Verhörmethoden: Ärzte-Organisation wirft CIA Menschenversuche vor

Der US-Geheimdienst CIA sträubt sich gegen die Veröffentlichung weiterer Unterlagen über Verhörmethoden bei Terrorverdächtigen. Begründung: Die nationale Sicherheit sei in Gefahr. Mediziner werfen der CIA nun sogar vor, Ärzte für Menschenversuche angeheuert zu haben.

Reinigungsarbeiten in der CIA-Zentrale in Langley: Menschenversuche im Terrorknast? Zur Großansicht
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Reinigungsarbeiten in der CIA-Zentrale in Langley: Menschenversuche im Terrorknast?

Washington - Um Hunderte Seiten von internen Unterlagen des US-Geheimdienstes CIA ist ein heftiger Streit entbrannt. Hat die Öffentlichkeit ein Recht auf Details zur Befragung von Terrorverdächtigen und mutmaßlicher Folter im Namen des Staates - oder geht die Geheimhaltung vor?

Die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) hatte bereits 2003 auf Herausgabe der Akten geklagt, in denen die Verhörmethoden und der Umgang der CIA mit Terrorverdächtigen beschrieben werden. Vorige Woche nun veröffentlichte die US-Regierung Teile der Unterlagen und machte sich an die Untersuchung der Vorfälle. Weitere Auszüge sollten eigentlich folgen.

Das scheitert nun aber bisher an der CIA, denn weitere Papiere will der Geheimdienst auf keinen Fall herausgeben. Als Begründung gab CIA-Mitarbeiterin Wendy Hilton laut "New York Times" an, die "nationale Sicherheit" sei in Gefahr, sollten Details zu den Verhörmethoden an die Öffentlichkeit gelangen. Aus den Unterlagen gingen nämlich Einzelheiten über Informanten und Operationen hervor, und die seien aus Sicht der CIA "streng geheim". Werde das genaue Vorgehen der Agenten bekannt, sei es wahrscheinlich, dass "die Fähigkeit der US-Regierung stark beeinträchtigt ist, Terrorverdächtige effektiv zu verhören und an Informationen zu kommen, die zum Schutz der amerikanischen Bevölkerung nötig sind".

Die Reaktion der CIA ist nicht sehr verwunderlich. Schließlich geht es in den Unterlagen, die der Dienst zurückhält, um die Genehmigung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush für die Verhörmethoden. Bush erlaubte der CIA damals, Terrorverdächtige heimlich gefangen zu nehmen und zu befragen. Zu den genehmigten Verhörmethoden gehörte unter anderem Waterboarding, das dem Opfer das eigene Ertrinken simuliert und es in Todesangst versetzt. Kurz nach seinem Amtsantritt unterzeichnete Barack Obama am 22. Januar eine Anweisung, die solche Methoden verbietet. Außerdem ist in den Unterlagen Korrespondenz zwischen CIA-Agenten in den Geheimgefängnissen und ihren Vorgesetzten in Washington ebenso enthalten wie die Einschätzung der CIA-Anwälte zur Rechtmäßigkeit des Umgangs mit den Häftlingen.

Die Bürgerrechtler von ACLU wollen sich mit der Weigerung der CIA aber nicht begnügen. Sie wollen weiter versuchen, die Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen und sich dies laut "New York Times" notfalls vor Gericht erstreiten.

Ärzte-Organisation will Rolle der Mediziner im CIA-Programm klären

Doch die ACLU ist nicht die einzige Menschenrechtsorganisation, die der CIA schwere Vorwürfe macht. Eine Gruppe namens "Physicians for Human Rights" (PHR, zu deutsch: Mediziner für Menschenrechte) hat die Rolle von Medizinern im Ablauf der Verhöre untersucht - und will zu erschreckenden Ergebnissen gekommen sein: Mit der Teilnahme an den Verhören hätten die Ärzte sich "unrechtmäßig an Menschenversuchen" beteiligt, berichtet die britische Zeitung "Guardian".

Laut einer PHR-Untersuchung haben Ärzte "an allen Schritten der Entwicklung, Durchführung und rechtlichen Rechtfertigung des geheimen Folterprogramms der CIA" mitgewirkt. Anweisungen an das medizinische Personal, die Häftlinge während der Gefangenschaft zu überwachen. Die PHR-Aktivisten werfen Ärzten damit eine weitaus stärkere Verwicklung in das System der CIA vor als bislang bekannt. Demnach haben Mediziner die Verhörmethoden der Agenten explizit auf ihre Effektivität hin untersucht und ausgewertet - und eben das fiele in den Bereich des "Experimentierens an Menschen ohne deren Erlaubnis", was seit 1947 dem Nürnberger Code gemäß verboten ist. Auch die Genfer Konvention untersagt solche Versuche.

Eine Reaktion der CIA oder der US-Regierung auf die Vorwürfe gibt es noch nicht. Die Menschenrechtler fordern nun eine unabhängige Untersuchung, die klären soll, welche Rolle Ärzte im Programm der CIA spielten. Die Fragen, die die PHR-Leute beantwortet haben wollen: Wie viele Ärzte haben an dem Programm teilgenommen? Was genau haben sie getan? Welche Aufzeichnungen haben sie angefertigt? Und zu welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind sie gekommen?

ffr

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Grausame Geschichten
Hubert Rudnick, 03.09.2009
Zitat von sysopDer US-Geheimdienst CIA sträubt sich gegen die Veröffentlichung weiterer Unterlagen über Verhörmethoden bei Terrorverdächtigen. Begründung: Die nationale Sicherheit sei in Gefahr. Mediziner werfen der CIA nun sogar vor, Ärzte für Menschenversuche angeheuert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,646720,00.html
Ist das die Art von Demokratie die die amerikanischen Behörden über andere Völker überstülpen wollen? Wer so mit Menschen umgeht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich Menschen anderen radikalen Gruppen im Kampf gegen die sogenannte Demokratie anschließen. Wer dieses zu verantworten hat, so wie der Herr George W Bush gehört vor einem internationalem Tribunal und solange es die Amerikaner verweigern haben sie kein Recht mehr das Wort Freiheit und Demokratioe in den Mund zu nehmen. Man hat von der Verhörpraktiken der deutschen Faschisten anscheinend recht gut gelernt, es ist widerlich zu erfahren, dass das demokratische Staaten machen. Frau Bundeskanzlerin, Verfechterin für die Freiheit, was sagen sie denn dazu und was fordern sie nun von den Amerikanern, verlangen sie es nun von dem Nachfolger dem Herrn Barak Obamer dass er diese Verbrecher dem internationalen Tribunal zuführt und legen sie solange bis es geschied alle diplomatischen Beziehungen mit der USA aufs Eis?
2. ...
Neurovore 03.09.2009
Zitat von sysopDer US-Geheimdienst CIA sträubt sich gegen die Veröffentlichung weiterer Unterlagen über Verhörmethoden bei Terrorverdächtigen. Begründung: Die nationale Sicherheit sei in Gefahr. Mediziner werfen der CIA nun sogar vor, Ärzte für Menschenversuche angeheuert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,646720,00.html
Das ist ja nun nix Neues. Das von der US-Armee und von den Gehimdiensten verwendete Folterhandbuch KUBARK (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17553/1.html) z.B. stammt aus dem Jahre 1963. Das MKULTRA (http://de.wikipedia.org/wiki/MKULTRA)-Progtamm nicht zu vergessen: MKULTRA umfasste nach Angaben des damaligen CIA-Direktors Admiral Stansfield Turner 149 Unterprojekte, wovon mindestens 14 sicher Menschenversuche waren, ..[].. Erforscht wurden die Wirkungen von Drogen (vor allem LSD und Mescalin), Giften, Chemikalien, Hypnose, Psychotherapie, Elektroschocks, Gas, Krankheitserregern, Erntesabotage, künstliche Gehirnerschütterung, Operationen usw. Durchgeführt wurden die Experimente an 44 Universitäten, 12 Krankenhäusern, 3 Gefängnissen und 15 nicht näher bezeichneten „Forschungseinrichtungen“. Es ist erwiesen, dass zahlreiche Versuchspersonen bei den Experimenten schwerste körperliche und psychische Schäden bis hin zum Tod davontrugen. Die Praxis von _Entführungen zu Versuchszwecken_ wurde, zumindest für das MKULTRA-Projekt, von der CIA später selbst bestätigt. Auch Fälle von Kindesmissbrauch sind bekannt. Und die von Abu Subeida beschriebenen psychologisch Foltermethoden basiern maßgeblich auf den Forschungen des kanadischen Psychologen Donald Hebb, der die sensorischer Deprivation (http://de.wikipedia.org/wiki/Sensorische_Deprivation) in den 50ern (da noch an Freiwilligen) untersuchte. Seine Ergebnisse wurden seitdem kontinuierlich vom US-Militär und vor allem vom CIA angewendet und weiterentwickelt. Vor allem an "Kriegsgefangenen". Das hat sich seit 50 Jahren nichts verändert und da wird sich auch in Zukunft nichts dran ändern. Auch nicht unter Obama (http://www.wsws.org/de/2009/aug2009/obam-a14.shtml), denn es werden immer nur ein paar untere Befehlsempfänger abgeurteilt, anstatt die wirklichen Strukturen aufzulösen. Wobei die Welt ohne die CIA ganz bestimmt sicherer und schöner wäre.
3. Sauber bleiben...!
blue_plasma, 03.09.2009
Also ich sehe für die aktuelle amerikanische Regierung eigentlich nur einen Weg, sich nicht da mit rein ziehen zu lassen: 1. Lückenlose Aufklärung 2. Entschuldigung bei den Opfern (medial und finanziell!!!) 3. Bestrafung der Schuldigen. Bei Punkt 3. meine ich wirklich alle!!! Auch wenn ein Ex-"Präsident" und ein paar Komplizen ins Gefängnis müssen. Bei dem was ich über diesen Themenkomplex bisher erfahren habe, ist dies wohl mehr als gerechtfertigt. Das sind definitv 1A-Kriegsverbrechen.... Ansonsten schließe ich mich dem Beitrag von "Hubert Rudnick" voll an. Ach ja, Wahlkampf: Ich erinner' mich ja noch gern als A. Merkel im 2. Golfkrieg in geradzu stutenhafter Devotheit (als Oppositionsführerin) zu Georgie gefahren ist und sich bei ihm für unsere Nichtteilnahme entschuldigt hat... Wie sie das wohl heute kommentiert?
4. So ist Krieg.
lpino 03.09.2009
Afrikanische Kinder hacken mit Buschmessern einander die Gliedmaßen ab. Deutsche Landser radieren ein russisches Dorf aus, ohne Pardon. Zehntausende Japaner verglühen im amerikanischen Atomblitz. Man kann es nicht aufzählen, nicht aufrechnen, aber so ist Krieg. Auch unsere amerikanischen Verbündeten sind im Krieg, im Krieg der Mächtigen für noch mehr Geld und Einfluss. Das fordert Opfer, Menschen müssen sterben, andere verkaufen Waffen und profitieren. So ist Krieg. Unsere amerikanischen Freunde kennen wenigstens Gerechtigkeit, den Unterschied zum Unrecht. Sie protestieren gegen ihre Geheimdienste, stellen Mitglieder ihrer früheren Regierung als Vertreter einer Junta der Militär- und Kriegswirtschaft bloß, sie zeigen Courage.
5. Ja so ist Krieg, aber?
Hubert Rudnick, 03.09.2009
Zitat von lpinoAfrikanische Kinder hacken mit Buschmessern einander die Gliedmaßen ab. Deutsche Landser radieren ein russisches Dorf aus, ohne Pardon. Zehntausende Japaner verglühen im amerikanischen Atomblitz. Man kann es nicht aufzählen, nicht aufrechnen, aber so ist Krieg. Auch unsere amerikanischen Verbündeten sind im Krieg, im Krieg der Mächtigen für noch mehr Geld und Einfluss. Das fordert Opfer, Menschen müssen sterben, andere verkaufen Waffen und profitieren. So ist Krieg. Unsere amerikanischen Freunde kennen wenigstens Gerechtigkeit, den Unterschied zum Unrecht. Sie protestieren gegen ihre Geheimdienste, stellen Mitglieder ihrer früheren Regierung als Vertreter einer Junta der Militär- und Kriegswirtschaft bloß, sie zeigen Courage.
---------------------------------------------------------- Ich muß ihnen leider Recht geben, ja so ist nun mal der Krieg. Aber da gibt es auch von mir einen Einspruch, denn gerade wir alle, die von sich behaupten den Völkern für eine Demokratie zu gewinnen sollten doch da ganz andere Ansprüche an uns selbst stellen. Aber sind wir denn nicht auch nur so zu bewerten wie die Menschen aus den Diktauren wo man mit den Menschenrechten nur nach gut Dünken umgeht? Sind es denn nicht die Demokratien, die die Menschen in anderen Ländern (EU Ländern) verbringen, um sie dort foltern zu können und schauen wir denn da nicht nur einfach weg und interessieren uns nicht dafür. Aber wehe es geschied was im gesamten russichen Einzugsbereich, dann stehen wir moralisch auf und wollen diese Regierung an den Pranger stellen. Liebe Abgeordnete der Parlamente und liebe demokratische Regierungen, wo bleibt denn da euer Aufschrei, warum ist nun alles stumm? Für mich sind die sogenannten demokratischen Länder auch nicht menschlicher wie die Diktauren, es gibt schon ein Unterschied, wir können es besser verheimlichen und wir haben immer eine gute Aussrede und erklären warum es notwendig ist, aber schützt das den Menschen vor Willkürmaßnahmen und Folter, nein. HR
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Der Anti-Waterboarding-Spot

Verhörmethoden
Die CIA-Memoranden zu Verhörmethoden (PDF):

1. August 2002

10. Mai 2005

10. Mai 2005

30. Mai 2005

"An den Rand des Todes und zurück" - Folterberichte
Abu Subeida
AP
Abu Subeida, ein mutmaßlich enger Vertrauer von Osama Bin Laden, wurde im März 2002 in Pakistan gefasst und dabei schwer verletzt. Die CIA sorgte dem Bericht zufolge ausdrücklich dafür, dass er gesundgepflegt wurde - nur um ihn dann foltern zu können. Dazu sei er zwischen mehreren CIA-Lagern hin- und hertransportiert worden.

"Ich erwachte, nackt, an ein Bett gefesselt, in einem sehr weißen Raum. Der Raum maß ungefähr vier mal vier Meter. (...) Nach einiger Zeit, ich glaube, dass es mehrere Tage waren, wurde ich zu einem Stuhl gebracht, an den ich an Händen und Füßen gekettet wurde, für die nächsten zwei bis drei Wochen, glaube ich. In der Zeit bekam ich durch das dauerhafte Sitzen Blasen an der Unterseite meiner Beine. (...) In den ersten zwei oder drei Wochen bekam ich, während ich auf dem Stuhl saß, keine feste Nahrung. Mir wurde nur Ensure (ein Proteingetränk, Anm.d.Red.) und Wasser zu trinken gegeben. Anfangs musste ich mich von dem Ensure übergeben, aber das wurde mit der Zeit besser. (...) Die Zelle und der Raum waren klimatisiert und sehr kalt. Die ganze Zeit spielte sehr laute Brüllmusik. Sie wiederholte sich alle 15 Minuten, 24 Stunden am Tag. Manchmal stoppte die Musik und wurde von lautem Zischen oder Knattern abgelöst. (...) Zwei schwarze Holzkisten wurden in den Raum außerhalb meiner Zelle gebracht. Eine war hoch, etwas größer als ich und schmal. (...) Die andere war kleiner. (...) Ich wurde aus meiner Zelle geholt, und einer der Vernehmenden wickelte ein Handtuch um meinen Hals, und dann benutzten sie das, um mich herumzuschleudern und mich wiederholt gegen die harte Wand des Raums zu schmettern. Auch wurde ich wiederholt ins Gesicht geschlagen. (...) Dann wurde ich in die große Kiste gesteckt, ich glaube für rund eine bis eineinhalb Stunden. Die Kiste war innen und außen total schwarz. (...) Sie bedeckten die Außenseite der Kiste mit einem schwarzen Tuch, um das Licht zu verdunkeln und meine Luftzufuhr zu drosseln. Es war schwer zu atmen. (...) Nach dem Verprügeln wurde ich in die kleine Kiste gesteckt. (...) Da sie nicht hoch genug war, um aufrecht zu sitzen, musste ich mich zusammenkrümmen. Wegen meiner Wunden war das sehr schwer. (...) Die Wunde an meinem Bein öffnete sich und begann zu bluten. Ich weiß nicht, wie lange ich in der kleinen Kiste blieb, ich bin vielleicht eingeschlafen oder ohnmächtig geworden. (...) Dann wurde ich aus der kleinen Kiste gezerrt, ohne dass ich ordentlich laufen konnte, und auf etwas geschnallt, was wie ein Krankenhausbett aussah, und mit engen Gurten sehr eng daran gefesselt. Ein schwarzes Tuch wurde über mein Gesicht gepresst, und die Vernehmer nahmen eine Mineralwasserflasche, um Wasser auf das Tuch zu kippen, so dass ich nicht atmen konnte. Nach ein paar Minuten wurde das Tuch weggenommen und das Bett in eine aufrechte Position gedreht. Der Druck der Gurte auf meine Wunden tat sehr weh. Ich erbrach mich. Dann wurde das Bett wieder in eine horizontale Position gedreht und die gleiche Folter wiederholt, mit dem schwarzen Tuch über meinem Gesicht und dem Wasser aus der Flasche. Diesmal hing mein Kopf mehr in einer rückwärtigen, nach unten gerichteten Position, und das Wasser wurde länger ausgeschüttet. Ich kämpfte mit den Gurten, versuchte zu atmen, doch es war hoffnungslos. Ich dachte, ich würde sterben. Ich verlor die Kontrolle über mein Urin. Seitdem verliere ich auch heute noch die Kontrolle über mein Urin, wenn ich unter Stress stehe. (...) Das dauerte etwa eine Woche. In der Zeit wurde die ganze Prozedur fünfmal wiederholt. (...) Einmal wurde das Ersticken dreimal hintereinander wiederholt. (...) Mehrmals brach ich dabei zusammen und verlor das Bewusstsein. Dann wurde die Folter durch die Intervention eines Arztes gestoppt."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"
Walid bin Attasch
AP
Dem Jemeniten Walid bin Attasch wird vorgeworfen, in die Terroranschläge auf zwei US-Botschaften in Afrika 1998 und den US-Zerstörer "USS Cole" (2000) verwickelt und Osama Bin Ladens Leibwächter gewesen zu sein. Auch soll er mehrere der 9/11-Terroristen trainiert haben. Er wurde 2003 in Karachi gefasst. Attasch verlor 1997 das rechte Bein und trägt eine Prothese. Sein erstes Folterlager befand sich dem ICRC zufolge in Afghanisten.

"Die nächsten zwei Wochen war ich nackt. (...) Ich wurde in einer stehenden Position gehalten, Füße flach am Boden, aber mit meinen Armen über meinem Kopf und mit Handschellen und einer Kette an einer Metallstange befestigt, die quer durch die Zelle lief. Die Zelle war dunkel, ohne künstliches oder natürliches Licht. (...) In den ersten zwei Wochen bekam ich nichts zu essen. Ich bekam nur Ensure (ein Proteingetränk, Anm.d.Red.) und Wasser zu trinken. Ein Wärter kam jedesmal und hielt die Flasche, während ich trank. (...) Die Toilette bestand aus einem Eimer in der Zelle. (...) Mir war nicht erlaubt, mich zu säubern, nachdem ich den Eimer benutzt hatte. Während der drei Wochen, die ich dort verbrachte, spielte 24 Stunden am Tag laute Musik. (...) Nachdem ich einige Tage in dieser Position verbracht hatte, begann mein Beinstumpf zu schmerzen, weshalb ich meine Prothese entfernte, um die Schmerzen zu lindern. Daraufhin begann natürlich mein gutes Bein wehzutun und bald einzuknicken, so dass ich mit meinem ganzen Gewicht an meinen Handgelenken hing. Ich rief um Hilfe, aber anfangs kam keiner. Schließlich, nach einer Stunde, kam ein Wärter, und mir wurde meine Prothese zurückgegeben, und ich wurde abermals in die stehende Position gebracht, mit meinen Händen über meinem Kopf. Danach nahmen mir die Vernehmer manchmal absichtlich mein künstliches Bein ab, um der Position noch mehr Stress zu verleihen. (...) Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie lange sie mich so stehen ließen, aber ich glaube, es waren etwa zehn Tage. (...) Während ich so stand, musste ich eine Windel tragen. Manchmal wurde die Windel aber nicht erneuert, weshalb ich mich dann selbst beschmutzte, wenn ich urinierte oder Stuhlgang hatte. Jeden Tag wurde ich mit kaltem Wasser abgespritzt. (...) In den ersten zwei Wochen wurde mir auch jeden Tag eine Schlinge um den Hals gelegt und dann dazu beutzt, um mich gegen die Wände des Verhörraums zu schmettern. (...) In den ersten zwei Wochen wurde ich ebenfalls jeden Tag auf auf eine Plastikplane auf den Boden gelegt, die dann an den Rändern hochgehoben wurde. Kaltes Wasser wurde mit Eimern über meinen Körper geschüttet. (...) Dann wurde ich mit dem kalten Wasser für mehrere Minuten in die Plane gewickelt. Danach wurde ich zum Verhör gebracht."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"
Chalid Scheich Mohammed
DPA
Chalid Scheich Mohammed gilt als Chefplaner der 9/11-Anschläge. Er wurde im März 2003 im pakistanischen Rawalpindi gefasst. Von dort aus wurde er dem ICRC zufolge erst nach Afghanistan gebracht und später womöglich auch nach Polen. Seine Folter erbrachte nach Angaben des damaligen Präsidenten George W. Bush wichtige Informationen über geplante Terrorakte - eine Behauptung, die jedoch von Experten bezweifelt wird.

"Ich wurde in einen anderen Raum gebracht, wo ich gezwungen wurde, während der Befragung etwa zwei Stunden lang auf Zehenspitzen zu stehen. Etwa 13 Personen waren in dem Raum. Darunter befanden sich der Chef-Vernehmer (ein Mann) und zwei weibliche Vernehmer, außerdem rund zehn Muskelmänner, die Masken trugen. Ich glaube, dass alle Amerikaner waren. Ab und zu schlug mich einer der Muskelmänner in den Brustkorb und in den Magen. (...) Für etwa 40 Minuten wurde ich mit kaltem Wasser aus Eimern überschüttet. Nicht durchgehend, da es Zeit kostete, die Eimer neu zu füllen. Danach wurde ich in den Verhörraum zurückgebracht. Einmal wurde mir während des Verhörs Wasser zum Trinken angeboten, als ich es verweigerte, wurde ich erneut in einen anderen Raum gebracht, wo ich auf den Boden gezwungen wurde, während mich drei Personen festhielten. Ein Schlauch wurde in meinen Anus eingeführt und Wasser hineingeleitet. Danach wollte ich die Toilette benutzen, weil ich das Gefühl hatte, ich hätte Durchfall. Zugang zur Toilette wurde aber erst vier Stunden später gewährt, als sie mir einen Eimer gaben. Jedesmal, wenn ich in meine Zelle zurückgebracht wurde, wurde ich in der Stehposition gehalten, mit meinen Händen in Handschellen und an die Stange über meinem Kopf gekettet. (...) Wenn sie den Eindruck hatten, dass ich nicht kooperiere, wurde ich an eine Wand gestellt und in Oberkörper, Kopf und Gesicht geboxt und geschlagen. (...) Die Prügel und der Einsatz des kalten Wassers geschah im ersten Monat jeden Tag. (...) Ich wurde an ein spezielles Bett gefesselt, das in eine vertikale Position gedreht werden konnte. Ein Tuch wurde auf mein Gesicht gelegt. Kaltes Wasser aus einer Flasche, die in einem Kühlschrank aufbewahrt worden war, wurde dann von einem Wärter auf das Tuch gegossen, so dass ich nicht atmen konnte. (...) Die Prügel wurden schlimmer, und die Wachen richteten kaltes Wasser aus einem Schlauch auf mich, während ich noch in meiner Zelle war. Der schlimmste Tag war, als ich von einem der Vernehmer rund eineinhalb Stunden lang zusammengeschlagen wurde. Mein Kopf wurde so hart gegen die Wand geschleudert, dass er zu bluten begann. (...) Die Folter an dem Tag wurde schließlich durch die Intervention eines Arztes gestoppt. (...) Sie benutzen nie das Wort 'Folter' und sprachen nie von 'physischem Druck', nur davon, es mir 'schwerzumachen'. Ich wurde nie mit dem Tod bedroht, vielmehr wurde mir gesagt, dass sie nicht erlauben würden, dass ich sterbe, sondern dass sie mich 'an den Rand des Todes und wieder zurück' bringen würden."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"