Vier deutsche Soldaten gefallen Ausbilder auf tödlicher Mission

Einheimische zum Kämpfen ausbilden - das ist die neue Strategie der internationalen Truppen in Afghanistan. Der Tod vier deutscher Soldaten ausgerechnet bei einem solchen Trainingseinsatz zeigt: Die Missionen sind für die Bundeswehr in Wahrheit brandgefährlich.

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Berlin/Kabul/Termez - Als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an diesem Donnerstag im usbekischen Termez landete, erwarteten ihn schlechte Nachrichten. Vier deutsche Soldaten getötet, fünf weitere verletzt, zwei schwer - das ist die Kurzbilanz eines Angriffs, der fast gleichzeitig zu seinem Abflug aus Afghanistan stattgefunden hatte. Deutschland trauert erneut um gefallene Soldaten. Keine zwei Wochen nach den Gefechten vom Karfreitag mit drei deutschen Toten.

Der Angriff an diesem Donnerstag war der bisher folgenschwerste für die Bundeswehr in Nordafghanistan. Gegen 14.30 Uhr lokaler Zeit schlugen Kämpfer in der Region Baghlan zu, rund hundert Kilometer südlich vom Feldlager Kunduz. Ein deutsches Fahrzeug vom Typ "Eagle IV" wurde ersten Ermittlungen zufolge mit einer BM-1-Rakete angegriffen.

Die Deutschen waren mit schwedischen und belgischen Soldaten im Rahmen eines "Operational Mentor and Liaison Team" (OMLT) unterwegs - rund 150 Ausbilder und Schutzkräfte begleiteten etwa tausend afghanische Soldaten der Afghan National Army (ANA). Sie bildeten die lokalen Sicherheitskräfte in Gefechtstaktiken aus, während eines laufenden Einsatzes mit dem Codenamen "Taohid II". Dieser Großeinsatz war nach einer tagelangen Pause am Mittwoch wieder angelaufen.

Was sich dann an diesem Donnerstagnachmittag nahe der "Dutch Bridge" in der Region Baghlan i-Dschahid genau abspielte, ist noch nicht klar. Bundeswehrinsidern zufolge sollten die Taliban durch den Großeinsatz aus dem Gebiet verdrängt werden. Es seien gerade kleinere Kämpfe mit bewaffneten Aufständischen beendet gewesen, als das deutsche Panzerfahrzeug auf einer Straße in Richtung Brücke nachrückte - und attackiert wurde.

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Nach dem tödlichen Angriff ging das Gefecht offenbar noch stundenlang weiter. Das ist aus afghanischen und deutschen Militärquellen zu erfahren. Von afghanischer Seite heißt es auch, die Deutschen seien mit einer versteckten Straßenbombe attackiert worden. Ganz ähnlich stellte ein Taliban-Sprecher den Vorgang dar, der sich kurz nach dem Vorfall telefonisch meldete. Die Bundeswehr teilte dazu mit, alle Details würden noch überprüft. Der Beschuss mit einer Rakete sei aber sehr wahrscheinlich.

Als die Attacke vorüber war, gab es bei der Bundeswehr mehr als eine gute Stunde Verwirrung über die Opfer. Zuerst vermutete man einen weiteren Kameraden im Wrack des "Eagles", der Verdacht stellte sich jedoch als falsch heraus. Unter den Opfern befindet sich ein Truppenarzt. Ob dieser bei dem Angriff oder erst später bei der Bergung der Verletzten fiel, stand am Abend noch nicht fest.

Die Kämpfe nach dem Tod der Deutschen waren offenbar heftig. Angeblich sollen dabei auch drei Afghanen getötet worden sein. Wie die Bundeswehr in die Kämpfe verwickelt war, ist bisher unklar. Die Gefallenen und Verletzten wurden kurz nach der Attacke in US-Hubschraubern zuerst nach Kunduz gebracht. Später wurden die beiden Schwerverletzten und ein weiterer Verletzter ins größere Feldlager nach Masar-i-Scharif geflogen.

"Seite an Seite mit den Afghanen kämpfen"

Wie der Einsatz genau lief, war am Tag des Angriffs nicht zu erfahren. Allerdings ist aus der Bundeswehr zu erfahren, die Mission mit den Afghanen habe schon Anfang April begonnen. Wegen starken Widerstands der Taliban mit teils heftigen Gefechten habe man kürzlich eine Pause eingelegt. Von der Bundeswehr waren mehrere OMLT-Gruppen im Einsatz, die betroffene Einheit war eigens aus dem weit entfernten Camp in Faisabad in die Südprovinz Baghlan verlegt worden.

Die Attacke zeigt, wie gefährlich die Ausbildung der afghanischen Armee ist, die in den vergangenen Monaten von der Bundesregierung zum Hauptziel des Einsatzes erklärt wurde. "Wer dachte, das Training der Afghanen sei ein ungefährlicher Spaziergang hin zum Abzug aus Afghanistan, hat heute die Realität gesehen", sagt ein Bundeswehr-Offizier. "Am Ende heißt ausbilden in Afghanistan, dass wir Seite an Seite mit den Afghanen kämpfen."

Der Tod bei der Ausbildungsmission dürfte in den kommenden Tagen eine Diskussion über die neue Ausrichtung der Bundeswehr in Gang setzten. Minister Guttenberg hatte bisher stets gesagt, die Fokussierung auf das Training bedeute nicht zwangsläufig mehr Gefahr. Für diese Strategie will er die bisherige Eingreiftruppe QRF in Ausbildungsteams umwandeln. Gegen den Plan gab es schon vor dem neuen Vorfall Widerstand - weil die QRF für den Schutz wichtig ist.

Guttenberg reist nach Afghanistan zurück

Der Minister zeigte sich schockiert von dem Angriff auf seine Truppe. Umgehend brach er die Heimreise nach Deutschland ab, ließ die Politikerdelegation und mitgereisten Journalisten in Usbekistan und flog mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr zurück nach Afghanistan. Zuvor hatte er sich auf der deutschen Versorgungsbasis über eine abhörsichere Leitung vom Regionalkommandeur für Nordafghanistan detailliert unterrichten lassen.

Auf Guttenberg, die Bundeswehr und die gesamte Regierung in Berlin kommen harte Wochen zu. Die Attacke so kurz nach dem tödlichen Gefecht am Karfreitag zeigt ohnehin, wie entschlossen und gut ausgerüstet die Feinde der Bundeswehr im Norden Afghanistans sind. Doch nun wird sich die Regierung auch noch unangenehme politische Fragen nach ihrem Konzept für den Einsatz anhören müssen.

Ausbildung der Afghanen - bisher hörte sich das immer nach einer geradezu ideal passenden Aufgabe für die Bundeswehr an. Die vier Gefallenen belegen auf drastische Weise, dass der neue Fokus der Bundeswehr ihren Einsatz gefährlicher denn je macht.

Minister Guttenberg traf noch am Abend im Feldlager in Masar-i-Scharif ein, dort sprach er mit den Verletzten und den leitenden Offizieren. Sein Amt wird mehr und mehr zum täglichen Krisenjob.



Forum - Afghanistan - soll die Bundesrepublik ihren Einsatz beenden?
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blowup 09.04.2010
1. pervers
Wäre mein Sohn in Afghanistan ums Leben gekommen, ich hätte nicht zugelassen, dass seine Leiche für diese verlogene Inszenierung benutzt wird. Dieselben Typen, die aus Machtgeilheit und politischen Kalkül durch Lüge und Zauderei an seinem Tod mit schuld sind, setzen sich hier in Szene. Pfui. Das haben die Soldaten, die aus Pflichtgefühl und Engagement in diesen Einsatz gegangen sind, nicht verdient. Und wenn ich heute im TV Gestalten wie Struck sehe, die so tun, als hätten Sie kaum etwas mit den fatalen Fehlentscheidungen zu tun, wird mit schlecht...
egils 09.04.2010
2. Merkels Trauerrede
Meiner Meinung nach die beste Rede die ich von Frau Merkel als Bundeskanzlerin gehört habe! Ich hoffe das diese Rede im fernsehen von einer grösstmöglichen Anzahl von Buerger/innen gehört und gesehen wurde. Zum ersten mal habe ich ihr wirklich alles abgenommen und geglaubt. Respekt und Dank dafuer.
Die Blickerin 09.04.2010
3. Die toten von Kunduz
Diese Menschen, Guttenberg und Merkel, sollten sich zutiefst schämen. Sie sind es, die die direkte Schuld tragen für diese junge Opfer. Sie sollten sich schämen und sie sollten zur Verantwortung gezogen werden.
odet 09.04.2010
4. Wie verlogen........
Erst werden Junge Menschen nach Afghanistan geschickt um dort Taliban, Frauen und Kinder zu ermorden, und dann müssen sie sich auch noch von Merkel "betrauern" lassen. Dieser Regierung ist wirklich gar nichts mehr zu verlogen.
Boone 09.04.2010
5. Stell Dir vor es ist Krieg und niemand geht hin
Nun wird es immer klarer, immer offenbarer, wir haben zugelassen, dass unsere Politiker unser Land wieder in den Krieg geführt haben. Wir schicken wieder Soldaten durch die Welt, töten wieder fremde Menschen, werden getötet und glauben so Frieden in die Welt bringen zu können. Tragisch daran ist, dass Merkel & Co keine Soldaten in den Krieg schicken könnten, sie keinen Krieg führen könnten, gäbe es nicht Deutsche, die bereit sind in den Krieg zu ziehen und auf Befehl Soldat zu sein. Keine 60 Jahre hat es gedauert und es kommen wieder tote deutsche Soldaten nach Hause - und nur wenige scheinen das seltsam und unsinnig zu finden.
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