Verfassungsschutz-Geheimbericht 200 Islamisten aus Deutschland ziehen in syrischen Krieg

Für sie ist es ein Heiliger Krieg: Rund 200 Islamisten aus Deutschland befinden sich in Syrien oder auf dem Weg dorthin. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem Geheimbericht des Verfassungsschutzes hervor. Im Norden des Landes haben die Rebellen ein "German Camp" errichtet.

Rebellen bei Aleppo: "German Camp" im Norden des Landes
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Rebellen bei Aleppo: "German Camp" im Norden des Landes


Berlin - Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat in den vergangenen Wochen verstärkte Reisebewegungen von deutschen Islamisten registriert, die offenbar am Bürgerkrieg in Syrien teilnehmen wollen. Nach SPIEGEL-Informationen sind inzwischen rund 200 Radikale aus Deutschland in Syrien oder auf dem Weg dorthin. Das Land sei für kampfwillige Islamisten derzeit "der mit Abstand 'attraktivste' Dschihad-Schauplatz", heißt es in einem als geheim eingestuften Lagebericht des Bundesamts für Verfassungsschutz.

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Die meisten Syrien-Reisenden stammten aus Nordrhein-Westfalen, der Rest vor allem aus Hessen, Berlin, Bayern und Hamburg; mehr als die Hälfte dieser Dschihadisten besäße die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Norden Syriens gibt es nach Geheimdienstinformationen inzwischen ein "German Camp", in dem sich deutschsprachige Kampfeinheiten zusammengeschlossen haben. Es gelte als Sammelstelle und möglicherweise als Ausbildungslager.

Neue Propaganda-Offensive der Dschihadisten

Sorge bereitet dem deutschen Inlandsgeheimdienst auch eine Propaganda-Offensive der Dschihadisten. Es gebe Hinweise, dass deutschstämmige Islamisten auf syrischem Boden mehrere "Medienstellen" aufbauen wollten, um von dort aus für den Heiligen Krieg zu werben. Seit Ende Juli ist bereits das "Shamcenter" online, das eigenen Angaben zufolge künftig "verstärkt Social Dschihad" auch in deutscher Sprache betreiben will. Derartige Projekte, heißt es in dem Geheimpapier, könnten "in Deutschland eine erhebliche Wirkung als Radikalisierungskatalysator entfalten". Auch von den kampferprobten Heimkehrern, so die Einschätzung der Verfassungsschützer, gehe eine "besondere Gefährdung" aus.

Europaweit gehen die Behörden von etwa tausend freiwilligen Kämpfern in Syrien aus - Ende 2012 waren es noch 250. Die Islamisten stammten aus allen Teilen des Kontinents, darunter etwa 90 aus Großbritannien, 120 aus Belgien und 50 aus Dänemark. Rund 150 sind Kosovaren. Nach einer aktuellen Statistik deutscher Behörden sind bislang acht der aus Deutschland angereisten Kämpfer in Syrien ums Leben gekommen.



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