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Venezuelas neuer Präsident Maduro: Allein gegen gierige Generäle

Von , Rio de Janeiro

Wahlsieger Maduro: Als Kandidat überfordert - und als Staatschef auch Zur Großansicht
REUTERS

Wahlsieger Maduro: Als Kandidat überfordert - und als Staatschef auch

Der Sieg von Nicolás Maduro bei den Wahlen in Venezuela fiel knapper aus als erwartet. Der Ziehsohn des toten Hugo Chávez ist damit schon jetzt ein schwacher Präsident. Er muss sich hüten: vor dem Volk - und vor Hunderten hochrangiger Militärs, die um ihre Petrodollars kämpfen.

Jetzt steht der Sieger als Verlierer da und der Unterlegene als eigentlicher Gewinner: Das knappe Ergebnis bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela - Regierungskandidat Nicolás Maduro hat nicht einmal zwei Prozent mehr als sein Gegner Henrique Capriles Radonski - leitet unsichere Zeiten für den Ölstaat ein.

Der Chávez-Bonus ist bereits vier Wochen nach dem Tode des Caudillos weitgehend verflogen, und die Amtszeit seines Nachfolgers beginnt mit einem riesigen Fragezeichen: Hat er überhaupt gewonnen?

Die Opposition hat über 3000 Anzeigen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten beim Wahlvorgang gesammelt, Capriles Radonski fordert eine manuelle Neuauszählung der Stimmen. Auch US-Präsident Obama, so lässt sein Sprecher mitteilen, hielte eine Neuauszählung angesichts des knappen Ergebnisses für einen "wichtigen, weisen und notwendigen Schritt". Venezuela hat ein elektronisches Wahlsystem, das beschleunigt die Auszählung und gilt als relativ betrugssicher. Relativ - denn Manipulationsmöglichkeiten gibt es auch bei den elektronischen Urnen.

Vier der fünf Mitglieder der Obersten Wahlbehörde sind mit Chávez-Anhängern besetzt. Maduro hat zwar noch in der Wahlnacht angekündigt, dass er einer manuellen Neuauszählung zustimmt, doch sein Wahlkampfleiter Jorge Rodríguez schränkte das Versprechen gleich wieder ein: Die Chávez-Partei will allenfalls einer Teilauszählung zustimmen. Die Differenz zwischen Maduro und Capriles Radonski beträgt 235.000 Stimmen: 7,5 Millionen waren für Maduro; 7,2 für Capriles Radonski. Das spiegelt ziemlich genau den Zustand des Landes wider: Venezuela ist in zwei etwa gleich große Lager gespalten.

Der Typ mit dem Vögelchen

Bei der Opposition handelt es sich schon lange nicht mehr um ein Grüppchen rechtsradikaler Oligarchen und reicher Putschisten, wie Chávez und seine Anhänger immer verbreitet haben: Die wanderten schon vor Jahren nach Miami oder Kolumbien aus.

Die Chávez-Gegner stellen eine breite Allianz demokratischer Kräfte dar - sie reicht von den Studenten bis zu Kleinunternehmern, Hausfrauen und Intellektuellen. Unter ihnen sind auch viele Arme. Dass jeder Bewohner eines venezolanischen Elendsviertels den sozialistischen Volkstribun anbetet, ist einer von vielen Mythen, die von Chávez und seinen Leuten wider besseren Wissens gepflegt wurden. In Wirklichkeit hatte die Opposition auch in den Slums immer viele Anhänger - sie wagten sich nur nicht aus der Deckung, solange der schier allmächtige Caudillo herrschte.

Den Armen fehlte zudem eine politische Identifikationsfigur. Erst Capriles Radonski schaffte es, die Opposition zu einigen. Der junge Gouverneur des wichtigen Bundesstaats Miranda verfügt zwar nicht über das Charisma des Verstorbenen. Bei den letzten Wahlen im Oktober, als Chávez trotz seiner Krankheit in einer schier übermenschlichen Anstrengung noch einmal antrat, unterlag er.

Aber gegen Maduro hat er seine Chancen genutzt. Chávez persönlich hatte seinen einstigen Außenminister als Nachfolger favorisiert - aber das war der einzige Trumpf, mit dem Maduro wuchern konnte. Er besitzt weder die Aura noch die rhetorischen Qualitäten seines Vorbilds. Auch auf eingefleischte Chávez-Wähler wirkte es bizarr, wie er den Geist des Verblichenen in einem Vögelchen erblickt haben wollte oder sich als sein Sohn präsentierte.

Kampf um die Fleischtöpfe

Maduro war als Kandidat überfordert. Als Präsident dürfte er mit dem jämmerlichen Wahlergebnis noch schwächer starten als von vielen vorausgesagt. Während die Ölrepublik mit einer Inflation von über 30 Prozent wirtschaftlich immer tiefer in der Krise versackt, droht nun die Selbstauflösung des politischen Systems nach dem Motto: Rette sich, wer kann.

Chávez' Macht ruhte auf zwei Säulen: Der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, die mit den Petrodollars seine Sozialprogramme sowie Wahlkämpfe und die ehrgeizige Außenpolitik finanzierte, und den Streitkräften. Großzügig beförderte er, wer ihm politisch wohlgesonnen war. In Venezuela kommt auf 250 Soldaten ein General, insgesamt schuf Chávez 300 Stellen für die höchsten militärischen Ränge. Kein anderes südamerikanisches Land ist so militarisiert.

Maduro ist kein Soldat, er war früher mal Busfahrer. Wie er in Momenten der Krise mit dem übermächtigen Militärapparat und den Milizen umgehen will, ist eines der vielen Rätsel der kommenden Amtszeit. Das Militär könnte versucht sein, während einer Krise einzugreifen. Auch Maduros innerparteiliche Widersacher bekommen jetzt Oberwasser, vor allem der ehrgeizige Parlamentspräsident Diosdado Cabello, dem ein gutes Verhältnis zu den Streitkräften nachgesagt wird.

Was alle Funktionäre des Chávez-Systems in einer Interessengemeinschaft vereint, sind die finanziellen Pfründe, nicht die Ideologie. An den Schaltstellen der Macht hat man einen privilegierten Zugang zu Staatsgeldern; in einem undurchsichtigen System wie dem venezolanischen gedeiht Korruption besonders gut. Freiwillig wird die "Boliburguesía", wie die Schicht der Chávez-Profiteure genannt wird, ihre Fleischtöpfe kaum aufgeben. Aber wenn sich die Wirtschaftskrise weiter verschärft, könnte sich der Groll der Bevölkerung gegen Chávez' Erben richten.

Dann könnte Maduro dasselbe Schicksal drohen wie dem sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andrés Pérez Ende der achtziger Jahre: Der war von einem Volksaufstand aus dem Amt vertrieben worden.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Voraussehbare Zukunft
dunnhaupt 15.04.2013
Die Situation ist geradezu ideal für einen typisch südamerikanischen Militärputsch. Der arme Maduro kann froh sein, wenn er mit dem Leben davon kommt, zumal er heute sicher nicht mehr die kubanische Leibwache hat, die einst den Diktator Chavez vor seinen eigenen Landsleuten beschützte.
2. Chavismus ohne Chavez?
Centurio X 15.04.2013
Zitat von sysopREUTERSDer Sieg von Nicolas Maduro bei den Wahlen in Venezuela fiel knapper aus als erwartet. Der Ziehsohn des toten Hugo Chávez ist damit schon jetzt ein schwacher Präsident. Er muss sich hüten: vor dem Volk - und vor Hunderten hochrangiger Militärs, die um ihre Petrodollars kämpfen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuelas-wahlsieger-maduro-allein-gegen-die-maechtigen-generaele-a-894508.html
Ich gehe davon aus, daß Senor Maduro schlechten, sehr schlechten Zeiten entgegen geht. Durch hervorragende Fähigkeiten oder als Intelligenzbestie ist er bisher nie aufgefallen; einzig war er seinem Idol wie ein Hund treu ergeben, weshalb dieser ihn als seinen Nachfolger auserkoren hatte. Die sogenannte Bolivarische Bewegung wird sich in verschiedene Fraktionen zerlegen und sich damit selbst zerstören. Es wäre Maduro anzuraten, sich eher früher als später ein "one way-Ticket" nach Havanna zu besorgen.
3. Herr Glüsing,
linus65 15.04.2013
wieder einmal einer Ihrer demagogisch durchsetzten Beiträge aus dem 5000 km entfernten Rio de Janeiro ... Wie lange sind Sie schon in Lateinamerika ? - Falls Sie es noch nicht gespannt haben. Der Zug in Lateinamerika ist wohl OHNE Sie abgefahren. Lateinamerika belächelt solche "westlichen" Journalisten, welche so Zeug zusammenschreiben, damit Sie auch ja Ihren Arbeitsplatz weiter behalten dürfen.- Fahren Sie mal los und sprechen mit den Menschen, nicht immer auf irgendwelchen Parties von irgenwelchen dt. "Clubs" Unternehmerverbänden etc. "rumturnen" - Ihre Artikel haben eines gemeinsam: gähnende, nichtssagende Langeweile ...
4. Sehr guter Artikel
englishgentleman 15.04.2013
Endlich mal ein sehr guter Artikel, der mehr auf die Hintergründe eingeht und einem auch mal neue Einsichten in die Politik in Venezuela bietet. Von solchen Artikeln, die ungeschont auf die Realität eingehen, wünsche ich mir mehr auf SPON.
5. Und weil...
Wanax 15.04.2013
Zitat von linus65wieder einmal einer Ihrer demagogisch durchsetzten Beiträge aus dem 5000 km entfernten Rio de Janeiro ... Wie lange sind Sie schon in Lateinamerika ? - Falls Sie es noch nicht gespannt haben. Der Zug in Lateinamerika ist wohl OHNE Sie abgefahren. Lateinamerika belächelt solche "westlichen" Journalisten, welche so Zeug zusammenschreiben, damit Sie auch ja Ihren Arbeitsplatz weiter behalten dürfen.- Fahren Sie mal los und sprechen mit den Menschen, nicht immer auf irgendwelchen Parties von irgenwelchen dt. "Clubs" Unternehmerverbänden etc. "rumturnen" - Ihre Artikel haben eines gemeinsam: gähnende, nichtssagende Langeweile ...
..er so gähnend, nichtssagend und langweilig ist, fühlten sie sich berufen darauf mit einem gähnenden , nichtssagenden und langweiligen Beitrag zu antworten. Wenn man Beiträge als so langweilig bezeichnet, macht man sich für gewöhnlich eigentlich nicht die arbeit darauf zu antworten. Und wenn man schon Kritik anbringen möchte, dann sollte man tunlichst auch analytisch darlegen was einem genau aufstösst.
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Fläche: 916.445 km²

Bevölkerung: 30,620 Mio.

Hauptstadt: Caracas

Staats- und Regierungschef: Nicolás Maduro

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