Videobotschaft aus Homs: Hilferuf verwundeter Journalistin

Mehrere verletzte Journalisten harren weiter in der syrischen Stadt Homs aus. Eine französische Reporterin, die lebensgefährlich verletzt ist, bittet in einer Videobotschaft darum, aus der Stadt gebracht zu werden - Homs steht weiter unter Dauerbeschuss der Regierungstruppen.

Hamburg - Edith Bouvier wirkt gefasst. Sie liegt unter eine Decke, ihr Kopf ruht auf einem Kissen. Sie sagt in die Kamera, dass ihr Bein gebrochen sei und dass sie dringend operiert werden müsse.

In einer Videobotschaft, sechseinhalb Minuten lang, hat sich die französische Reporterin am Donnerstag aus der syrischen Stadt Homs gemeldet. Man behandele sie gut, sagt Bouvier in dem Film, aber es fehle die nötige medizinische Ausrüstung für eine Operation.

Deshalb bittet die Reporterin der Tageszeitung "Le Figaro", möglichst schnell aus der belagerten Stadt Homs herausgebracht zu werden. In dem von der Opposition auf Youtube veröffentlichten Video fordert sie einen Waffenstillstand und einen Krankenwagen, um in den Libanon gebracht werden zu können.

Die Stadt ist von Regierungstruppen umstellt und steht unter seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss.

Während Bouvier spricht, sind im Hintergrund Schüsse zu hören. Sie wurde bei demselben Angriff verletzt, bei dem zwei ihrer Kollegen am Mittwoch starben, der französische Fotograf Rémi Ochlik und die US-Journalistin Marie Colvin. Die beiden wurden nach Angaben von Oppositionsaktivisten von einer Granate getroffen, die von der syrischen Armee abgefeuert wurde.

Bouvier zog sich bei den Angriffen einen schweren Splitterbruch im linken Bein zu, ihr Oberschenkel sei der Länge nach gebrochen und auch quer. In dem Video Bouviers ist auch ihr Kollege, der französische Fotograf William Daniels, zu sehen. Er habe Glück gehabt, sagt er, ihm fehle nichts.

Sarkozy spricht von Mord

In einem weiteren Video meldet sich ein anderer verletzter Journalist zu Wort. Der britische Fotograf Paul Conroy, der wie die getötete Colvin für die britische "Sunday Times" berichtete, erzählt, dass er gut versorgt werde von der Medizinern, die der Freie Syrischen Armee, Deserteuren aus der regulären Armee, angehören. Er hat drei große Wunden im Bein.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy prangerte die Tötung der beiden Kollegen Bouviers als Mord an. Sarkozy sagte am Donnerstag im nordfranzösischen Tourcoing, die Verantwortlichen müssten Rechenschaft ablegen. Aufgrund der Globalisierung könne nicht mehr "im absoluten Schweigen gemordet" werden.

Seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad vor knapp einem Jahr sind Menschenrechtlern zufolge bereits mehr als 7600 Menschen getötet worden. Ein am Donnerstag veröffentlichter Uno-Report bestätigte Berichte über die Gräueltaten auf Anordnung der politischen und militärischen Führung. Die Streitkräfte würden auf Befehl Kinder und unbewaffnete Demonstranten erschießen, verwundete Gefangene in Krankenhäusern foltern und wahllos Wohngebiete mit Panzern und Maschinengewehren angreifen, heißt es in dem Report.

fab/AFP/Reuters

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1. Es wird immer schlimmer
GotMe 23.02.2012
Was dort passiert, ist einfach grauenvoll und auch wenn ich gegen militärische Interventionen bin, muss jemand in Syrien einschreiten. Es kann so nicht weitergehen. Ich habe mit Syrern gesprochen, die Familie in Homs haben und was das Assad Regime dort anstellt, kann mit nichts entschuldigt werden. Assad muss für seine Verbrechen bezahlen.
2. <->
silenced 23.02.2012
Zitat von GotMeWas dort passiert, ist einfach grauenvoll und auch wenn ich gegen militärische Interventionen bin, muss jemand in Syrien einschreiten.
Warum? Bzw., die bessere Frage wäre: Gegen wen soll man einschreiten? Ich bin einverstanden, daß man militärisch eingreift um die Rebellen zu entwaffnen und den Frieden wieder herzustellen. Aber nicht, um die dortigen Machthaber zu stürzen. Das ist nämlich einfach Grundfalsch. Man sieht ja in Libyen was passiert ist. Nur so, als kleiner dezenter Hinweis.
3. x
ralf_gabriel 23.02.2012
Zitat von GotMeWas dort passiert, ist einfach grauenvoll und auch wenn ich gegen militärische Interventionen bin, muss jemand in Syrien einschreiten. Es kann so nicht weitergehen. Ich habe mit Syrern gesprochen, die Familie in Homs haben und was das Assad Regime dort anstellt, kann mit nichts entschuldigt werden. Assad muss für seine Verbrechen bezahlen.
Wie wäre es, wenn der Westen in dem jetzt der Blätterwald für ein Eingreifen trommelt, erstmal seine eigene Sche....e in den Griff bekommt, die er mit Interventionen in Afghanistan, Irak und Libyen angerichtet hat. Auch dort leiden und sterben Menschen an Dingen, die peinlich bis grotesk sind, nach 10 Jahren (Im Falle Afghanistans und Iraks) "verantwortungsvollem Einschreitens". Libyen entwickelt sich ähnlich. Man kann zweifelsohne Mitleid und Gefühle für die Menschen in Syrien haben, die in einem schrecklichen Bürgerkrieg gefanen sind. Aber darüber sollte man nicht vergessen, daß dieser mit Waffen und Unterstützung der Westlichen Welt mit angezettelt wurde. Weiterhin ist mior schleierhaft wie man im Angesicht des MASSIVEN Versagens der westlichen Interventionen in den oben genannten Ländern auch nur ansatzweise fordern kann, dort auch einzugreifen. Der Westen hat sich (verdeckt) bereits eingemischt. Das ist schlimm genur und hat (meiner Meinung nach) zur derzeitigen Eskalation beigetragen. Die Toten und die Kämpfe wären ohne westliche Unterstützung in diesem Ausmaß nicht möglich. Die Frage ist, ob man mit dem Anfachen dieser Kämpfe und der vorsätzlichen Erzeugung dieses Bürgerkrieges und des damit verbundenen Leides nicht besser die Fresse halten sollte, wenn es um "Humanität" geht. Das Gleiche gilt übrigens für Libyen. Die großkotzigen Reden über Menschenrechte und Schutz von Zivilisten seitens unserer Politiker ekeln mich an, wenn ich daran denke, daß sie mit Waffenlieferungen und dem anstacheln solcher Konflikte erst die Voraussetzungen für das Leid geschaffen haben, daß sie nun zu bekämpfen wünschen.
4. Es scheint
henniman 23.02.2012
als machte Assad jetzt kurzen Prozess mit Al Quaida. Offenbar geht der Aufstand der Islamisten seinem Ende entgegen. Aus Irak sollen soviele Gotteskrieger angereist sein, dass man sich dort ungekannter Ruhe erfreut. Unzählige Katarer, Ägypter, Libyer sind dort und wurden von der syrischen Armee geschnappt. Sogar ein ganzes französisches Bataillon an Spezialkräften hat man hopps genommen, mehrere dutzend Europäer. Juppe hat schon mit Lawrow verhandekt, um sie diskret freizubekommen. Russland und China haben sich durchgesetzt, der Westen ist im Eimer. Alles bricht zusammen. Bald Gauck Präsident hier, Ron Paul in den USA. Wer noch mit dem alten System im Westen liebäugelt, sei gewarnt. Jetzt räumen wir auf.
5. Libyen
Dunewalker 23.02.2012
Zitat von silencedWarum? Bzw., die bessere Frage wäre: Gegen wen soll man einschreiten? Ich bin einverstanden, daß man militärisch eingreift um die Rebellen zu entwaffnen und den Frieden wieder herzustellen. Aber nicht, um die dortigen Machthaber zu stürzen. Das ist nämlich einfach Grundfalsch. Man sieht ja in Libyen was passiert ist. Nur so, als kleiner dezenter Hinweis.
In Libyen Herrschaft Chaos,ja. Aber im Vergleich zu Syrien ist das harmlos.
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