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Videobotschaft: Tschetschenischer Rebellenchef bekennt sich zu Anschlägen in Moskau

Bislang gab es nur Vermutungen, jetzt hat sich der tschetschenische Extremistenführer Doku Umarow zu dem Doppelanschlag in Moskau bekannt. Die Attacken mit 39 Toten seien Racheakte gewesen, sagt er in einer Videobotschaft - und kündigt weitere Anschläge an.

U-Bahn-Anschläge: Trauer in Moskau Fotos
AFP

Moskau - Zwei Tage nach dem Doppelanschlag in der Moskauer U-Bahn hat sich der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow zu der Bluttat bekannt. Das meldete das auf die Beobachtung islamistischer Web-Seiten spezialisierte US-Unternehmen Site am Mittwochabend. Die tschetschenische Website kavkazcenter.com veröffentlichte eine entsprechende Meldung, auf YouTube findet sich ein Video mit dem Bekenntnis Umarows. Ob Umarow tatsächlich der Drahtzieher der Anschläge mit 39 Toten und zahlreichen Verletzten ist, ist damit nicht erwiesen - doch unwahrscheinlich ist es nicht. Der russische Geheimdienst erklärte bereits kurz nach dem Anschlag, die Spur der Täter führe in den Nordkaukasus.

Die beiden Selbstmordanschläge seien Racheakte für die Tötung von Zivilisten in Tschetschenien und Inguschien durch russische Sicherheitskräfte im Februar und "Spezialoperationen zur Vernichtung von Ungläubigen" gewesen, sagt der Rebellenführer in dem Video. Sie seien auf seinen Befehl hin ausgeführt worden. Die Attacke in der Metro-Station Lubjanka in unmittelbarer Nähe des Hauptquartiers des russischen Geheimdienstes, sei ein "Gruß an den FSB".

Vorwürfe, er sei ein Terrorist, lasse er nicht gelten, weil "Putin ja auch nicht des Terrorismus und des Mordes an unschuldigen Menschen beschuldigt" werde. Zudem kündigt der Rebellenchef weitere Angriffe an: "Ich garantiere den Russen, dass dies nicht die letzte Operation gewesen sein wird", sagt er in dem Video. "Sie werden fortgeführt (...) auf ihrem Territorium. Ich verspreche euch, der Krieg wird auf eure Straßen kommen, ihr werdet ihn am eigenen Leib erfahren."

"Krieg in die russischen Städte tragen"

Das Video ist offenbar authentisch. Allerdings hatte ein anderer Sprecher der Rebellen auf der Website kavkazcenter.com wenige Stunden zuvor noch jede Verstrickung in die Anschläge abgestritten. Umarow hatte zudem im vergangenen Jahr die Verantwortung für ein schweres Unglück an einem russischen Staudamm übernommen, das sich jedoch nicht als Anschlag entpuppte. Damals kamen 75 Menschen ums Leben.

Doch ähnlich wie jetzt intonierte der Rebellenführer bereits zuvor seine Drohungen gegen Russland: Im Februar warnte er, die Zone "militärischer Operationen" werde "auf das Gebiet Russlands" ausgeweitet. Mitte März kündigte er an, seine Leute würden bald auch die Region Krasnodar, Astrachan sowie die Wolgagebiete "befreien", die sich unter der Knute der russischen Ungläubigen befänden. Die Landstriche werden mehrheitlich von Russen bewohnt.

Im Oktober 2007 hatte Umarow in der Konfliktregion im Südwesten Russlands das "Kaukasus-Emirat" ausgerufen und sich selbst zu dessen Emir ernannt. Die Gruppe wird für zahlreiche Anschläge im ganzen Land verantwortlich gemacht und bekannte sich unter anderem zu dem Anschlag auf den "Newski-Express" Ende November. Der Schnellzug war auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg durch eine Explosion entgleist, 28 Menschen kamen ums Leben.

Bei einem Doppelanschlag in der Stadt Kisljar in der Kaukasusrepublik Dagestan kamen am Mittwoch zwölf Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Polizisten. Der erste Attentäter sprengte sich nach Behördenangaben mit seinem Auto vor einem Gebäude des Innenministeriums in die Luft. Zwanzig Minuten später zündete ein als Polizist verkleideter Selbstmordattentäter an derselben Stelle einen weiteren Sprengsatz, als sich Ermittler am Anschlagsort versammelten.

beb/hen/har/Reuters/AFP/apn

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. /
Moxxo 31.03.2010
Welch ungemein differenzierter und intelligenter Beitrag, Foxtrott... Abgesehen davon stimme ich zu, die Verschwörungsjünger sind eine Plage. "Ich brauche mich nicht über einen Sachverhalt zu informieren oder nachzudenken, dazu hab' ich Google" scheint die Maxime der selbsternannten Truther zu sein. Keine Ahnung, aber immer eine Meinung. PS: Erderwärmung kann's nicht geben, hier hat es gerade geregnet ;-)
2. @Foxtrott
Steff-for 31.03.2010
Cool, deine Erkenntnis über das Weltgeschehen! Hut ab! Weißt was: Flieg nach Moskau, stell dich in die Metro und erzähl das den Leuten dort. Sie werden dir sicher zuhören - Englisch reicht da, damit du paar Zuhörer gewinnst. Ich war schon in Moskau - war ne super Zeit mit den Leuten dort. Aber ich wette, du stehst dort nicht lange! Solch einen flachen Müll lassen die sich nicht gefallen und hauen dir recht ungehalten auf deinen Mund. Dann kannst überlegen im Hospital, ob die Atentatsopfer dort real waren oder nicht. Also hier hast dich eindeutig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Sicher, du magst ansatzweise schon recht haben in der Annahme, dass nicht alles, was wir so präsentiert bekommen war ist. Da würde dir jeder zustimmen. Aber die radikal Islamischen Auswüchse als Verschwörung abzutun ist an Blindheit nicht zu übertreffen. Steff
3. !
grummeln, 31.03.2010
Klasse Meldung, danke. Schade nur, dass man manchem Foristen gaanz deutlich erklären muß, dass es sich hierbei im Sarkasmus handelt. Kaum zu glauben, Steff....
4. Keine Perspektive im Diesseits
odaiko, 31.03.2010
Wer behauptet denn, dass niemand Putin einen Terroristen nennt? Dass dem FSB von nicht wenigen Russen solche Dinge gleich erstmal zugetraut werden, spricht Bände. Aber es gibt einfach keine Rechtfertigung der Welt für solche Taten, gleich von welcher Seite sie begangen werden. Das Kalkül, die Öffentlichkeit zu beeindrucken geht wohl auf, die Vorstellung sich als Emir auszurufen und damit jemals durchzukommen ist dagegen blanker Wahn. Welche positive Vorstellung von der Zukunft haben Islamisten? Allenfalls das Jenseits ... Science flies you to the moon, religion flies you into buildings.
5. umarow ade
join3 31.03.2010
Zitat von sysopBislang gab es nur Vermutungen - jetzt hat sich der tschetschenische Extremistenführer Doku Umarow zum Doppelanschlag in Moskau bekannt. Die Attacken seien Racheakte gewesen, sagt er in einer Videobotschaft - und kündigt weitere Anschläge an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,686803,00.html
keine bange -wir können davon ausgehen, dass wir umarow demnächst als leiche auf den schirmen zu sehen bekommen.
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Anschläge in Russland
2010: Terror in der U-Bahn
29. März 2010: In den Moskauer U-Bahn-Stationen Park Kultury und Lubjanka explodieren am Morgen zwei Sprengsaätze - russischen Ermittlern zufolge haben sich zwei junge Selbstmordattentäterinnen aus der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft gejagt. Mindestens 38 Menschen sterben bei den Anschlägen. Zu den Anschlägen bekannte sich eine Rebellengruppe aus dem Nordkaukasus, das sogenannte Kaukasus-Emirat von Doku Umarow.

31. März 2010: Bei einem Doppelanschlag in Kisljar in Dagestan werden zwölf Menschen getötet. Unter den Toten befinden sich zahlreiche Milizionäre, auch der örtliche Polizeichef kam ums Leben.
2009: "Sabotagekrieg" im Schnellzug
27. November 2009: Bei einem Anschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg sterben 26 Menschen. Etwa 100 weitere werden verletzt. Tage später bekennen sich islamistische Extremisten zu der Tat und kündigen einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.

17. August 2009: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in der Stadt Nasran in der russischen Teilrepublik Inguschetien mit 200 Kilogramm Sprengstoff in seinem Kleintransporter in die Luft. Mindestens 25 Menschen sterben, mehr als 200 werden verletzt.
2006: Terror auf dem Marktplatz
21. August 2006: Auf einem Moskauer Markt explodiert eine mit Metallsplittern präparierte Bombe. Zehn Menschen kommen ums Leben, mehr als 50 weitere werden verletzt.
2005: Blutiges Gefecht in Naltschik
13. Oktober 2005: Islamistische Rebellen überfallen die südrussische Stadt Naltschik. In nachfolgenden Gefechten sterben mindestens 137 Menschen, darunter 92 Rebellen, 33 Sicherheitsleute und zwölf Zivilisten.

19. Juli 2005: Bei einem Bombenanschlag auf Milizionäre in Snamenskoje nordwestlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny kommen mindestens 14 Menschen ums Leben, 34 werden verletzt.

12. Juni 2005: In der Nähe von Moskau detoniert auf einem Gleisbett ein ferngezündeter Sprengsatz. Mehrere Waggons eines aus Tschetschenien kommenden Eisenbahnzuges entgleisen. 42 Menschen werden verletzt.
2004: Als der Schrecken nach Beslan kam
1. September 2004: 32 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen mehr als 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. 331 Opfer und 31 Terroristen sterben.

6. Februar 2004: Eine Bombe in der Moskauer U-Bahn tötet etwa 40 Fahrgäste. Die Polizei spricht von einem Selbstmordattentäter tschetschenischer Herkunft.

24. August 2004: Sprengsätze bringen nahezu zeitgleich zwei russische Verkehrsflugzeuge im Westen Russlands zum Absturz. 90 Menschen sterben.
2002: Geiselnahme im Musicaltheater
27. Dezember 2002: Ein Selbstmordattentäter bringt einen Lastwagen voller Sprengstoff am Gebäude der moskautreuen Regierung in Grosny zur Explosion. Mehr als 60 Tote.

23. Oktober 2002: 41 Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln sowie alle Terroristen sterben.
Die Metro in Moskau gilt als die schönste der Welt und ist das wichtigste Verkehrsmittel in der größten Stadt Europas. Täglich nutzen etwa neun Millionen Fahrgäste das rund 300 Kilometer lange Schienennetz der U-Bahn. Zu den Stoßzeiten drängen sich die Menschen in den meist veralteten Waggons der zwölf Linien.

Die 180 Stationen sind häufig prunkvoll mit Lüstern, Reliefs und Statuen verziert und mit Marmor verkleidet. Viele Touristen kaufen sich eigens eine Fahrkarte zum Preis von 26 Rubel (ca. 66 Cent), um die in Reiseführern beschriebenen "unterirdischen Paläste" zu bestaunen. Die 1935 eröffnete Metro war ein Prestigeprojekt von Sowjetdiktator Josef Stalin.

Fotostrecke
Moskauer Metro: Stalins unterirdische Paläste

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