Vergeltungsangriff auf Pakistan US-Militär schmiedet Pläne für den Tag X

Noch klingt es hypothetisch - doch die Planungen des US-Militärs sind offenbar sehr konkret: Laut "Washington Post" arbeiten die Generäle an Angriffsplänen auf Pakistan. Sie sollen verwirklicht werden, falls es in den USA einen Anschlag mit Beteiligung von Pakistanern gibt.

DPA

Hamburg/Washington - Es ist ein nüchterner Satz, mit dem die "Washington Post" ihren Artikel beginnen lässt - aber er hat es in sich: "Das US-Militär prüft Optionen für einen einseitigen Angriff in Pakistan für den Fall, dass ein erfolgreicher Anschlag auf amerikanischem Boden in die Stammesgebiete des Landes zurückverfolgt werden kann - so heißt es aus Kreisen hoher Militärs."

Mit anderen Worten: Das Pentagon arbeitet an Angriffsplänen auf pakistanisches Territorium.

Zwar beeilt sich die "Washington Post" gleich im zweiten Absatz, erneut die hohe Konditionalität einer solchen Attacke zu erläutern. Demnach hätten die Pentagon-Offiziellen betont, eine solche Reaktion Washingtons würde nur unter besonderen Umständen erfolgen, wenn also ein entsprechendes Attentat von pakistanischen Extremisten in den USA katastrophale Ausmaße hätte und nicht mit einem Einsatz von amerikanischen Drohen in den Stammesgebieten zu beantworten sei. Der US-Geheimdienst CIA setzt in den Stammesgebieten im Nordwesten von Pakistan bereits seit längerem unbemannte Drohnen gegen mutmaßliche Extremisten ein.

Aber die Zeitung schreibt auch, dass dem US-Militär nach dem jüngsten vereitelten Anschlag am New Yorker Times Square solche Vergeltungspläne als nötiger denn je erschienen. Der mutmaßliche Attentäter Faisal Shahzad soll von Islamisten in Pakistan unterstützt worden sein. "Die Planungen sind im Nachgang des Times-Square-Anschlagsversuchs belebt worden" - so wird einer der Militärvertreter zitiert.

US- und pakistanische Geheimdienste kooperieren verstärkt

Die Streitkräfte würden sich - so der Stand der Planungen - bei ihrer Offensive laut "Washington Post" auf Luft- und Raketenangriffe konzentrieren. Es könnten aber auch kleinere Spezialeinheiten zum Einsatz kommen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf ranghohe Militärvertreter.

Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf erklärt, er würde vor Militärschlägen gegen Pakistan nicht zurückschrecken. Seine Außenministerin Hillary Clinton sagte nach dem versuchten Attentat in New York, "falls - was sich niemand wünscht - ein Angriff wie dieser, den wir nach Pakistan zurückverfolgen könnten, erfolgreich gewesen wäre, würden sehr ernste Konsequenzen gezogen".

In der Zwischenzeit versucht die US-Regierung nach Informationen der Zeitung, enger mit den pakistanischen Geheimdiensten zu kooperieren. Demnach wurde vor kurzem eine gemeinsame Geheimdienst-Einrichtung am Rande der nordwestlichen Stadt Peschawar in Benutzung genommen. Zudem gebe es Verhandlungen über die Eröffnung einer ähnlichen Einrichtung nahe Quetta - die Stadt, aus der die pakistanischen Taliban operieren.

Diese "Verbindungszentren" sollen dazu beitragen, das Vertrauen zwischen amerikanischen und pakistanischen Kräften zu verbessern. Gleichzeitig erhalten die Pakistaner Zugriff auf die Informationen der US-Kollegen.

Schwere Vorwürfe gegen US-Luftwaffenoffiziere

Dass im Kampf gegen die Extremisten solche - vor allem durch Drohnen gesammelten - Informationen und Aufnahmen mit großer Vorsicht zu behandeln sind, zeigt ein aktueller Untersuchungsbericht des US-Militärs: Demnach ist der Tod von 23 Zivilisten bei einem Luftangriff in Afghanistan im Februar auf unzureichende Informationen und Fehlschlüsse zurückzuführen. Schwere Vorwürfe erhebt der am Samstag veröffentlichte Bericht gegen Luftwaffenoffiziere, die das Geschehen in Afghanistan mit Hilfe von Aufnahmen eines unbemannten Flugzeugs aus den USA beobachteten. Die Crew auf dem Luftwaffenstützpunkt in Nevada habe Hinweise darauf, dass der bombardierte Konvoi ungefährlich sein könnte, ignoriert.

Der Luftangriff am 21. Februar richtete sich gegen einen Fahrzeugkonvoi in der Nähe des Dorfes Chod in der Provinz Urusgan.

flo/apn



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Friedrich Wilhelm Preuß 29.05.2010
1. Erst in Afghanitan, dann in Pakistan
Erst in Afghanitan, dann in Pakistan werden unsere deutschen Soldaten unsere deutsche Heimat am Hindukusch verteidigen! Wir glauben es und werden selig. arbeiten die Generäle an Angriffsplänen auf Pakistan: RACHE ist süß!
hirn_einschalten 29.05.2010
2. Atomare Kapazitäten Pakistans auschalten
... ist wohl das oberste Ziel. Weil bei einem US-Angriff das Land in die Hände der Extremisten fallen wird. Was über kurz oder lang sowieso passiert.
Ernst August 29.05.2010
3. Der Kampf für gegen das Öl - ein Sieg muß her
Zitat von sysopNoch klingt es hypothetisch - doch die Planungen des US-Militärs sind offenbar sehr konkret: Laut "Washington Post" arbeiten die Generäle an Angriffsplänen auf Pakistan. Sie sollen verwirklicht werden, falls es in den USA einen Anschlag mit Beteiligung von Pakistanern gibt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,697498,00.html
Nun, es wird immer klarer warum in Afghanistan die Truppen derart aufgestockt worden sind. Eines ist sicher - wegen der Taliban nicht. Aber wozu nach den eh verhassten Drohnenangriffen (über 90% der Opfer sind Unbewaffnete) nun auch noch den Zorn eines 160 Millionen Volkes auf sich ziehen wo es doch (noch) eine US treue Regierung gibt (die hat enorme Schwierigkeiten)? Was wissen wir nicht über die tatsächliche innenpolitische Lage in Pakistan? Pakistan hat ca. 1,5 Millionen Mann unter Waffen - die Taliban dort hätten keine Chance wenn die ernst machen würden. Was ist der wirkliche Grund nachdem nun Al Kaida zu den Akten gelegt wurde und damit die eh nie gegebene Bedrohung durch die Taliban auch hinfällig ist? Das alles passt in die Reihe der aktuellen Äußerungen des britischen Verteidigungsmimisters Fox und des Herrn Köhler. Es geht nicht um Afghanistan und die Bildung u.s.w. der dortigen Bevölkerung sondern es geht um strtegische und wirtschafdtliche Interessen des Westens. Das aber ist Sehenden nicht neu. Es bleibt also nur noch die Frage warum Pakistan und wie geht es von da aus weiter? Stimmt das mit Pakistan oder soll das nur von einem anderen Ziel ablenken? Eins aber ist nach etlichen auffäligen Meldungen/Vorgängen der letzten Zeit sicher die Freunde des Friedensengels werden sich bald wünschen sie wären nie seine Freunde gewesen.
dent42 29.05.2010
4. Re
Völlig egal, die US-Armee hat für alle möglichen Szenarien Pläne in der Schublade, inkl. einer Invasion Kanadas
cekay 29.05.2010
5. .
Je weniger Geld, desto mehr Kriege. Das gilt für viele westliche Länder, die in erschreckender Weise Geschichte wiederholen. Man muss sich heute tatsächlich überlegen, wie man im Fall der Fälle mit der eigenen Familie am besten den Kopf einzieht.
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