Uno warnt vor Fremdenfeindlichkeit Venezolanische Flüchtlinge werden bedroht und angegriffen

Mehr als eine Million Venezolaner sind bislang vor wirtschaftlichem Elend und Machtkämpfen aus ihrem Heimatland geflohen. Jetzt stoßen sie zunehmend auf Ablehnung, beklagt die Uno.

Flüchtlingskind aus Venezuela in einem Camp in Kolumbien
AFP

Flüchtlingskind aus Venezuela in einem Camp in Kolumbien


In Venezuela tobt ein Machtkampf zwischen dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó und Staatschef Nicolás Maduro, die wirtschaftliche Lage des Landes ist seit Langem desolat. Vor der politischen und ökonomischen Krise sind Hunderttausende geflohen, in den Nachbarländern schlägt ihnen nun offenbar verstärkt Hass entgegen.

Uno-Hilfsorganisationen haben Gewalt gegen venezolanische Flüchtlinge am Montag entschieden verurteilt. In den vergangenen Tagen seien Venezolaner in Nachbarländern teils bedroht und angegriffen worden. "Hass, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit sind extrem besorgniserregend", sagte Eduardo Stein, Sonderbeauftragter des Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Organisation für Migration (IOM) für Migranten aus Venezuela.

Die desolate Lage in dem Land habe die größte Völkerbewegung der jüngeren Geschichte Lateinamerikas ausgelöst: Allein im vergangenen Jahr baten mehr als 230.000 Venezolaner im Ausland um Asyl. Eine Million Menschen leben zudem aufgrund anderer Vereinbarungen außerhalb ihres Heimatlandes, etwa mit vorübergehenden Aufenthaltsgenehmigungen oder Arbeitsvisa.

EU erhöht Druck auf Maduro

Bislang hätten die Nachbarstaaten große Solidarität gezeigt, sagte UNHCR-Sonderbeauftragter Stein. Er rief Medien und Nutzer sozialer Medien auf, negative Einstellungen anzuprangern und nicht noch zu verstärken. UNHCR und IOM seien im Einsatz, um Migranten sowie die Gemeinden, die sie aufnähmen, zu unterstützen. Misswirtschaft hat das erdölreiche Land in eine tiefe Krise gestürzt. Nach IOM-Angaben sind seit 2016 mehr als zwei Millionen Venezolaner geflüchtet.

Den Parlamentspräsidenten und selbst ernannten Staatschef Guaidó erkennen bislang die USA und einige Nachbarstaaten als Präsidenten an. Sie verlangen vom bisherigen Staatschef Maduro, er solle die Macht abgeben. Auch Deutschland hat sich inzwischen für einen geordneten demokratischen Übergang in Venezuela ausgesprochen, allerdings ohne formelle Anerkennung Guaidós. Die Bundesrepublik und weitere EU-Staaten haben Maduro eine Frist von acht Tagen gesetzt, um Neuwahlen auszurufen. Andernfalls wollen auch sie Guaidó anerkennen. Maduro wies das Ultimatum bei CNN Türk inzwischen als "Frechheit" zurück.

Wichtig wird sein, auf welche Seite sich das Militär schlägt. Es hält zwar bislang Maduro die Treue. Jenseits der Generalität gibt es aber auch Sympathien für den Oppositionellen Guaidó. Der umwirbt das Militär, richtet sich dabei aber vor allem an einfache Soldaten. Auf Twitter veröffentlichte er das vom Parlament verabschiedete Amnestiegesetz, das Militärs Straffreiheit zusichert, wenn sie sich an der Wiederherstellung der demokratischen Ordnung beteiligen.

cht/dpa

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Nonvaio01 28.01.2019
1. sorry aber
man kann die menschen verstehen, die Region um Venezuela ist nicht gerad ereich, das sind alles laender der sogenannten 3 Welt. Die haben auch nichts, wenn da nun stroeme von fluechtlingen ankommen ist es normal. Das heisst nicht das ich es gut finde, aber ich kann mich in die situation der dort lebenden hineinversetzten. Dann soll die UN eben fluechtlings lager aufbauen, Food schicken etc... Menschen sind Menschen und haben sorgen und Aengste, wir sind nicht im Jahre 2500 bei Star Trek. Auch wenn man das gerne haette.
pelayo1 28.01.2019
2.
Das sind Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, der gleichen Religion angehören und genauso aussehen wie die in den Aufnahmeländern, und trotzdem gibt es Konflikte und Verteilungskämpfe. Nur in Deutschland ist alles ganz anders, da gehen alle Konflikte nur auf den Rassismus der Deutschen zurück.
caronaborealis 28.01.2019
3. Falsch
In Kolumbien leben zur Zeit über eine Million Menschen aus Venezuela. Ich lebe in Cali und erlebe jeden Tag wie die Flüchtlinge an jedem Rotlicht betteln und das nun schon seit bald einem Jahr. Ich erlebe auch jeden Tag, wie die Kolumbianer - auch wenn sie nicht mit irdischen Gütern gesegnet sind - die Flüchtlinge mit Geld oder Nahrungsmittel unterstützen. Der Artikel impliziert, dass den Flüchtlingen Ablehnung oder sogar Hass entgegen schlägt. Das ist schlicht falsch. Mag sein, dass es einzelne Vorkommnisse dieser Art gibt, das wäre aber dann die Ausnahme und nicht die Regel.
SummseMann 28.01.2019
4. Oh nein!
Soweit ich das aus den Aussagen unsere seligen Moralisten hier heraushören kann, bedeutet das, dass dort also Nazis und Rassisten am Werk sind. Oder sind das auch Bewunderer Maduros die diese unliebsamen Querulanten, die das schöne neue Venezuela nicht sehen und haben wollen, nur in ihr Glück zwingen? Es wundert einen schon dass die Leute fliehen, Maduro ist doch der Heilsbringer für die Armen und Gegnechteten wird mir immer Erklärt, darum wird er vom Westen verteufelt und Russland, Türkei und China, alles die Guten, untersützen ihn. Ich denke ja es ist einfach die Angst dass sich die eigenen Lebensumstände verschlechtern werden in einer überbevölkerten Welt mit schwindenen Ressourcen, aber ich bin ja nur ein einfacher Mensch, keiner der superschlauen Gutmenschen, was weiß schon.
albatross507 28.01.2019
5. Zahlen
Eine Million sind vielleicht die legalen Auswanderer. Die meisten sind illegal. Insgesamt sind es mindestens 3 Millionen, eher mehr. Allein Kolumbien hat 1 Million, Panama eine halbe Million. Und ja, Rassismus gibt es überall auf der Welt und es gibt ihn akut gegen Venezolaner. Soll aber nicht heissen, dass alle so denken.
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