Verstaatlichung in Venezuela Chávez schickt Militär auf Reisfelder

Venezuelas Präsident Hugo Chávez bangt um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deswegen besetzt das Militär nun die Reisindustrie des Landes. Eine dauerhafte Verstaatlichung schließt Chávez nicht aus.


Caracas - Hugo Chávez greift nach den Reisproduzenten Venezuelas: Zur Vermeidung von Engpässen in der Lebensmittelversorgung hat der Präsident die vorübergehende Besetzung aller landwirtschaftlichen Reisbetriebe angeordnet.

Präsident Chávez: Attacke auf die Reisindustrie
AP

Präsident Chávez: Attacke auf die Reisindustrie

Es müsse sichergestellt werden, dass die maximale Menge Reis auf den Markt komme, sagte Chávez am Samstag in Caracas. Er warf den Betrieben vor, ihre Produktion zurückzufahren, weil sie angesichts der staatlichen Preiskontrollen um ihre Profite fürchteten.

Wie lange Truppen der Nationalen Garde die Reisplantagen besetzt halten würden, wurde nicht mitgeteilt. Chávez hat bereits 2003 Preisobergrenzen für Grundnahrungsmittel eingeführt, um der steigenden Inflation zu begegnen, die zurzeit mit 31 Prozent die höchste in Lateinamerika ist. Viele Lebensmittelproduzenten werden von der Regierung beschuldigt, ihre Produkte teurer auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen oder zurückzuhalten, bis die staatlichen Preisvorgaben angehoben werden.

Chávez warnte die Reisbetriebe am Samstag, sie könnten permanent verstaatlicht werden, sollten sie ihre Produktion mutwillig drosseln. Die Regierung werde auf jeden Fall eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Attacke auf die USA

Gleichzeitig erneuerte Chávez seine Kritik am Erzrivalen USA: Dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama warf er am Samstag vor, die Politik seines Vorgängers George W. Bush fortzusetzen. Er reagierte damit vor seinen Anhängern in Caracas auf Mitteilungen der US-Regierung, in denen die Unterstützung Venezuelas im Kampf gegen den Drogenhandel in Frage gestellt wurde.

Die USA seien das Land, in dem die meisten Drogen konsumiert würden, sagte Chávez. Er forderte Obama auf, sich nicht mit Venezuela einzulassen. "Täuschen Sie sich nicht und setzen Sie nicht den bornierten und dummen Weg der Regierung der Vereinigten Staaten fort", warnte er.

suc/AP/dpa



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