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Verbalattacken: Rice nennt Iran Zentralbanker des Terrorismus

Nach George W. Bushs Waffenschmuggel-Vorwürfen gegen Iran haben die USA rhetorisch nachgelegt: Außenministerin Rice bezeichnete Iran als "Zentralbanker des Terrorismus", Uno-Botschafter Bolton verglich die Bedrohung durch das Mullah-Regime mit den Anschlägen vom 11. September 2001.

New York/Sydney - Die Regierung in Teheran habe die Welt über ihre nuklearen Aktivitäten belogen und handele entgegen den Verpflichtungen des Atomwaffensperrvertrags, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice bei einem Besuch in Australien, das als enger Verbündeter der USA gilt. "Und natürlich spielt sie auch eine Rolle als Zentralbanker des Terrorismus." Iran werde "von ein paar Nicht-Gewählten regiert, die die Wünsche der Bevölkerung unterdrücken".

US-Außenministerin Rice in Australien: "Ein paar Nicht-Gewählte, die die Bevölkerung unterdrücken"
Getty Images

US-Außenministerin Rice in Australien: "Ein paar Nicht-Gewählte, die die Bevölkerung unterdrücken"

US-Präsident George W. Bush hatte Iran zuletzt vorgeworfen, die Unruhe im Nachbarstaat Irak zu schüren, indem es die Aufständischen beim Bombenbau unterstütze und Waffenteile in den Irak schmuggle. Ein US-General gestand allerdings inzwischen ein, dass es dafür keine Beweise gebe.

Die US-Außenministerin zeigte sich indes zuversichtlich, dass der Uno-Sicherheitsrat Wege finden werde, die Regierung in Teheran zu Verhandlungen über ihr Atomprogramm zu bewegen. "Ich bin sicher, dass wir das richtige Mittel dafür finden. Die Verhandlungen dazu sind auf dem Wege. Allerdings gebe ich keine Prognose darüber ab, was dabei herauskommt, wie es bei Verhandlungen eben üblich ist."

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, verglich die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm mit den Anschlägen vom 11. September 2001. "Genau wie am 11. September - nur dieses Mal mit Atomwaffen - darin besteht die Bedrohung", sagte Bolton dem US-Sender ABC mit Blick auf die Islamische Republik.

Zuvor hatten die fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats erneut darüber beraten, wie Iran zur Abkehr von seinem Atomprogramm gebracht werden könne. Großbritannien, die USA, Russland, Frankreich und China konnten sich dabei jedoch nicht auf eine gemeinsame Erklärung verständigen. Angesichts der Widerstände Russlands und Chinas sollte ein Text formuliert werden, der den atomaren Ambitionen Irans Einhalt gebietet, ohne dass Sanktionen oder Strafmaßnahmen angedroht werden. Die USA und andere westliche Staaten vermuten, dass Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich Atomwaffen entwickeln will.

Diplomaten teilten mit, Vertreter der Außenministerien der fünf Vetomächte sowie Deutschlands planten für kommenden Montag ein Treffen in New York, um die Strategie gegenüber Iran zu überdenken. Zuvor kommen allerdings am Donnerstag alle 15 Mitglieder des Sicherheitsrates nochmals zusammen, um den Atomkonflikt zu erörtern, der erst kürzlich von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an das Uno-Entscheidungsgremium überwiesen worden war.

phw/dpa/reuters

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