Plagiatsaffäre in Ungarn : Orbán verteidigt seinen angeschlagenen Präsidenten

Ungarns Premier Victor Orbán springt seinem umstrittenen Präsidenten öffentlich bei. Pal Schmitt hatte seinen Doktortitel verloren, weil er in seiner Dissertation massiv abgeschrieben hatte - und ist sich keiner Schuld bewusst. Von Rücktritt will Orbán nichts wissen.

Ungarns Ministerpräsident Orbán: Schmitt darf "für seine Wahrheit kämpfen"Zur Großansicht
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Ungarns Ministerpräsident Orbán: Schmitt darf "für seine Wahrheit kämpfen"

Budapest - Dissertation abgeschrieben, Doktortitel futsch: Der ungarische Staatspräsident Pal Schmitt ist nach seiner Plagiatsaffäre immer weiter in Bedrängnis geraten. Jetzt bekommt er doch noch Rückendeckung vom Ministerpräsidenten: "Wenn er sich entschieden hat, für seine Wahrheit zu kämpfen, dann kann ihm niemand das Recht dazu nehmen", erklärte Victor Orbán auf einer Sondersitzung der Parlamentsfraktion der rechts-konservativen Regierungspartei Fidesz (Bund Junger Demokraten).

Die Budapester Semmelweis-Universität hatte Schmitt am vergangenen Donnerstag wegen Plagiats den Doktortitel aberkannt. Demnach hat er 197 von 215 Seiten seiner Dissertation bei anderen Autoren abgeschrieben. Die Arbeit entspreche nicht den wissenschaftlichen und ethischen Kriterien, hieß es in der Begründung. Wissenschaftler und Medien forderten daraufhin den Rücktritt des Staatsoberhauptes.

Auch innerhalb der Partei war zuletzt erheblicher Widerstand gegen den Verbleib Schmitts im Amt aufgekommen. Orbán hielt sich dagegen zunächst bedeckt -obwohl das Schicksal des überführten Plagiators Beobachtern zufolge in seinen Händen liegt. Ob die Rücktrittsforderungen nun verstummen, bleibt aber abzuwarten. Der Regierungschef hatte Schmitt, der schon während der Zeit des Kommunismus hoher Sportfunktionär war, im Sommer 2010 gegen Widerstände in Teilen der Fidesz für das Staatspräsidentenamt vorgeschlagen.

Schmitt erklärte in einem Fernsehinterview, zwischen seiner Doktorarbeit, die er "nach bestem Wissen und Gewissen" angefertigt habe, und seiner 18 Jahre später erfolgten Wahl zum Staatspräsidenten bestehe "kein Zusammenhang".

Der Rektor der Semmelweis-Universität, Tivadar Tulassay, hat inzwischen Konsequenzen aus der Affäre gezogen und seinen Rücktritt eingereicht. Seit der Senatsentscheidung, Schmitt den Doktortitel zu entziehen, sei das Vertrauen des zuständigen Ministeriums in seine Person "spürbar geschwunden", begründete er den Schritt.

vks/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
rajgy 06.04.2012
Es ist interessant zu wissen, dass die monatelangen Untersuchungen in ungarischer, deutscher, französischer und englischer Sprache die Zeitung HVG (75% Westdeutscher Allgemeine Beteiligung) finanziert hatte. Die Zeitung HVG [...]
Es ist interessant zu wissen, dass die monatelangen Untersuchungen in ungarischer, deutscher, französischer und englischer Sprache die Zeitung HVG (75% Westdeutscher Allgemeine Beteiligung) finanziert hatte. Die Zeitung HVG unterstützt die sozialischtische Opposition in Ungarn. Das sind die modernen Scharfschützen. Der fünf Sprachen sprechende Herr Schmitt hatte eine Schwäche für diesen Titel. Damit hat er Ungarn freilich nicht ausgeraubt. Viele ungarischer und westlicher Unternehmer, die nach der Privatisierung durch Korruption Ungarn praktisch ausgeraubt haben, laufen aber immernoch frei herum. Nach diesen Leuten fahndet die Zeitung HVG nicht. Wenn die Sozialisten jetzt den Staatpräsident nicht stellen dürfen, werden sie sicherlich, wie gewohnt, behaupten, Ungarn wäre einer Diktatur.
syracrusa 13.04.2012
Es war ja klar, dass Plagiat-Pal weg musste, die Sache war sicher mehr als peinlich, da sie sogar in den eigenen Reihen zu krassen Meinungsverschiedenheiten führte, aber auch ohne die Plagiatsaffäre kann man getrost (leider) [...]
Es war ja klar, dass Plagiat-Pal weg musste, die Sache war sicher mehr als peinlich, da sie sogar in den eigenen Reihen zu krassen Meinungsverschiedenheiten führte, aber auch ohne die Plagiatsaffäre kann man getrost (leider) feststellen, dass sich Ungarn auf dem Wege zu einer Diktatur befindet. Das Land wird von Nationalkonservativen mit einer Zweidrittelmehrheit regiert oder anders ausgedrückt entdemokratisiert. Erschreckend, dass ein Land, noch dazu Mitglied der Eu, in so kurzer Zeit vollkommen umgekrempelt wurde. Bürgerrechte und Pressefreiheit eingeschränkt, die Gewaltenteilung ist nicht mehr gesichert. Das Land sthet kurz vor der Staatspleite, allen geht es saudreckig, nur der Elite nicht, die sich immer mehr bereichert. Das einzige Druckmittel gegen Viktators nationale Revolution scheint nur noch das Geld von EU und IWF zu sein. Man kann nur hoffen, dass die totale Diktatur noch zu verhindern ist.
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  • Montag, 02.04.2012 – 13:03 Uhr
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Fläche: 93.027 km²

Bevölkerung: 9,982 Mio.

Hauptstadt: Budapest

Staatsoberhaupt:
János Áder

Regierungschef: Viktor Orbán

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