Versenktes Kriegsschiff Südkorea wirft Norden tödliche Torpedoattacke vor

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea erreicht einen Höhepunkt. Südkorea hat jetzt nach eigenen Angaben Beweise dafür, dass der Norden ein 1200-Tonnen-Kriegsschiff per Torpedo versenkte - 46 Menschen starben. Das Regime in Pjöngjang droht im Fall von Vergeltung mit "totalem Krieg".


Seoul/Washington - Die Situation auf der koreanischen Halbinsel wird immer brenzliger. Fast acht Wochen nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs erhebt die Regierung in Seoul schwere Vorwürfe gegen den Nachbarn im Norden: Ein internationales Ermittlerteam ist zu dem Schluss gekommen, dass Nordkorea die 1200-Tonnen-Korvette nahe der innerkoreanischen Seegrenze mit einem Torpedo beschossen und versenkt hat. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak warf Nordkorea "militärische Provokation" vor und kündigte resolute Schritte gegen das kommunistische Nachbarland an. Nordkorea drohte für den Fall von Sanktionen oder Vergeltungsaktionen mit "harten Maßnahmen, bis zum totalen Krieg".

US-Präsident Barack Obama machte ebenfalls Nordkorea für den Untergang der "Cheonan" mit 46 Toten im Gelben Meer verantwortlich und warf dem Land "inakzeptables Verhalten" vor. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte mit, Obama habe den "Akt der Aggression", der zum Untergang geführt habe, "scharf verurteilt". Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich höchst beunruhigt über die Untersuchungsergebnisse. Seoul hatte angedeutet, den Fall um die "Cheonan" vor den Weltsicherheitsrat bringen zu wollen. Für eine Verurteilung oder weitere Sanktionen gegen Pjöngjang durch den Rat wäre es laut Beobachtern wichtig, China von der Schuld Nordkoreas an dem Untergang zu überzeugen.

Es gebe "überwältigende Beweise für den Schluss", dass ein U-Boot aus Nordkorea den Torpedo abgefeuert habe, teilte das zivilmilitärische Ermittlerteam in Seoul mit. "Es gibt keine andere glaubwürdige Erklärung." Zu dem Ergebnis seien sie durch die Analyse der Bruchstellen am Wrack der "Cheonan" und der am Unglücksort vor der Westküste Südkoreas gesammelten Trümmerteile gekommen.

Unter anderem hieß es, dass geborgene Teile eines Torpedos einem vor Jahren gefundenem Torpedo-Irrläufer aus Nordkorea glichen. Zudem soll es Hinweise dafür geben, dass sich kleine nordkoreanische U-Boote zum Zeitpunkt des Unglücks in der Nähe der Untergangsstelle aufgehalten hätten. An den Ermittlungen waren neben Südkoreanern auch Experten aus den USA, Australien, Großbritannien und Schweden beteiligt.

Durch internationale Zusammenarbeit wolle Südkorea das Regime in Pjöngjang dazu bringen, "seine Missetaten einzugestehen" und in verantwortlicher Weise in die internationale Gemeinschaft zurückzukehren, sagte Staatspräsident Lee in einem Telefonat mit dem australischen Regierungschef Kevin Rudd. Lee will am Freitag in Seoul den Nationalen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen, um Gegenmaßnahmen zu erörtern.

Nordkorea bestritt erneut, das Schiff versenkt zu haben. Ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission - das mächtigste Gremium des Landes - unterstellte Seoul, die Untersuchungsbefunde fingiert zu haben. Zugleich habe die Kommission im staatlichen Fernsehen angeboten, ein eigenes Ermittlungsteam zu schicken, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

An der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer ist es bereits wiederholt zu Gefechten zwischen Schiffen beider Länder gekommen. Beide koreanischen Staaten befinden sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch kein Friedensvertrag geschlossen worden ist.

ler/dpa/apn

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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
wolfi55 20.05.2010
1. einfangen der U-Boote
Man sollte halt eines oder mehrere der U-Boote einfangen. Am besten mit einem Fischernetz udn dnan nach Süfkorea einbringen. Danach ein Geständnis des Kommandanten, dass er auf Befehl des großen Führers gehandelt habe und erledigt ist der Fall. Andererseits hätte man gleich auch chinesische Experten hinzuziehen sollen. Dann würde es keine Spekulation geben. Und man könnte natürlich auch auf Torpedos achten. Das wäre das Minimum an Vorsicht in gefährlichem Gebiet. So ganz schuldlos sind die Südkoreaner nicht. Anderseits ein totaler Krieg führt mit Sicherheit neben vielen Tausenden oder gar Millionen Toten zum Untergang des nordkoreanischen Regimes. Ob das die Chinesen wollen, das wage ich zu bezweifeln. Weil dann sitzen die Amis direkt vor der Haustür. Udn ein Regime das manche Drecksarbeit für die Chinesen erledigt fehlt dann völlig. Wolfgang
Core Dump, 20.05.2010
2. Tja...
...da war wohl bei einem der Klein-U-Bootfahrer aus dem schoenen Norden der Finger etwas locker am Abzug gesessen auf grund der nationalistischen Verteufelung, Hetze und Propaganda. Dann schiesst man halt mal im nationalistischen Uebermut fuer den geliebten Fuehrer einen fiessen Feind ab. Dem Fuehrer duerfte das zwar sichtlich peinlich sein, so wie's scheint kommt dem das naemlich gar nicht gelegen das er sich nun rausreden muss vor dem poehsen Sueden und dem Rest der Welt, und man nun ihm und seinen Mannen den Mord an ueber 40 Menschen zulast legen kann.
petmert 20.05.2010
3. wolfi for president!
Zitat von wolfi55Man sollte halt eines oder mehrere der U-Boote einfangen. Am besten mit einem Fischernetz udn dnan nach Süfkorea einbringen. Danach ein Geständnis des Kommandanten, dass er auf Befehl des großen Führers gehandelt habe und erledigt ist der Fall. Andererseits hätte man gleich auch chinesische Experten hinzuziehen sollen. Dann würde es keine Spekulation geben. Und man könnte natürlich auch auf Torpedos achten. Das wäre das Minimum an Vorsicht in gefährlichem Gebiet. So ganz schuldlos sind die Südkoreaner nicht. Anderseits ein totaler Krieg führt mit Sicherheit neben vielen Tausenden oder gar Millionen Toten zum Untergang des nordkoreanischen Regimes. Ob das die Chinesen wollen, das wage ich zu bezweifeln. Weil dann sitzen die Amis direkt vor der Haustür. Udn ein Regime das manche Drecksarbeit für die Chinesen erledigt fehlt dann völlig. Wolfgang
endlich mal ne idee! vielleicht ginge ja auch ne plastiktüte? ich mein, sonst schlüpft das noch durch eines der löcher? stimmt, kann auch nicht viel schwerer sein als das fangen mit dem fischernetz. aber echt! statt da immer faul an deck rumzulungern. einfach mal aufs wasser gucken und wenn einer kommt, na ja... desintegrieren, wegbeamen, irgendsowas? mit stäbchen verscheuchen... oder fischernetz auswerfen? mit sicherheit! hat ja schon mal bestens geklappt. süd gegen nord da unten bei den stäbchenessern. ach nee, mist, da haben ja die anderen gewonnen... aber vielleicht mit der fischernetzstrategie? oder man passt halt einfach n bisschen besser auf wenn so'n torpedo kommt? kommt drauf an, wieviele fischernetze die haben. in diesem sinne, nix für ungut, so long, sayonara! ;)
pette 20.05.2010
4. -
Zitat von wolfi55Man sollte halt eines oder mehrere der U-Boote einfangen. Am besten mit einem Fischernetz udn dnan nach Süfkorea einbringen. Danach ein Geständnis des Kommandanten, dass er auf Befehl des großen Führers gehandelt habe und erledigt ist der Fall. Andererseits hätte man gleich auch chinesische Experten hinzuziehen sollen. Dann würde es keine Spekulation geben. Und man könnte natürlich auch auf Torpedos achten. Das wäre das Minimum an Vorsicht in gefährlichem Gebiet. So ganz schuldlos sind die Südkoreaner nicht. Anderseits ein totaler Krieg führt mit Sicherheit neben vielen Tausenden oder gar Millionen Toten zum Untergang des nordkoreanischen Regimes. Ob das die Chinesen wollen, das wage ich zu bezweifeln. Weil dann sitzen die Amis direkt vor der Haustür. Udn ein Regime das manche Drecksarbeit für die Chinesen erledigt fehlt dann völlig. Wolfgang
Es gibt doch noch Myamar das ehemalige Burma. Die wandeln sich auch in einen chinesischen Puppenstaat.
zappa99 20.05.2010
5. Bis jetzt
hat noch jeder Krieg mit einer solchen "Provokation" angefangen, die sich hinterher als fingiert heraus gestellt hat (z.B. "Tonkin-Zwischenfall"). In wie weit das hier auch der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Die selbe Wirkung wie eine fingierte Provokation hat es jedenfalls, wie man hier im Forum gut erkennen kann. Dass Nordkorea menschenverachtend agiert ist nicht anzuzweifeln. Schon alleine die totale Isolation ist ein Verbrechen. Es ist jedenfalls eine brand gefährlich Sitauation, das ist sicher. Ich hoffe, alle Beteiligten wissen, was sie tun.
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