Verhinderter Qaida-Anschlag: Clinton warnt vor "immer perverseren" Terrormethoden

Nach dem verhinderten Sprengstoffanschlag eines Qaida-Ablegers in Jemen hat US-Außenministerin Hillary Clinton vor "immer perverseren und schrecklichere Methoden" von Terroristen gewarnt. Die Behörden in Sanaa reagierten erbost auf die Aufdeckung der Amerikaner. 

US-Außenministerin am Dienstag in Indien: "Wir müssen wachsam bleiben" Zur Großansicht
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US-Außenministerin am Dienstag in Indien: "Wir müssen wachsam bleiben"

Sanaa/Neu Delhi - Nach dem vereitelten Qaida-Anschlag mit einem neu entwickelten Sprengsatz hat US-Außenministerin Hillary Clinton zur Wachsamkeit aufgerufen. "Wie das Weiße Haus schon sagte, schien die Vorrichtung keine Bedrohung für den öffentlichen Luftverkehr darzustellen", sagte Clinton am Dienstag bei einem Pressekonferenz in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. "Aber das Komplott zeigt, dass diese Terroristen versuchen, immer perversere und schrecklichere Methoden zu entwickeln, um unschuldige Menschen zu ermorden."

Der Sender NBC News hatte berichtet, der im Jemen entwickelte Sprengkörper sei eine Weiterwicklung der sogenannten Unterhosenbombe, mit der Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über der amerikanischen Stadt Detroit in die Luft gesprengt werden sollte. Clinton nannte den Vorfall "eine Erinnerung daran, warum wir zu Hause und im Ausland wachsam bleiben müssen, um unsere Nation und befreundete Nationen zu schützen".

Jemenitische Sicherheitsbehörden reagierten verärgert auf Berichte über das fehlgeschlagene Selbstmordattentat des Terrornetzwerks al-Qaida reagiert. Ein Beamter sagte der regierungsnahen Zeitung "Yemen Post", das FBI habe bisher keine Beweise nach Sanaa weitergeleitet. Dieses Vorgehen schade dem Ansehen der Regierung.

Der Beamte wird weiter mit den Worten zitiert: "Zusammenarbeit bedeutet, dass beide Seiten geheime Informationen teilen. Dies ist zwingend notwendig, wenn die USA im Krieg gegen den Terror weiterhin mit Jemen kooperieren wollen."

Zuvor hatten US-Behörden erklärt, frühzeitig ein Attentat auf eine Passagiermaschine verhindert zu haben. Nach Angaben des Geheimdienstes CIA plante die Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), also der jemenitische Arm der Terrororganisation, eine Bombe in einem US-Passagierjet auf dem Weg nach Amerika zu zünden. AQAP spüre vermutlich Druck, eine erfolgreiche Attacke durchzuführen, um den Tod Bin Ladens zu rächen, erklärte ein hochrangiger US-Beamter am Montag.

Kämpfe zwischen Qaida-Anhängern und Regierungssoldaten

Westliche Regierungen bezweifeln, dass alle Führungskräfte der jemenitischen Sicherheitskräfte ernsthaft das Terrornetzwerk al-Qaida bekämpfen. Jemenitische Qaida-Experten hatten dem Regime des inzwischen aus dem Amt gedrängten Präsidenten Ali Abdullah Salih vorgeworfen, es habe zeitweise mit den Terroristen kooperiert. Die Führung wolle die drohende Gefahr als Druckmittel in der Außenpolitik instrumentalisieren.

Weite Landstriche im Süden von Jemen sind unter der Kontrolle von Qaida-Kämpfern und mit ihnen verbündeten Truppen. Immer wieder greifen sie Stellungen der Regierungsarmee an. Allein am Dienstag wurden bei Gefechten zwischen Stammeskämpfern und Soldaten der Zentralen Sicherheit in der Stadt Radaa südlich von Sanaa 20 Menschen getötet, wie das Nachrichtenportal Marib Press berichtete.

Am Montag hatten Qaida-Kämpfer nahe Sindschibar mindestens 32 Soldaten umgebracht. Die Attacke auf einen Militärposten war vermutlich ein Racheakt für den tödlichen Raketenangriff auf einen Qaida-Oberen wenige Stunden zuvor.

Der Staat und die USA führen seit Jahren einen Drohnenkrieg gegen die Aufständischen - bisher mit wenig Erfolg.

Weiterentwicklung der Unterhosenbombe

Offenbar hatte der CIA den jetzt geplanten Anschlag auf ein Flugzeug in einem frühen Stadium vereitelt: Der Selbstmordattentäter aus Jemen habe zu dem Zeitpunkt weder ein Ziel ausgewählt gehabt noch ein Flugticket gekauft, als die CIAeingegriffen habe, heißt es.

Klar sei aber, dass der Sprengkörper eine Weiterentwicklung jener Unterhosenbombe, mit welcher der nigerianische Islamist Umar Farouk Abdulmutallab Weihnachten 2009 ein Linienflugzeug über Detroit zum Absturz bringen wollte, glücklicherweise aber scheiterte. Die Bombe damals enthielt wohl den Sprengstoff Pentaerythritol oder Nitropenta (PETN). Die verwendete Menge hätte wahrscheinlich ausgereicht, um ein Loch in das Flugzeug zu sprengen. Abdulmutallab, mittlerweile zu lebenslänglicher Haft verurteilt, sagte in den Verhören direkt nach dem vereitelten Anschlag, er sei nur einer von mehreren Selbstmordbombern.

Die Ähnlichkeiten des jetzt sichergestellten Sprengsatzes mit der Bombe von damals lassen Anti-Terrorexperten vermuten, dass der jemenitische Bombenbauer Ibrahim al-Asiri verwickelt sein könnte.

heb/fab/AFP/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1. .
frubi 08.05.2012
Zitat von sysopNach dem verhinderten Sprengstoffanschlag eines Qaida-Ablegers in Jemen hat US-Außenministerin Hillary Clinton vor "immer perverseren und schrecklichere Methoden" von Terroristen gewarnt. Die Behörden in Sanaa reagierten erbost auf die Aufdeckung der Amerikaner. Verhinderter Anschlag Al Qaida Jemen: Clinton warnt vor Terrorplänen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831988,00.html)
"Clinton warnt vor "immer perverseren" Terrormethoden". Stimmt. Die Drohnenangriffe der US-Regierung auf Hochzeiten und Kinder sind wirklich nicht mehr auszuhalten.
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vitalik 08.05.2012
Und die perversesten Terrormethoden sind Falschinformationen und Volksverdummung aber die Politiker nennen das nicht Terrormethoden, sondern Wahlkampf.
3. ja. die bösen amis
klügstermanndeutschlands 08.05.2012
"Clinton warnt vor "immer perverseren" Terrormethoden". Stimmt. Die Drohnenangriffe der US-Regierung auf Hochzeiten und Kinder sind wirklich nicht mehr auszuhalten. Ich finde diese radikale anti-Amerika Haltung einfach erschreckend. Was verleitet Sie dazu sich auf die Seiten von Menschen zu schlagen, die die Demokratie einfach ablehnen. Wir als deutsche, sollten Amerika mal lieber dankbar sein, dass sie uns nach dem Krieg aufgebaut und nicht ausgebeutet haben. Nennen sie eine Weltmacht, die soetwas vorher getan hat. Natürlich sind tote Zivilsten furtchbar. aber dies ist nicht das erklärte Ziel der US-Regierung.Erzählen sie mir doch bitte, wie sie an Amerikas Stelle handeln würden?
4. gilt auch für Terrorbekämpfer u. Schutztruppen
realpolitiker 08.05.2012
Zitat von sysopNach dem verhinderten Sprengstoffanschlag eines Qaida-Ablegers in Jemen hat US-Außenministerin Hillary Clinton vor "immer perverseren und schrecklichere Methoden" von Terroristen gewarnt. Die Behörden in Sanaa reagierten erbost auf die Aufdeckung der Amerikaner. Verhinderter Anschlag Al Qaida Jemen: Clinton warnt vor Terrorplänen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831988,00.html)
Da möchte ich aber auch warnen vor "immer perverseren und schrecklicheren Methoden" der Terrorbekämpfer!! In einer demokratischen Gesellschaft sollte nie der Zweck die Mittel heiligen dürfen - auch wenn manche Regierungen da leider anderer Auffassung sind.
5. ach Gottchen, die Anti-Amerika-Keule
Ha.Maulwurf 08.05.2012
Zitat von klügstermanndeutschlandsIch finde diese radikale anti-Amerika Haltung einfach erschreckend.
Erschreckend ist lediglich, dass Sie das Abschlachten von unschuldigen Zivilisten als amerikanisch betrachten. Natürlich. Wer das Abschlachten von Zivilisten kritisiert, ist ein Terrorist. Oder wenigstens ein Terroristenunterstützer. Ein großer Teil Deutschlands wurde keineswegs von Amerika "aufgebaut". Ganz im Gegenteil. Auf diesen Teil Deutschland hatte Amerika seine Atomraketen gerichtet. Jede, die einigermaßen clever war. Der Unterschied für die Opfer? Eben.
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