Verschollenes U-Boot Suchtrupps prüfen ungewöhnliches Geräusch im Meer

Seit mehr als einer Woche wird die ARA "San Juan" im Südatlantik vermisst - eine "hydroakustische Anomalie" soll der argentinischen Marine nun Aufschluss über den Fundort geben. Rührt das Geräusch von einer Explosion?

Mitglieder der US-Navy bereiten sich auf den Sucheinsatz vor
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Mitglieder der US-Navy bereiten sich auf den Sucheinsatz vor


Bislang hatten sich alle Spuren auf der Suche nach dem verschollenen argentinischen U-Boot als falsch herausgestellt - nun gehen die Rettungsmannschaften einem neuen Hinweis nach. Wenige Stunden nach der letzten Funkmeldung der ARA "San Juan" sei eine "hydroakustische Anomalie" in etwa 30 Seemeilen Entfernung registriert worden, teilte das argentinische Militär mit. Experten zufolge könne eine Explosion dafür ursächlich gewesen sein.

Das norwegische Schiff "Skandi Patagonia" mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) und weiterer Ausstattung der US-Navy zur Tiefseebergung an Bord wurde zu dem Standpunkt geschickt, an dem das verschollene U-Boot nun vermutet wird. Ein weiteres Schiff soll mit einem Mini-U-Boot an Bord folgen, das ebenfalls von der US-Marine für eventuelle Bergungsversuche am Meeresgrund eingesetzt werden soll.

In der patagonischen Hafenstadt Comodoro Rivadavia wurde das regionale Krankenhaus auf Anforderung der argentinischen Kriegsmarine in Bereitschaft versetzt. Alle geplanten Operationen wurden verschoben und vier Säle freigehalten, um die Besatzungsmitglieder des U-Boots gegebenenfalls einliefern zu können. Zu den Aussichten, die Besatzungsmitglieder des U-Boots zu retten, sagte Marinesprecher Enrique Balbi: "Wir sind in einer sehr gefährlichen Lage und in einer, die sich verschlimmert."

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U-Boot ARA "San Juan": Verschollen im Südatlantik

Die ARA "San Juan" ist inzwischen seit über einer Woche vom Radar verschwunden. An Bord sind 44 Besatzungsmitglieder. Nach den Berechnungen von Experten hätte der Sauerstoff an Bord des U-Boots bis maximal Mittwoch gereicht, wenn es seit der letzten Funkmeldung nicht mehr an der Wasseroberfläche war. "Am siebten Tag der Suche stehen wir in einer kritischen Phase", sagte Marinesprecher Enrique Balbi.

14 Schiffe und zehn Flugzeuge aus mehreren Ländern sind an dem Einsatz beteiligt. US-Präsident Donald Trump drückte per Twitter seine Anteilnahme aus. "Ich habe schon vor Längerem den Befehl gegeben, Argentinien bei der Such- und Rettungsaktion für das vermisste U-Boot zu unterstützen", schrieb er. "45 Mann an Bord und nur noch wenig Zeit, Möge Gott mit ihnen und den Menschen in Argentinien sein!"

Das U-Boot des Typs TR 1700 wurde von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 der argentinischen Kriegsmarine übergeben. "Unsere Gedanken gelten nun der Besatzung und ihren Familien. Wir hoffen inständig, dass das U-Boot zügig gefunden wird", erklärte ein Werftsprecher.

Angehörige brachen in Tränen aus

Auf dem Marinestützpunkt Mar del Plata schwanken die Angehörigen der Besatzungsmitglieder seit Tagen zwischen Hoffen und Bangen. "Ich bin zuversichtlich, sie werden zurückkommen", sagte Fernanda Valacco, deren Mann zur Besatzung gehört. "Die Stunden vergehen, wir warten auf ein Wunder", sagte Elena Alfaro, die Schwester eines anderen vermissten Seemanns.

Nach der Äußerung von Marinesprecher Balbi über das verdächtige Geräusch im Meer brachen manche Angehörige in Tränen aus. Die Mutter eines Besatzungsmitglieds schrie in Richtung Meer: "Gib mir meinen Sohn zurück!"

vks/dpa/AFP



insgesamt 27 Beiträge
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uulmann 23.11.2017
1.
"...über einer Woche vom Radar verschwunden..." - Ich glaube nicht, dass diese Standard-Floskel für U-Boote gilt.
birka12 23.11.2017
2. Unglaublich
Was ich am wenigsten begreifen kann ist dass sich ein U-Boot im Falle einer Notsituation nicht bemerkbar machen kann. Liegt das Boot z.B. in 70 m Tiefe intakt auf dem Meeresgrund müsste es genug technische Lösungen geben die Position mitteilen zu können. Man müsste einen starken Sender an die Wasseroberfläche schicken können, einfach unglaublich.
schwerpunkt 23.11.2017
3.
Zitat von birka12Was ich am wenigsten begreifen kann ist dass sich ein U-Boot im Falle einer Notsituation nicht bemerkbar machen kann. Liegt das Boot z.B. in 70 m Tiefe intakt auf dem Meeresgrund müsste es genug technische Lösungen geben die Position mitteilen zu können. Man müsste einen starken Sender an die Wasseroberfläche schicken können, einfach unglaublich.
Da noch völlig unbekannt ist, was tatsächlich geschehen ist, lässt sich natürlich bereits trefflich darüber diskutieren. Aktuell weis man nur, dass das U-Boot weg ist.
cirus27 23.11.2017
4. birka12
wir reden über ein argentinisches u-boot. anstelle des technischen standards, der hier ganz sicherlich verfügbar wäre, fährt irgendein bewilligungsfuzzi der marine einen neuen mercedes und seine frau einen land rover. von den miami-flügen der töcher nicht zu reden.
guntergunter 23.11.2017
5. Ich frage mich...
warum erst jetzt dieser "hydroakustischen Anomalie" nachgegangen wird...30SM vom letzten bekannten Standort entfernt, ist das doch eine ziemlich heisse Spur, oder...?!
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