Vereitelter Anschlag in Frankreich Bundesanwalt erwirkt Haftbefehl gegen iranischen Diplomaten

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Verabredung zum Mord vor: Im März soll ein 46-jähriger Iraner ein Ehepaar beauftragt haben, einen Anschlag in Frankreich zu verüben. In Aschaffenburg wurde er festgenommen.

Bundesanwaltschaft in Karlsruhe (
DPA

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Vor anderthalb Wochen nahmen Polizisten einen 46-jährigen Iraner im Landkreis Aschaffenburg fest. Gegen ihn lag ein europäischer Haftbefehl vor. Er soll mit einem vereitelten Terroranschlag auf Exil-Iraner in Frankreich in Verbindung stehen. Nun erwirkte die Bundesanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen.

Assadollah A. soll im vergangenen März ein im belgischen Antwerpen lebendes Ehepaar beauftragt haben, einen Sprengstoffanschlag auf eine Versammlung der iranischen Auslandsopposition am 30. Juni im französischen Villepinte zu verüben.

Im Zuge dessen, so der Vorfwurf, habe der 46-Jährige dem Ehepaar Ende Juni in Luxemburg mutmaßlich eine Sprengvorrichtung mit insgesamt 500 Gramm des Sprengstoffes Triacetontriperoxid (TATP) übergeben. Am Tag des geplanten Sprengstoffanschlags nahmen belgische Sicherheitsbehörden das Ehepaar auf dem Weg nach Frankreich fest.

Bei dem belgischen Paar handelt es sich offiziellen Angaben zufolge um einen 38-jährigen Mann und seine 33-jährige Frau. Beide sind Belgier mit iranischen Wurzeln.

Mitarbeiter des Nachrichtenministeriums

Laut Bundesanwaltschaft soll der als dritter Botschaftsrat an der iranischen Botschaft in Wien akkreditierte A. Mitarbeiter des iranischen Nachrichtenministeriums MOIS (Ministry of Intelligence and Security) gewesen sein. Zu dessen Aufgaben zählt demnach in erster Linie die intensive Beobachtung und Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Irans.

Der Mann konnte in Deutschland festgenommen werden, weil ihn der Diplomatenstatus nur in dem Land vor Strafverfolgung schützt, wo er stationiert ist. Er könnte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bamberg demnächst nach Belgien ausgeliefert werden.

Aufgrund des vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erlassenen Haftbefehls sitzt A. nun seit Montag in Untersuchungshaft.

mho/AFP



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