Verlegung nach Den Haag Mladic-Anwalt setzt auf Verzögerungstaktik

Ratko Mladic wird vorerst nicht nach Den Haag verlegt. Der Rechtsanwalt des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers legte Einspruch gegen den Transport ein. Sein Mandat würde einen Prozess nicht überleben - und müsste zunächst von mehreren Ärzten untersucht werden.

Mladic-Anwalt Saljic: Mandant könnte Prozessauftakt nicht mehr erleben
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Mladic-Anwalt Saljic: Mandant könnte Prozessauftakt nicht mehr erleben


Belgrad - Vor dem Uno-Tribunal in Den Haag soll dem mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic der Prozess gemacht werden. Doch daraus wird vorerst nichts. Anwalt Milos Saljic hat Einspruch gegen die Auslieferung seines Mandanten geltend gemacht. Er habe diesen auf den Postweg zum Gericht gebracht, sagte der Rechtsvertreter am Montag in Belgrad.

Saljic argumentiert in dem Schreiben, der 69-jährige Mladic sei zu krank, um einen Prozess in Den Haag durchstehen zu können. Nach Eingang des Einspruchs hat ein dreiköpfiger Richterausschuss bis zu drei Tagen Zeit, darüber endgültig zu entscheiden.

Das Justizministerium in Belgrad erklärte, die Verteidigung wolle den Auslieferungsprozess in die Länge ziehen. Insgesamt könnte die Auslieferung zwei bis vier Tage dauern. Der stellvertretende serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, sagte, einer Auslieferung Mladics an das Uno-Tribunal sollte nichts im Weg stehen.

Anwalt Saljic erklärte dagegen, Mladic sei schwer krank und werde einen Prozessbeginn nicht mehr erleben. Er bat um mehrere Ärzte, die seinen 69 Jahre alten Mandanten untersuchen sollen. Mladic war in der vergangenen Woche nach fast 16 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. Er soll in dieser Zeit zwei Schlaganfälle erlitten haben.

Gelähmter Arm, taube rechte Körperhälfte

Ein serbisches Gericht hatte in der vergangenen Woche die Überstellung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers an das Uno-Tribunal für Ex-Jugoslawien genehmigt. Der als "Schlächter vom Balkan" bekannte Ex-General wurde vom Uno-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 angeklagt.

Auch Mladics Sohn hält seinen Vater für zu krank für eine Auslieferung. "Wir sind nahezu sicher, dass er in einer solchen Verfassung nicht ausgeliefert werden kann", sagte Darko Mladic. Mladics Familie habe den Festgenommenen sehen können, bevor dieser vor dem Ermittlungsrichter in Belgrad erschien. "Ihm geht es sehr schlecht. Sein rechter Arm ist halb gelähmt, seine rechte Seite teilweise taub." Sein Vater sei zudem "unschuldig", sagte er.

Nach serbischen Medienberichten soll Mladic bei seiner Festnahme "eine ganze Tüte voller Medikamente" dabeigehabt haben. Dies berichtete die Zeitung "Blic" am Freitag in Belgrad unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden. Diese Arzneimittel habe er nicht ohne Hilfe eine Arztes beschaffen können.

jok/AFP/dpa

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Panslawist 30.05.2011
1. Titel
Zitat von sysopRatko Mladic wird vorerst nicht nach Den Haag verlegt. Der Rechtsanwalt des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers legte Einspruch gegen den Transport ein. Sein Mandat würde einen Prozess nicht überleben - und müsste zunächst von mehreren Ärzten untersucht werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765808,00.html
Ich bitte Sie, es ist doch völlig normal, dass ein Anwalt erstmal die Verhandlungsfähigkeit infrage stellt, wenn es Indizien dafür gibt. Viel interessanter wird sein, ob Mladic noch lang genug lebt, um viele interessante Fragen beantworten zu können. Die Liste seiner Gesprächspartner in der Zelle ist schon mal interessant.
silpe 30.05.2011
2. Festnahme von General Mladic
Sehr geehrte Spiegel-Herausgeber Ich kann es langsam nicht mehr hören, geschweige denn lesen.Ich finde die einseitige Berichtersstattung unseres Landes unerträglich! Alle Serben werden als Kriegsverbrecher deklariert und diffamier. Niemand fragt sich,ob jemand für die serbischen Opfer geradesteht und hier zur Wahrheitsfindung beiträgt. Man hört nur von serbischen "Massakern" an die muslimische Bevölkerung. Niemand fragt nach den serbischen in Opfern in Serbrenica, welche von 1991-1995 immer an kirchlichen eiertagen stattfanden. Im "Memorialzentrum" von Srebrenica wurden auch Tote begraben, die eines natürlichen Todes starben, begraben. Ich finde, hier sollte nicht nur der investigative Journalismus vorherrschen, sondern einer, der um eine objektive Berichterstattung bemüht ist. Mladic war ein General der Armee der Republika Srpska, welche die serbische Bevölkerung vor Übergriffen der muslimischen und kroatischen paramilitärischen, und vom Westen unterstützenden und bewaffneten Milizen, verteidigt hat. Ferner noch eine kleine Erinnerung: General Mladic war General der serbischen Armee der Republika Srpska, die nach dem Daytoner Abkommen als föderale Einheit von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt wurde! Ich würde mir sehnlichst wünschen, dass man zumindest versucht, auch die serbischen Opfer, seien es Tote oder Vermisste, mehr Beachtung schenkt und danach forscht.
Gerdd 30.05.2011
3. Gerichtlich klären lassen ...
Zitat von silpeSehr geehrte Spiegel-Herausgeber Ich kann es langsam nicht mehr hören, geschweige denn lesen.Ich finde die einseitige Berichtersstattung unseres Landes unerträglich! Alle Serben werden als Kriegsverbrecher deklariert und diffamier. Niemand fragt sich,ob jemand für die serbischen Opfer geradesteht und hier zur Wahrheitsfindung beiträgt. Man hört nur von serbischen "Massakern" an die muslimische Bevölkerung. Niemand fragt nach den serbischen in Opfern in Serbrenica, welche von 1991-1995 immer an kirchlichen eiertagen stattfanden. Im "Memorialzentrum" von Srebrenica wurden auch Tote begraben, die eines natürlichen Todes starben, begraben. Ich finde, hier sollte nicht nur der investigative Journalismus vorherrschen, sondern einer, der um eine objektive Berichterstattung bemüht ist. Mladic war ein General der Armee der Republika Srpska, welche die serbische Bevölkerung vor Übergriffen der muslimischen und kroatischen paramilitärischen, und vom Westen unterstützenden und bewaffneten Milizen, verteidigt hat. Ferner noch eine kleine Erinnerung: General Mladic war General der serbischen Armee der Republika Srpska, die nach dem Daytoner Abkommen als föderale Einheit von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt wurde! Ich würde mir sehnlichst wünschen, dass man zumindest versucht, auch die serbischen Opfer, seien es Tote oder Vermisste, mehr Beachtung schenkt und danach forscht.
Da haben Sie sicher recht - wenn es denn Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Serben gegeben hat, dann sollten die auch untersucht werden. Wenn Sie etwas wissen, sollten Sie dringend Anzeige erstatten - möglichst noch bevor die Schuldigen zu alt und gebrechlich sind, um vor Gericht gestellt zu werden. Mittlerweile bleibt aber die Frage, ob der Herr Mladic die ihm vorgeworfenen Untaten begangen hat. Und wenn er zu krank ist, sich dem Gericht in den Haag zu stellen, dann hat er hoffentlich den Anstand, in den nächsten, sagen wir zwei, drei Wochen zu sterben. Zu viele, die angeblich einen Prozeß nicht überleben würden - oder den anschließenden Strafvollzug - erfreuen sich nach Abwendung der Gefahr doch noch eines langen Lebensabends.
berns 31.05.2011
4. Die Anklage ist eine Farce.
Screbrenica - es ist doch längst bewiesen, dass die angeblich 800 Toten gar nicht tot sind. Lügen und gefälschte Fotos, die der damalige deutsche "Verteidigungsminister" Scharping zur Rechtfertigung für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Serbien den Medien vorlegte, sind längst entlarvt. In Wirklichkeit wurden ca. 40 Leichen gefunden, die, so gibt es Beweise, Angehörige der Terrororganisation UCK waren und im Kampf von serbischen Soldaten getötet wurden. Auf den gefälschten Fotos zeigte Scharping Soldaten mit serbischen Uniformen die auf Gefangene mit Pistolen gechossen haben in Wirklichkeit waren es Albaner und UCK-Angehörige, denen das serbische Wappen auf die Uniform per Fotomontage und Retusche zugefügt wurde. Es ist unglaublich, dass die NATO und viele "westliche" Politiker, die den Krieg gegen Serbien zu verantworten haben, immer noch durch falsche Berichte und mittels des Gerichts in Den Hag ihre Schuld vertuschen und die Schuld auf Serbien schieben. Schon der Prozeß gegen Milosevic war Unrecht. Es wird höchste Zeit, dass die wahren Schuldigen vor Gericht kommen!
ausländer2011 31.05.2011
5. Man dreht es sich wie man will....
Zitat von silpeSehr geehrte Spiegel-Herausgeber Ich kann es langsam nicht mehr hören, geschweige denn lesen.Ich finde die einseitige Berichtersstattung unseres Landes unerträglich! Alle Serben werden als Kriegsverbrecher deklariert und diffamier. Niemand fragt sich,ob jemand für die serbischen Opfer geradesteht und hier zur Wahrheitsfindung beiträgt. Man hört nur von serbischen "Massakern" an die muslimische Bevölkerung. Niemand fragt nach den serbischen in Opfern in Serbrenica, welche von 1991-1995 immer an kirchlichen eiertagen stattfanden. Im "Memorialzentrum" von Srebrenica wurden auch Tote begraben, die eines natürlichen Todes starben, begraben. Ich finde, hier sollte nicht nur der investigative Journalismus vorherrschen, sondern einer, der um eine objektive Berichterstattung bemüht ist. Mladic war ein General der Armee der Republika Srpska, welche die serbische Bevölkerung vor Übergriffen der muslimischen und kroatischen paramilitärischen, und vom Westen unterstützenden und bewaffneten Milizen, verteidigt hat. Ferner noch eine kleine Erinnerung: General Mladic war General der serbischen Armee der Republika Srpska, die nach dem Daytoner Abkommen als föderale Einheit von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt wurde! Ich würde mir sehnlichst wünschen, dass man zumindest versucht, auch die serbischen Opfer, seien es Tote oder Vermisste, mehr Beachtung schenkt und danach forscht.
Verteidigt? Haben Sie eigentlich vergessen, welcher Staat sich die anderen aneignen wollte? Dass man ein Gross-Serbien erschaffen wollte? Wie kann man da nur von verteidigen reden?! Mladic fällt in die gleiche Kategorie (wenn nicht noch schlimmer) wie ein Martic oder Babic. Wie kann man nur so die Augen vor der Wahrheit verschliessen. Hätte die US-Regierung nicht interveniert, dann hätte Mladic mit seinen Truppen auch Banja Luka verloren, ob es jetzt noch die Republika Srpska gäbe, gilt zu bezweifeln. Ob Serbien auch so gehandelt hätte und sich dem international Druck gebeugt hätte, kann man aus diesen Erfahrung wohl in Frage stellen.
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