Verhörmethoden Schlafentzug mit Regierungserlaubnis

Immer neue Details über umstrittene US-Verhörmethoden belasten die US-Regierung. Danach hat die US-Regierung auch im Gefangenenlager Guantanamo unter anderem Schlafentzug erlaubt.


 Gefangene auf Guantanamo: Verhör unter ärtzlicher Beobachtung
AP

Gefangene auf Guantanamo: Verhör unter ärtzlicher Beobachtung

Washington - Zu den Methoden habe auch gehört, dass Gefangene lauter Musik und grellem Licht ausgesetzt und gezwungen worden seien, sich nackt auszuziehen, berichtete die "Washington Post" am Samstag auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Verteidigungskreise.

Dafür sei die Genehmigung führender Vertreter des Verteidigungsministeriums, für einige auch die von Minister Donald Rumsfeld erforderlich gewesen. Die Zeitung zitierte aus einem Dokument, das 20 Verhörmethoden auflistet. Einige Methoden bedürften einer "angemessenen ärztlichen Beobachtung". Rumsfeld steht in der Kritik, weil US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib irakische Gefangene misshandelt haben.



Eine ähnliche Behandlung wie in Guantanamo sei auch für Gefangene im Irak gestattet worden, wenn diese Verbindungen zu Terrorgruppen oder Aufständischen hatten. Es sei aber nicht klar, ob solche Behandlungsmethoden in Abu Ghraib erlaubt gewesen seien, so die "Washington Post". Das Ministerium äußerte sich zunächst nicht zu dem Zeitungsbericht, sondern verwies auf das Southern Command des US-Militärs in Miami. Dort bestätigte ein Sprecher, dass das Militär abgestufte Verhörmethoden im Frühjahr 2003 genehmigt habe. Der Zwang zur Entkleidung - wie sie auf den Fotos aus Abu Ghraib zu sehen sind - gehöre aber nicht dazu. Es gebe kein entsprechendes Protokoll, außerdem sei ein solches Vorgehen nicht in Erwägung gezogen worden.

Zu anderen Verhörmethoden äußerte der Sprecher sich nicht. Die genehmigten Standards dienten dazu, mit schwierigeren Gefangenen umzugehen, dies geschehe aber im Übereinstimmung mit internationalem Recht und internationalen Verhörmethoden, so der Sprecher weiter.

In einem Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba hält das US-Militär rund 600 Menschen fest, die im Zuge des von US-Präsident George W. Bush ausgerufenen Kampfes gegen den Terrorismus zumeist in Afghanistan gefangen genommen wurden. Wiederholt haben Menschenrechtsorganisation auf die Zustände im Lager hingewiesen.



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