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Versorgungsnot: Helfer warnen vor Drama im Gaza-Streifen

Schlechte Wasserversorgung, verheerende Sanitäranlagen, Ärztemangel, dramatisch hohe Arbeitslosigkeit: Die Lage der Menschen im Gaza-Streifen ist nach einer Studie von Hilfsorganisation so schlecht wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Jerusalem/Gaza - Die Lage der Palästinenser im Gaza-Streifen ist nach Einschätzung britischer Hilfsorganisationen so schlimm wie seit mehr als 40 Jahren nicht. Die Situation der 1,5 Millionen Bewohner dort sei die dramatischste "seit Beginn der israelischen Besetzung 1967", heißt es in einem Bericht von acht Nichtregierungsorganisationen, darunter Oxfam und dem britischen Zweig von Amnesty International.

Protest gegen Israel im Gaza-Streifen: Dramatischer Versorgungsengpass
AFP

Protest gegen Israel im Gaza-Streifen: Dramatischer Versorgungsengpass

Die Blockade durch Israel hat demnach zu gravierenden Engpässen bei Lebensmitteln, Medikamenten und Energie geführt. Mehr als eine Million Palästinenser im Gaza-Streifen seien mittlerweile abhängig von Hilfsgütern. Das entspricht 80 Prozent der Bevölkerung. "Die gesamte Infrastruktur steht vor dem Zusammenbruch - ob es nun Wasser, Sanitäranlagen oder auch nur ärztliche Versorgung ist", sagte der Leiter der Palästinenser-Hilfsbehörde der Vereinten Nationen, John Ging, zu Reuters per Telefon aus Gaza.

Krankenhäuser hätten oft bis zu zwölf Stunden keinen Strom. Zudem liege die Arbeitslosenquote bei mehr als 40 Prozent. Ging warnte Israel vor den Folgen eines weiteren Militäreinsatzes in dem Küstenstreifen: "Es wäre verheerend."

Israel hat seit der gewaltsamen Machtübernahme der radikalen Hamas im Gaza-Streifen im vergangenen Juni eine wirtschaftliche Blockade verhängt. Die Strafmaßnahmen wurden wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch militante Palästinenser auf Israel im Januar noch einmal verschärft.

Das israelische Verteidigungsministerium wies die Kritik zurück und machte die Hamas für die Lage verantwortlich. Diese nutze die Öffnung von Grenzübergänge, über die humanitäre Hilfsgüter in den Gaza-Streifen gebracht würden, für terroristische Zwecke aus, heißt es weiter. Außerdem habe Hamas Medikamente aus internationalen Hilfsleistungen beschlagnahmt und an eigene Organisationen im Gaza-Streifen weitergereicht.

An der Grenze zum Gaza-Streifen haben palästinensische Extremisten heute nach eigenen Angaben ein israelisches Armeefahrzeug in die Luft gesprengt. Zu dem Angriff bekannte sich die Gruppe Islamischer Dschihad. Ein Augenzeuge berichtete, das Fahrzeug sei durch die Detonation am Grenzpunkt Kissufim offenbar zerstört worden. Rettungskräfte eilten zur Stelle. Eine Sprecherin des israelischen Militärs gab zunächst keine Details zu dem Vorfall bekannt.

Die israelischen Streitkräfte hatten bei ihrer Offensive im Gaza-Streifen zuletzt mehr als 125 Palästinenser getötet, darunter viele Zivilisten.

als/AFP/Reuters/AP/dpa

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