Vertuschungsvorwürfe Cheneys Mitarbeiter sollen Klimabericht geschönt haben

Schwere Vorwürfe gegen Dick Cheney: Das Büro des US-Vizepräsidenten hat nach Angaben eines Ex-Mitarbeiters der Umweltbehörde sechs Seiten aus einem Kongressbericht tilgen lassen. Darin geht es um Folgen des Klimawandels für das US-Gesundheitssystem - Ziel: härtere Gesetze verhindern.


Washington - War es nur ein Zufall - oder steckte Absicht dahinter? Das Büro von US-Vizepräsident Dick Cheney hat nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters der Umweltbehörde (EPA) einen Klimabericht beschönigen lassen. Cheneys Mitarbeiter hätten sich für die Streichung von insgesamt sechs Seiten an Zeugenaussagen im Kongress zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels eingesetzt, teilte Jason Burnett am Dienstag mit. Er war im Juni von seinem Posten als Berater von EPA-Leiter Stephen Johnson zurückgetreten.

US-Vizepräsident Cheney: Mysteriöse Anrufe aus dem Büro?
AFP

US-Vizepräsident Cheney: Mysteriöse Anrufe aus dem Büro?

Cheneys Büro habe befürchtet, dass es andernfalls schwieriger werden würde, gesetzliche Verpflichtungen zum Treibhausgas-Ausstoß zu umgehen, schrieb Burnett dem Umweltausschuss des Senats. Der Brief liegt der Nachrichtenagentur AP vor. Ein Mitarbeiter von Cheneys Büro habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass in dem Bericht "Formulierungen geändert" werden müssten. Der Bericht hatte ursprünglich 14 Seiten umfasst und war dann auf 8 gekürzt worden.

Auf den fehlenden Seiten war eine Expertin der US-Gesundheitsbehörde CDC zu Wort gekommen, die weitreichende Folgen des Klimawandels für das Gesundheitssystem des Landes befürchtet. Als Belastung nennen Wissenschaftler die Ausbreitung von Krankheiten und das zunehmende Verletzungsrisiko durch Naturkatastrophen.

Auswirkungen des Klimawandels heruntergespielt?

Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, die entsprechenden Inhalte seien im vergangenen Oktober wegen Bedenken gestrichen worden, denen zufolge die wissenschaftlichen Angaben möglicherweise nicht korrekt seien.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Senat, Barbara Boxer, sagte an diesem Dienstag, die Streichung sei nicht zufällig erfolgt. Vielmehr sei sie Teil umfassender Bemühungen, die Folgen der Klimaerwärmung herunterzuspielen.

Burnett hatte im Juni wegen Differenzen zur Haltung der EPA in der Klimaschutz-Debatte gekündigt.

Cheneys Presseabteilung wies die Vorwürfe umgehend zurück. Einen weiteren Kommentar wollte Cheneys Sprecherin aber nicht abgeben.

ffr/AP

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.