Verdeckte Kooperation mit der CIA: Blackwater sollte Terroristen-Killer rekrutieren

Die Zusammenarbeit zwischen CIA und Blackwater war intensiver als bisher bekannt. Der US-Geheimdienst beauftragte das private Sicherheitsunternehmen laut einer Notiz, die dem SPIEGEL vorliegt, mit dem Transport von Terrorverdächtigen in geheime Gefangenenlager. Auch Auftragskiller sollte die Firma rekrutieren.

Blackwater-Ausbilder: Neue Vorwürfe gegen das Sicherheitsunternehmen Zur Großansicht
AP

Blackwater-Ausbilder: Neue Vorwürfe gegen das Sicherheitsunternehmen

Hamburg - In der Aktennotiz beschreiben zwei ehemalige Mitarbeiter des Privatunternehmens Details der verdeckten Kooperation zwischen dem US-Geheimdienst CIA und Blackwater. Auf Geheiß des damaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney wurden die geschilderten Vorgänge dem US-Kongress verheimlicht. Bis heute können sich die Parlamentarier kein vollständiges Bild von den Aktivitäten der privaten Söldnerarmee im Dienste des Staates machen.

So beauftragte der Geheimdienst dem Memo zufolge Blackwater und deren Tochterfirmen mit dem Transport von Terrorismus-Verdächtigen aus Guantanamo zu Verhören in geheime Gefangenenlager in Pakistan, Afghanistan und Usbekistan. Das Papier identifiziert Flugbewegungen und enthüllt, wie die Flüge getarnt wurden.

"Die CIA heuerte Blackwater an, um Attentate in Afghanistan zu verüben"

Auch bei einer anderen brisanten Aktivität der Bush-Jahre hat Blackwater den Geheimdienst unterstützt, heißt es in dem Memo: "Die CIA heuerte Blackwater an, um Attentate auf Ziele in Afghanistan zu verüben." Erst im Juli hatte der neue, von Obama eingesetzte CIA-Chef Leon Panetta den Parlamentariern in vertraulicher Sitzung von einem "Tötungsprogramm" berichtet, das vor acht Jahren gestartet wurde. Dieses Programm sollte dazu dienen, Spezialkommandos zu rekrutieren und auszubilden, die dann Attentate auf das Führungspersonal von al-Qaida verüben sollten. Das Programm sei allerdings in all den Jahren aus der Konzeptphase nie so recht herausgetreten, hieß es in einer Stellungnahme der CIA.

Dazu werden jetzt weitere Details bekannt. Das Memo benennt mehrere Beteiligte, die mit dem Aufbau von Attentat-Teams befasst gewesen sein sollen, darunter ein Mitglied des Fallschirmjäger- Teams von Blackwater und ein Angestellter der Blackwater Security Consulting, der laut Memo als "hitman", als Auftragskiller, eingeplant war. Dazu kam als Ranghöchster die ehemalige Nummer drei bei der CIA, Executive Director Alvin Bernard Krongard. "Krongard set up the teams", er bildete die Teams, heißt es in dem Papier. Nach seinem Ausscheiden aus dem Geheimdienst war Krongard in das "Advisory Board", den Beraterstab von Blackwater, gewechselt.

Die Firma Blackwater und Krongard wurden am Mittwoch vergangener Woche mit den Aussagen des Memos konfrontiert und lehnten es bis Freitag ab, sich zu äußern. Ein Sprecher der CIA wollte eine Kooperation mit Blackwater in Bezug auf das Tötungsprogramm und die geheimen Gefangenentransporte weder bestätigen noch dementieren. "Wir kommentieren unsere Vertragsbeziehungen nicht", sagte er. In Details erhalte das Memo allerdings "Fehler".

Eine Milliarde Dollar für Blackwater

Kenntlich machen wollte er die nicht. In dieser Woche wird ein Bundesgericht in Alexandria, Virginia, darüber entscheiden, ob es eine Zivilklage annimmt, die von Blackwater-Opfern angestrengt wurde.

Nach dem Al-Qaida-Angriff auf das World Trade Center vom 11. September 2001 hatten US-Präsident George W. Bush und sein Vize Dick Cheney in großem Stil private Sicherheitsdienste eingesetzt. Aus der Firma Blackwater wurde nahezu über Nacht ein Imperium, das vom US-Steuerzahler mehr als eine Milliarde Dollar erhielt. 70 Prozent dieser Aufträge konnte Blackwater ohne reguläre Ausschreibung einstreichen. Blackwater arbeitet auch mit der Obama-Regierung zusammen. Die Firma ist derzeit für die Sicherheit aller US-Diplomaten in Afghanistan zuständig. Immer mehr Demokraten auf Capitol Hill fordern, diese Zusammenarbeit zu beenden.

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Forum - Bushs Erbe - wie soll Obama damit umgehen?
insgesamt 1397 Beiträge
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1.
geomik 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Wie es sich für einen ordentlichen demokratischen Rechtsstaat gehört, gehören alle Betroffenen vor ein ordentliches Gericht, egal ob Präsident oder Vize! Nur wird das nie geschehen.
2. Offenheit, oder was macht man mit seinem Vorgänger?
Hubert Rudnick 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
--------------------------------------------------------- Wenn der Präsident Obama ein offerener und aufrichtiger Mann sein will, dann müßte er auch die Politik seines Vorgängers und all die widerlichen Dinge mal anpacken die die USA in einem so schlechtem Licht in der Welt gerückt haben. Aber kann er das wirklich, oder ist er nicht auch an vielen Beschlüssen gebunden, die immer die Politiker schützt? Da aber der Präsident auch die gegeneriche Partei für die Durchsetzung seiner Ziele benötigt, so glaube ich nicht, dass er alles aufdecken und die entsprechenden Leute zur Verantwortung ziehen könne. Und vielleicht denkt er ja auch dabei an all die Dinge die er vielleicht mal durchsetzen möchte und die auch nicht immer so ganz moralisch sauber sein könnten. Für die Bürger dser USA und der geamten Welt wäre es schon mal richtig, wenn sich auch Präsidenten und ihre Handlanger für ihre verfehlte Politik und Schandtaten zu verantworten hätten. Hubert Rudnick
3. Aufklärung täte Not, um Legendenbildung und Verschwörungstheorien entgegen zu wirken
dionysia 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Es wäre vielleicht wirklich mal ganz vernünftig, eine unabhängige Kommission des Kongresses, Licht in all diese vermeintlichen Dinge bringen zu lassen. Die jüngsten Vorwürfe einschlägiger US-Zeitungen bzgl. eines geheimen Geheimauftrags des CIA scheinen ja eher einem Verschwörungstheorie-Hollywood-Schinken eines Oliver Stone entnommen als irgendwie fundiert. Ich denke aber nicht, dass Obama wirklich an Aufklärung interessiert ist, weil das sein selbstentworfenes Bild von sich als Retter von der pitter pösen Bush-Administration zerstören könnte, wenn sich alle diese Vorwürfe am Ende als völlig haltlos heraus stellen.
4. Menschenrechtsverachtung in höchstem Maße!
Der Forkenhändler 13.07.2009
Cheney und Busch gehören vor ein Militärtribunal.
5. ein Zeichen setzen
RogerT 13.07.2009
Er könnte ein Zeichen setzen und bei beweisbaren Vorwürfen, wo Bush gegen geltendes (Menschen)Recht verstoßen hat, den ehemaligen Präsidenten offiziell anklagen - falls so etwas überhaupt möglich ist.
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