Vereitelter Anschlag Dschihad per Fernsteuerung

Weil sie ihn mit Waffen und Sprengstoff versorgten, glaubte Rezwan F., er habe es mit Qaida-Aktivisten zu tun. In Wahrheit ging er dem amerikanischen FBI auf den Leim, das damit Anschläge auf Washington verhinderte. Es war eine Undercover-Aktion, wie sie Terroristen mittlerweile fürchten.

Von , Washington


Washington - Von einem kleinen Flugzeug berichtete Rezwan F. stolz seinem Gegenüber. Es handele sich um eine Art Drohne. "Ein Modellflugzeug, das genug Ladung tragen kann und beim Einschlag detoniert."

Das war der furchtbare Plan des mutmaßlichen Terroristen F.: Sprengstoff in ferngesteuerte Mini-Flugzeuge packen, um damit das Pentagon und das US-Kapitol in Washington zu attackieren. Direkt im Anschluss wollte er mit zwei Drei-Mann-Teams und Kalaschnikow-Sturmgewehren in der US-Hauptstadt auf Menschenjagd gehen.

Zwölf Kilogramm Plastiksprengstoff, sechs AK-47-Gewehre und Granaten - als Rezwan F. die Utensilien für sein grausames Vorhaben beisammen hat, da schlagen die FBI-Agenten zu. F. hatte seine Gegenüber für Qaida-Aktivisten gehalten.

FBI lieferte Waffen-Attrappen

F. drohen nun mehrere Jahrzehnte Haft. Der Mann ist nicht nur wegen des Anschlagsversuchs angeklagt, sondern auch weil er ausländische Terroristen unterstützen wollte - den getarnten FBI-Agenten wollte er für deren vermeintliche Anschläge auf US-Soldaten im Irak Mobiltelefone in Fernzünder umbauen. In dem Undercover-Einsatz täuschten ihn die Agenten, lieferten ihm sogar den Sprengstoff und die Waffen - allerdings nur Attrappen. Für die Öffentlichkeit habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, erklärte das US-Justizministerium nachher.

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US-Ermittlungen: Terrorplot mit Modellflugzeugen
Bei mehreren aufgezeichneten Gesprächen hat der US-Staatsbürger F. erzählt, er ziele auf den "psychologischen" Effekt durch die Tötung von Amerikanern ab, darunter Frauen und Kinder, die er "Feinde Allahs" nannte. "Ich kann einfach nicht aufhören, es gibt für mich keine andere Wahl", sagte er etwa der schriftlichen Erklärung eines FBI-Agenten zufolge, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Mit dem Angriff auf das US-Verteidigungsministerium wolle er "Herz und Kopf der Schlange auseinander sprengen". F. ist nach Angaben des FBI diplomierter Physiker und soll bereits im Jahr 2010 damit begonnen haben, seinen eigenen Dschihad gegen die USA zu planen.

Bei den Mini-Flugzeugen, die F. für seine Anschläge verwenden wollte, handelt es sich um Nachbildungen im Maßstab 1:10 eines "F-4 Phantom"-Kampfjets aus den sechziger Jahren sowie eines "F-83 Sabre", der im Korea-Krieg eingesetzt wurde. Offenbar waren zwei F-4 für die Attacke aufs Pentagon und eine F-83 fürs Kapitol gedacht.

Der Fall zeige, wie nötig große Wachsamkeit sei, sagte der New Yorker Abgeordnete Peter T. King, Vorsitzender des "Homeland Security Committe" im Repräsentantenhaus, der "Washington Post". Die Tatsache, dass Terrorist F. ein gut ausgebildeter Physiker sei, "sollte uns daran erinnern, dass die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus nicht nur von Armen und Unterprivilegierten ausgeht".

Gefahr durch "home grown terrorism"

Es ist keineswegs das erste Mal, dass US-Behörden einem Terrorplot per Undercover-Einsatz auf die Schliche kommen. So flog im vergangenen November der damals 19-jährige Mohamed Osman Mohamud auf, bevor er in Portland im US-Bundesstaat Oregon eine Bombe zünden konnte. Sein vermeintlicher Mitverschwörer war FBI-Undercoveragent. Einsätze dieser Art haben in den vergangenen Jahren zugenommen.

Den Top-Terroristen in Übersee ist das nicht entgangen. Al-Qaida im Jemen warnte 2010 sogar davor, terroristische Zellen zu formen - eben aus Angst vor FBI-Undercover-Agenten. Auch in Qaida-Veröffentlichungen wird vor den Geheimpolizisten gewarnt: "Es kann sein, dass sie dich auf diese Weise zu belasten versuchen", heißt es etwa an einer Stelle.

Fakt ist: US-Behörden sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, einen potentiellen Attentäter zu überführen. In Deutschland ist es nahezu undenkbar, dass sich Ermittler derart in terroristische Planungen verstricken. Es besteht die Sorge, dass ein Gericht anschließend zu dem Schluss kommt, ohne die Beteiligung des V-Mannes wäre vielleicht gar nichts geschehen.

Das FBI teilt diese Bedenken offenbar nicht. Und die Erfolge vor Gericht geben der Bundespolizei Recht.

Doch ist die Enttarnung des 26-jährigen Drohnen-Terroristen aus dem amerikanischen Ostküstenstaat Massachusetts keineswegs ein Grund zur Entwarnung. Denn der Fall zeigt: Auch in den USA wächst die Gefahr durch sogenannte "home grown terrorists", Terroristen mit US-Staatsbürgerschaft.

Vor wenigen Jahren noch hielten US-Analysten dieses Phänomen vor allem für ein europäisches Problem. Das hat sich geändert.

Mitarbeit: Yassin Musharbash



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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
alexkie 29.09.2011
1. .
"Es besteht die Sorge, dass ein Gericht anschließend zu dem Schluss kommt, ohne die Beteiligung des V-Mannes wäre vielleicht gar nichts geschehen." Da kann man nur den Kopf schütteln. Mitläufer sind nun einmal häufig ebenso tödlich wie Haupttäter.
glamax 29.09.2011
2. Mitläufer
Zitat von alexkie"Es besteht die Sorge, dass ein Gericht anschließend zu dem Schluss kommt, ohne die Beteiligung des V-Mannes wäre vielleicht gar nichts geschehen." Da kann man nur den Kopf schütteln. Mitläufer sind nun einmal häufig ebenso tödlich wie Haupttäter.
Wenn Mitläufer aber niemanden haben zum hinterherlaufen, sind sie ziemlich ungefährlich. Abgesehen davon, wieviel Sprengstoff kann so ein Flieger tragen? Mehr als ein Kilo? Und das eingesetzt gegen bunkerähnlich gepanzerte Gebäude? Da kann man vermutlich alleine mit einem fahrenden Kleinwagen mehr Schaden anrichten. Wenn das die Art von Terroristen ist, für die die USA ihre Bürgerrechte über Bord werfen, dann ist das aber ein recht schlechter Deal.
swabawath 29.09.2011
3. Die genaue Ablauf
Zitat von alexkie"Es besteht die Sorge, dass ein Gericht anschließend zu dem Schluss kommt, ohne die Beteiligung des V-Mannes wäre vielleicht gar nichts geschehen." Da kann man nur den Kopf schütteln. Mitläufer sind nun einmal häufig ebenso tödlich wie Haupttäter.
ist hier nicht zu erfahren, es könnte sein dass diese Mann niemals was angestellt hätte ohne V-Männer. Ich habe persönlich einer gekannt der mal durch Deutsche V-Männer zum Drogenkurier gemacht wurde, von sich aus wäre er nie darauf gekommen und es war das erste und letzte Mal. Ein Freundendienst.
Kaygeebee 29.09.2011
4.
Jetzt fragt man sich natürlich wie weit FBI und CIA gehen um einen potentiellen Terroristen zu kriegen. Jemanden fassen wollen der schon die Pläne und den Sprengstoff in der Schublade hat ist eine Sache. Teils werden aber auch Leute quasi dazu genötigt damit das FBI zuschlagen kann. Den potentiellen Terroristen in Oregon haben sie das verlassen der Stadt verweigert und ihm alles geliefert damit er den Anschlag auch ausführen konnte. Außerdem braucht das FBI und Department for Homeland Security wieder eine "Erfolgsmeldung". Das hat zwei Gründe: Erstens, weil man die amerikanische Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen lassen will. Es soll sich bloß kein Gefühl der Sicherheit breitmachen, denn solch eine Bevölkerung will auch keine Kriege führen. Zweitens, um Bush-Altlasten wie den Patriot Act (Obama hat ihn übrigens verlängert, ich muss es einfach wieder erwähnen) und das Department for Homeland Security zu rechtfertigen. Schließlich muss das Gesetz, dass dem Staat erlaubt ohne Verdacht die Post zu öffnen, die Kontodaten zu kontrollieren und die Telefonleitung anzuzapfen, ja auch mal etwas bringen.
roterschwadron 29.09.2011
5. Haarige Sache...
Zitat von glamaxWenn Mitläufer aber niemanden haben zum hinterherlaufen, sind sie ziemlich ungefährlich. Abgesehen davon, wieviel Sprengstoff kann so ein Flieger tragen? Mehr als ein Kilo? Und das eingesetzt gegen bunkerähnlich gepanzerte Gebäude? Da kann man vermutlich alleine mit einem fahrenden Kleinwagen mehr Schaden anrichten. Wenn das die Art von Terroristen ist, für die die USA ihre Bürgerrechte über Bord werfen, dann ist das aber ein recht schlechter Deal.
Viel gewichtiger als das Gewicht ist das zeitliche Raster, in dem die Flieger auftauchen oder eben nicht auftauchen. Mit den geeigneten Methoden kann man durchaus auf die Position der Fernsteuerung und ihren Hintermännern rückschließen.
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