Verdächtiges Flugzeug US-Kampfjets verfolgen gestohlene Cessna

Terroralarm in den USA: Über Hunderte Kilometer haben US-Kampfflugzeuge eine verdächtige Propellermaschine verfolgt und schließlich zur Landung gezwungen. Am Boden flüchtete der Pilot zunächst, wurde dann aber festgenommen.


Washington - Der Pilot flog "unberechenbar" und antwortete nicht auf Funksprüche: Sieben Stunden lang haben US-Kampfflugzeuge über Hunderte Kilometer ein verdächtiges Kleinflugzeug verfolgt, das aus Kanada in die USA eingedrungen war. Berichten zufolge hatte der Pilot die Cessna 172 aus einer Flugschule in Thunder Bay (Ontario) gestohlen. Er landete schließlich am Montagabend (Ortszeit) im US-Bundesstaat Missouri und wurde von der Bundespolizei FBI festgenommen. Das amerikanische Luftverteidigungskommando (NORAD) in Colorado sprach von einer "sehr ernsten Situation".

Über das Motiv des 31-jährigen gebürtigen Türken mit kanadischer Staatsbürgerschaft herrscht noch keine endgültige Gewissheit. Möglicherweise, so ein Polizeisprecher gegenüber dem Fernsehsender ABC, habe er Selbstmord begehen wollen. "Es war seine Idee, in die USA zu fliegen, um sich dort abschießen zu lassen", sagte der Sprecher

Der inzwischen vom FBI als Adam Dylan Leon identifizierte Mann hatte sich am Montagnachmittag mit der viersitzigen Maschine auf den Weg gemacht und wurde auf seinem gesamten Weg von der kanadisch-amerikanischen Grenze bis zum Landeort von zwei F-16-Kampfflugzeugen verfolgt. Als er über Madison, die Hauptstadt von Wisconsin, flog, wurde das dortige Kongressgebäude vorsichtshalber evakuiert.

Nach NORAD-Angaben vollführte der Pilot während seines Flugs ziellose Manöver. Mal sei er hoch und dann wieder niedrig geflogen. Der Mann habe zwar signalisiert, dass er die Kampfjets gesehen habe, aber habe nicht mit den Piloten kommuniziert und Signale, ihnen zu folgen, ignoriert.

Leon, der nach Medienberichten in Thunder Bay einige Flugstunden genommen hatte, landete schließlich auf einem Feldweg nahe Poplar Buff im US-Staat Missouri. Er flüchtete zunächst zu Fuß, wurde dann aber nach einer kurzen Verfolgungsjagd von der Polizei festgenommen.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001, bei denen entführte Passagiermaschinen als Bomben eingesetzt wurden, lösen Vorfälle wie der vom Montag in den USA höchste Alarmbereitschaft aus.

phw/dpa/AFP

In einer früheren Version des Artikels hieß es, wie in den Nachrichtenagenturen gemeldet, der Pilot habe zum Zeitpunkt der Landung noch Sprit für acht Stunden im Tank gehabt. Diese Information wurde gestrichen, weil sie nicht zu verifizieren war.



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