Machtkampf in Ägypten: Viele Tote nach Mursis Trotzrede

REUTERS

Der Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu: Präsident Mursi sagte in der Nacht, er werde nicht zurücktreten, auch wenn es ihn das Leben koste. Auch die Armeeführung gelobte den Kampf bis zum Äußersten. In der Nacht starben mindestens 22 Menschen, allein 16 an der Universität von Kairo.

Kairo - Die Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi fordern immer mehr Menschenleben. Der Nachrichtensender al-Dschasira berichtete am frühen Mittwochmorgen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Kairo von 22 Toten. Hunderte seien verletzt worden.

Wie die Zeitung "al-Ahram" online schrieb, kamen in der Nähe der Universität von Kairo mindestens 16 Menschen ums Leben. 200 Menschen seien verletzt worden. Laut Gesundheitsministerium griffen Unbekannte eine Kundgebung von Mursi-Anhängern an.

In Giza habe es fünf Tote gegeben. Die großen Demonstrationen der Anhänger Mursis in Nasr City und seiner Gegner auf den Tahrir-Platz in Kairo blieben weitgehend friedlich, hieß es. Eine ägyptische Nichtregierungsorganisation, die sich gegen sexuelle Belästigung engagiert, meldete, dass sie während der Proteste zahlreiche Berichte von Übergriffen auf Frauen erhalten habe. In den vergangenen drei Tagen seien vom Tahrir-Platz 99 Übergriffe und Belästigungsfälle gemeldet worden - vier der Frauen hätten ärtzliche Hilfe benötigt.

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Proteste in Ägypten: Auf die Straße mit Laser und Gewehr

In einer vom Fernsehen übertragenen Rede in der Nacht zum Mittwoch hatte sich Mursi unbeeindruckt vom Ultimatum des Militärs gezeigt. Er lehnte den von der Opposition geforderten Rücktritt ab und verlangte vom Militär die Rücknahme des Ultimatums.

Mursi: "Ich repräsentiere alle Ägypter"

Mursi sagte, er werde unter Einsatz seines Lebens "weiterhin die Verantwortung" für das Land übernehmen. "Das Volk hat mich in freien und gleichen Wahlen gewählt", sagte Mursi im Staatsfernsehen. "Ich bin der Präsident Ägyptens, der alle Ägypter repräsentiert", rief Mursi. Mursi betonte, er werde nicht zurücktreten, selbst wenn ihn dies das Leben koste. Das Militär forderte er auf, wieder zu seinem normalen Dienst zurückzukehren.

Der Staatschef machte "Überbleibsel des alten Regimes" von Langzeitherrscher Husni Mubarak für die Missstände im Land verantwortlich. Diese würden den Zorn der ägyptischen Jugend für ihre Ziele missbrauchen. "Diese alte kriminelle Gruppe will keine Demokratie", warnte Mursi. Sie wolle nur "Chaos und Gewalt säen".

Zuvor hatte Mursi die Armeeführung aufgefordert, ihr Ultimatum gegen ihn zurückzunehmen. Das Oberkommando der Streitkräfte zeigte sich unbeeindruckt und erklärte am frühen Mittwochmorgen in einem Statement auf Facebook, die Soldaten seien ebenfalls bereit, für das ägyptische Volk zu sterben.

Die Armeeführung hatte Mursi und seinen Gegnern bis Mittwochnachmittag Zeit gegeben, einen Kompromiss zu schließen. Ansonsten wolle sie einen eigenen Plan für die Zukunft Ägyptens vorlegen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Die Muslimbrüder, denen auch Mursi bis zu seiner Wahl angehörte, hatten bereits angekündigt, sich gegen eine Entmachtung des Präsidenten zu wehren.

fab/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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1. diese Islamisten sind schon der Burner
kaiserudo 03.07.2013
Zitat von sysopDer Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu: Präsident Mursi sagte in der Nacht, er werde nicht zurücktreten, auch wenn es ihn das Leben koste. Auf die Armeeführung gelobte den Kampf bis zum Äußersten. In der Nacht starben mindestens 22 Menschen, allein 16 an der Universität von Kairo. Viele Tote in Ägypten nach Trotzrede von Präsident Mursi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/viele-tote-in-aegypten-nach-trotzrede-von-praesident-mursi-a-909112.html)
nicht zuruecktreten wollen, bis zum Tode auf dem Posten zu kleben. Echt heroisch. Diese Idioten. Damit verursacht Mursi Tote. Hoffentlich verbringt jemand den Blödmann mit seinen Mittelalter-Ansichten von Religion und Volk schnell nach Den Haag. Da kann er dann in der Zelle von Milosevic gerne zu Allah sprechen. Solche Menschen die meinen im 21. Jahrhundert hier irgendwelche Gottesstaaten errichten zu wollen sind sowas von ueberfluessig. Menschen sterben weil diese Flachmänner und Muttersöhne stur einen auf Diktator und gottgläubig machen. Ab nach Den Haag mit dem Gesöcks und dort den Prozess machen.
2. .
TS_Alien 03.07.2013
Politische Übergangsphasen, in denen ein Volk, inbsesondere der ungebildete Teil, zu viel Macht erhält, führen immer ins Chaos.
3. oh gott
klaus kinski 03.07.2013
das sieht gar nicht gut aus!!!
4. Mursi
Raus_die_Sau 03.07.2013
wird am Ende auch aus einem Erdloch geholt werden! Er weiß es nur noch nicht....
5. Bürgerkrieg !
mastermatter 03.07.2013
Es ist wohl keine Frage mehr ob sich ein Bürgerkrieg in Ägypten noch vermeiden lässt, sondern nur noch wann dieser ausbricht und wie lange dieser dauern wird. Wir jedenfalls haben nach unserem geplanten Türkei Urlaub nun auch Ägypten gestrichen und nun einen Trip nach Kuba gebucht. Sicherer ist das.
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