Washington - Gerade hatte Mitt Romney versucht, seine heiklen Äußerungen über die Wählerschaft seines Konkurrenten Barack Obama zu entschärfen, da beschert ihm eine weitere Passage aus derselben Rede gleich den zweiten Skandal. Denn der heimliche Mitschnitt der Ansprache des republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf einer privaten Spendenveranstaltung in Florida birgt auch außenpolitischen Sprengstoff.
Romney spricht darin unter anderem über den Nahost-Konflikt und sagt, die Palästinenser hätten sich "der Zerstörung und Beseitigung Israels verschrieben" und keinerlei Interesse an einem Frieden mit Israel. Vor diesem Hintergrund sei er auch nicht dafür, dass Israel sich den Palästinensern beuge. "Die Idee, Israel dazu zu drängen, etwas aufzugeben, um die Palästinenser zum Handeln zu bringen, ist die schlechteste Idee auf der Welt."
Außerdem werde Iran versuchen, Raketen in ein eigenständiges Westjordanland zu bringen, um Israel zu bedrohen, sagt Romney in dem verdeckt mitgeschnittenen Video, das am Dienstag auf der Website des US-Magazins "Mother Jones" veröffentlicht wurde.
Präsidenten-Enkel hilft beim Leaken des Romney-Videos
Ein erster Ausschnitt des Videos, den "Mother Jones" veröffentlichte, sorgte für Wirbel, weil sich Romney abfällig über Anhänger Obamas äußert. Der Multimillionär charakterisierte jene 47 Prozent der Wähler, die Anhänger Obamas seien, als Abzocker, die glaubten, sie seien Opfer und die Regierung müsse für sie sorgen. Das seien auch die Leute, "die keine Einkommensteuern zahlten". Der Spitzenkandidat fügt dann hinzu: "Mein Job ist, mir kein Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen."
Der Autor des "Mother Jones"-Artikels, David Corn, erklärte, der Videomitschnitt sei am 17. Mai in Florida entstanden - bei einem Treffen, das jeden Spender 50.000 Dollar kostete.
Als Assistenten seiner Geschichte gibt Corn den Autoren James Carter IV. an - den Enkel des demokratischen Präsidenten Jimmy Carter (1976-1980). Dieser brachte Autor Corn offenbar mit dem anonymen Aufzeichner des Videos zusammen.
Romney: "Habe mich nicht elegant ausgedrückt"
Es ist der jüngste Romney-Flop in einer Serie von Schnitzern, die den Herausforderer im Kampf um das Weiße Haus in den vergangenen Wochen zurückgeworfen haben.
Zerknirscht räumte Romney noch am Montagabend ein, dass er sich "nicht elegant" ausgedrückt habe. Er habe "aus dem Stegreif" auf eine Frage geantwortet, erklärte er. Nun hat Romney mit der abfälligen Äußerung über Palästinenser eine neue Passage zu erklären.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass Romney mit abfälligen Kommentaren gegenüber den Palästinensern auffällt. Auf seiner Israel-Reise im Juli hatte Romney bereits gesagt, Israel niemals kritisieren zu wollen und immer an dessen Seite zu stehen. Und er soll, wiederum bei Essen mit Geldgebern, die wirtschaftliche Überlegenheit Israels gegenüber den Palästinensergebieten auf einen "kulturellen Unterschied" zurückgeführt haben. "Kultur ist entscheidend", zitierte ihn die "New York Times" - was Vertreter der Palästinenser als rassistische Bemerkung brandmarkten.
fab/dpa/dapd
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