Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verhandlungen in Tripolis: Gaddafi stimmt Waffenstillstand zu

Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ist laut Afrikanischer Union zum Einlenken bereit: Offenbar akzeptiert der Diktator einen Waffenstillstand - die Rebellen fordern jedoch weiterhin seinen Rücktritt. Heftige Kämpfe forderten am Wochenende viele Tote.

Tripolis - Eine Delegation afrikanischer Präsidenten hat in Libyen eine Einigung mit Machthaber Muammar al-Gaddafi über einen Friedensplan verkündet. Laut dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma stimmte der libysche Diktator einem Waffenstillstand zu.

In dem Plan der Afrikanischen Union (AU) wird ein sofortiger Waffenstillstand gefordert, die Öffnung für humanitäre Hilfe sowie Gespräche zwischen den Aufständischen und der Regierung. Zuma ist Leiter der AU-Delegation, die am Sonntag nach Tripolis gereist war, um Gaddafi zu treffen. Die panafrikanische Organisation hat sich wiederholt für eine Verhandlungslösung in Libyen stark gemacht.

Die Präsidenten Südafrikas, der Demokratischen Republik Kongo, Malis, Mauretaniens und Ugandas wollen am Montag auch die Aufständischen in der Rebellenhochburg Bengasi besuchen und mit ihnen verhandeln. Die Delegation wolle mit Vertretern des Übergangsrats, der provisorischen Regierung der Regimegegner, sprechen. Ein Rebellensprecher schloss jedoch eine Waffenruhe aus, solange Gaddafi nicht abtrete. Gaddafi lehnt die Forderungen der Aufständischen nach einem Rücktritt weiterhin ab, auch die AU fordert nicht seinen Machtverzicht. Zuma sagte am Sonntag dennoch: "Wir müssen dem Waffenstillstand eine Chance geben."

Die Nato hatte nach südafrikanischen Angaben dem Gespräch mit Gaddafi zugestimmt. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte zuvor gesagt: " Für diesen Konflikt gibt es keine militärische Lösung." Gaddafi hatte den Waffenstillstand gebrochen, den er ausgerufen hatte, nachdem im März die internationalen Luftangriffe beschlossen worden waren.

Nato-Kampfflugzeuge zerstören 25 Panzer

Unterdessen forderten heftige Gefechte am Wochenende viele Tote: In den Städten Misurata und Adschdabija sollen seit Samstag mindestens 23 Rebellen und Zivilisten getötet worden sein. Die Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und den Rebellen konzentrierten sich vor allem auf die strategisch wichtige Stadt Adschdabija, die etwa 160 Kilometer südlich von Bengasi liegt. Die Stadt wurde nach Angaben von Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP von zahlreichen Explosionen erschüttert. Heftig umkämpft blieb auch Misurata, die drittgrößte Stadt des Landes.

Kampfflugzeuge der Nato zerstörten am Sonntag 25 Panzer der Regierungstruppen in der Nähe von Misurata und Adschdabija. Dies teilte der Kommandeur der internationalen Truppen in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, in seinem Hauptquartier in Neapel mit. Die Flugzeuge hätten auch Munitionslager bombardiert.

In der kommenden Woche stehen eine ganze Reihe von Treffen zu Libyen an: Am Dienstag wollen die EU-Außenminister in Luxemburg mit einem Rebellenvertreter verhandeln. Für Mittwoch ist das nächste Treffen der Libyen-Kontaktgruppe im Emirat Katar geplant. Am Donnerstag und Freitag kommen in Berlin die Nato-Außenminister zusammen.

lgr/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Palaver
panzerknacker51, 10.04.2011
Typisch für Afrika. Jetzt geht das Palaver los, das ja traditionell dazu dient, die Beteiligten friedlich zu stimmen und ein gutes Klima für die danach stattfindenden und hoffentlich fruchtbaren Gespräche zu schaffen. Hoffentlich begreifen die Europäer, was da gerade passiert und halten erst einmal die Füße still. Das verstehen unsere meist ignoranten Entscheidungsträger zwar nicht, aber es scheint, als ob die Afrikaner jetzt die Sache auf ihre Weise in die Hand nehmen möchten. Viel Glück dabei!
2. Sagen Sie ihre Meinung.....
melilla 10.04.2011
...ich will mich einmal mit meiner Meinung zuruekhalten, weil ich vieles einfach nicht verstehe: (und militaerisch schon garnichts!) Drum meine Fragen: *Warum kann das Thema nicht militaerisch geloest werden? Die Gadafi Truppen muessen doch auf endlosen Landstrassen gen Osten "rollen". Da sind doch Bombadierungen von Panzern etc. ein "Kinderspiel" - oder nicht? *Angeblich ist die Luftabwehr von Libyen ausgeschaltet. Dann stellt das doch noch weniger Probleme/Gefahr fuer die Nato dar - oder? *Menschliche Schutzschilde? Ja die Panzer in Richtung Osten treiben doch keinen Konvoi von Landsleuten vor sich her als Schutzschild? Stellt sich mir die Frage nach dem "Willen" der Alliierten, das Thema ernsthaft od. nur "ein bisschen" zu loesen. Aber wie gesagt - Fragen! Keine Meinung...
3. Kuhhandel
hmueller0 11.04.2011
Irgendwie habe ich die Befürchtung, dass es auf einen Kuhhandel rauslaufen könnte. Gaddafi bleibt im Amt, gelobt Besserung und einige Reformen, der Westen nimmt das nur allzu dakbar an und wendet sich froh wieder den Geschäften zu...
4. Mit Verrückten und Kriminellen verhandelt man nicht...
Lady Wanda, 11.04.2011
... die nimmt man hopp und sperrt sie ein. Aber auch hier offenbart sie wieder einmal die Heuchelei der so genannten "großen" Politik - erst zieht man das Monster groß - und dann lässt man es gewähren, weil man nicht das Gesicht verlieren will.
5. Falscher Titel - SPON
schwarzer Schmetterling, 11.04.2011
Zitat von sysopHeftige Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen forderten am Wochenende viele Tote. Jetzt will die Afrikanische Union im libyschen Bürgerkrieg vermitteln: Machthaber Gaddafi empfing die Delegation in seiner Residenz - zunächst gab es allerdings nur ein gemeinsames Foto vor seinem Zelt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,756151,00.html
Richtig wäre gewesen: Der Despot zeigt sich verhandlungsbereit. Geht aber nicht: Die Rebellen wollen ja garnicht verhandeln, die wollen nur siegen, notfalls auch mit direkter Unterstützung durch die fliegende Artiellerie der NATO. Es handelt sich bei den Rebellen wohl doch nicht um Menschen, die Freiheit und Demokratie wollen, oder denen der Schutz der Zivilbevölkerung am Herzen liegt. Hier wollen lediglich ein paar zu gekommene Ex-Büttel und Al-Kaida ihr eigenes Süppchen kochen. Die NATO sollte den Rebellen schlicht ein Ultimatum stellen, was dem UN-Auftrag entspricht: Entweder ihr schliesst einen Waffenstillstand oder wir machen nicht mehr mit. Die Folge wird wohl sein, dass die in den letzten Jahren legitime Regierung in Tripolis dem Chaos im Osten des Landes ein Ende bereiten wird. Das Überrennen der regulären libyschen Armme durch ein paar wilg gewordene Pistoleros mit fragwürdigen politischen Ansichten schlug fehl. Nun wird wohl die Balkanisierung des Landes angestrebt, viele kleine Provinzdespoten, die man so schön unter Kontrolle halten kann. Die Flüchtlinge aus dem Chaos sollte man direkt an die Verursacher durchstellen, sollen sich Downing Street und Elyseé doch bitte mit den durch sie selbstverursachten Flüchtlingströmen auseinandersetzen. Unser Land braucht Einwanderer, aber bitte die, welche auch gebraucht werden. Sollten unsere kriegsgeilen Grünen unbedingt Flüchtlinge wollen, bitte im eigenen Haus aufnehmen und verköstigen. Damit löst sich das Problem schnell, wenn man schaut wie Herr Özdemir sein Wohnumfeld gereinigt hat.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Libyen: Gefahr durch mobile Flugabwehrraketen

Stammbaum
SPIEGEL ONLINE

Interaktive Grafik: Der Gaddafi-Clan und die Macht



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: