationen sind Sicherheitskräfte für zumindest 46 und Pro-Regierungstruppen für 27 Todesopfer verantwortlich. (Lesen Sie hier das Portrait zweier politischer Gefangener im aktuellen SPIEGEL).

Video: Maduro kündigt nach Putschversuch harte Reaktionen an

Seit kürzlich eine umstrittene verfassungsgebende Versammlung eingesetzt wurde, hat sich die Lage nochmals deutlich verschärft. Die kritische Generalstaatsanwältin Luisa Ortega wurde abgesetzt, sie darf das Land nicht verlassen. Am Dienstag ordnete der Oberste Gerichtshof zudem die Verhaftung von Ramón Muchacho an, einem oppositionellen Bürgermeister des Bezirks Chacao in der Hauptstadt Caracas. In dem Bezirk war es zu Massenprotesten gegen Maduro gekommen.

Das Ersuchen der Uno, offiziell Zugang für eine Untersuchung der Lage zu erhalten, blieb bislang unbeantwortet. Ein Team von Experten befand sich trotzdem von Anfang Juni bis Ende Juli in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt. Augenzeugen berichteten, wie Sicherheitskräfte ohne Vorwarnung mit Tränengas auf Demonstranten losgingen. Zusätzlich soll etwa die Polizei unverhältnismäßig aggressiv gewesen sein, um Menschen Angst einzuflößen.

mho/dpa/Reuters

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