Verärgerung in Serbien: Mazedonien und Montenegro erkennen Kosovo an

Rückschlag für Serbien: Montenegro und Mazedonien haben die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt. Die Reaktion aus Belgrad kam umgehend: Die Botschafter der beiden Republiken müssen das Land verlassen.

Belgrad - Als "zutiefst falsch" bezeichnete der serbische Präsident Boris Tadic die Entscheidung: In der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica wurde die Anerkennung des Kosovo am Donnerstagabend einstimmig vom Kabinett beschlossen. In Mazedonien stimmte zunächst das Parlament dafür, die Regierung segnete den Beschluss ab.

Serbiens Präsident Tadic: Anerkennung "zutiefst falsch"
AP

Serbiens Präsident Tadic: Anerkennung "zutiefst falsch"

Tadic sprach am Freitag von einer Entscheidung, "die gegen internationales Recht verstößt und nicht zur regionalen Stabilität und zu guten nachbarschaftlichen Beziehungen beiträgt". Dass mit den beiden Staaten ausgerechnet zwei frühere jugoslawische Teilrepubliken das Kosovo anerkannten, verschlechterte die Stimmung in Belgrad zusätzlich.

Die Reaktion folgte prompt: Der montenegrinische Botschafter wurde am Donnerstag, der mazedonische Botschafter am Freitag ausgewiesen. Ob die Maßnahme von Dauer sein wird, ist unklar. Als mehrere EU-Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannten, zog Belgrad verärgert seine Botschafter aus diesen Ländern zurück. Im Juli kam dann der Kurswechsel: Alle Botschafter wurden wieder zurückgeschickt.

Einige Politiker verlangen nun Sanktionen: Der frühere Ministerpräsident Vojislav Kostunica forderte, Montenegro vor einem internationalen Gericht zu verklagen. Andere Politiker riefen dazu auf, nicht mehr nach Montenegro zu reisen, den Luftverkehr zwischen beiden Staaten einzustellen und Strafmaßnahmen gegen in Serbien lebende Montenegriner zu ergreifen. Serbien betrachtet das Gebiet, das mehrheitlich von Albanern bewohnt wird, nach wie vor als seine Provinz. Viele Serben betrachten das Kosovo als Wiege ihrer Nation und ihres christlich-orthodoxen Glauben.

Montenegro und Mazedonien trafen ihre Entscheidungen an einem Tag, an dem Serbien im Streit um die Unabhängigkeit des Kosovo einen Erfolg bei der Uno-Vollversammlung errungen hatte. Die Vollversammlung unterstützte einen Belgrader Antrag, die Rechtmäßigkeit der Unabhängigkeitserklärung vor dem Internationalen Gerichtshof prüfen zu lassen. Der serbische Außenminister Vuk Jeremic sagte, Montenegro und Mazedonien hätten den Erfolg seines Landes bremsen wollen.

Der kosovarische Ministerpräsident Hashim Thaci erklärte in Pristina, die Anerkennung durch die Nachbarstaaten sei nicht gegen Serbien gerichtet. Die Entscheidung werde den Frieden, die Stabilität und die regionale Kooperation festigen. Auch das US-Außenministerium zeigte sich erfreut. "Diese Anerkennung wird die regionale Zusammenarbeit zugunsten von ganz Südosteuropa vertiefen und die Integration der Region in die euro-atlantischen Institutionen erleichtern", sagte Außenamtssprecher Sean McCormack.

Neben Serbien lehnt auch die Uno-Vetomacht Russland die Unabhängigkeit des Kosovo ab. Unter anderem sind Spanien, Moldawien, Georgien und Rumänien dagegen, weil sie einen Domino-Effekt im eigenen Land befürchten. Bislang haben 50 Länder das Kosovo anerkannt, darunter die USA sowie 22 EU-Länder einschließlich Deutschland.

pes/AP/AFP

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