Militärparade Vietnam feiert Kriegsende - und kauft Raketen

Bis zu drei Millionen Zivilisten starben im Vietnamkrieg, am 30. April 1975 beendete der Sturm auf Saigon das Töten. Mit einer Parade hat das Land nun der Opfer gedacht - und rüstet sich gleichzeitig für einen Konflikt mit China.


Vor genau 40 Jahren, am 30. April 1975, waren Panzer aus dem Norden des Landes durch die eisernen Gitter des damaligen Präsidentenpalastes gerollt. Mit einer großen Militärparade in Ho-Chi-Minh-Stadt hat Vietnam am Donnerstag an das Ende des Krieges erinnert. Der Parade, die live im Fernsehen übertragen wurde, wohnten neben dem Staats- und Regierungschef auch zahlreiche Mitglieder der Kommunistischen Partei bei. Ein Vertreter der USA war nicht dabei.

Der Aufmarsch fand zu Ehren der Millionen im Krieg getöteten Vietnamesen statt. "Sie haben unzählige barbarische Verbrechen begangen", sagte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung an die USA gerichtet.

Der Angriff am 30. April 1975 beendete fast zwei Monate schwerster Gefechte um die Stadt Saigon - das heutige Ho-Chi-Minh-Stadt. Die letzten Amerikaner waren kurz zuvor mit Hubschraubern aus dem damaligen Saigon geflohen. Die Kommunistische Partei regiert Vietnam bis heute mit harter Hand.

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Parade in Vietnam: Buntes Treiben, klare Botschaft
Der Einmarsch in Saigon markierte das Ende von mehr als 20 Jahren Krieg. Vietnam vertrieb erst die französischen Kolonialherren, dann die USA. 58.000 US-Soldaten fielen in dem Kampf. Die Schätzungen über vietnamesische Opfer unter Kämpfern und Zivilisten liegen zwischen einer und drei Millionen.

Neue Raketen für U-Boote

Am Tag des Kriegsgedenkens wurde bekannt, dass sich Vietnam militärisch weiter für mögliche künftige Konflikte wappnet. So stattet das Land seine wachsende U-Boot-Flotte mit Raketen aus, die auch die chinesische Küste erreichen könnten. Dies meldet das unabhängige Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Mit Peking liegt Vietnam seit Längerem in einem Streit um Gebiete im Südchinesischen Meer.

Durch den Kauf der Raketen aus russischer Produktion verstärkt die Regierung ihr Arsenal - und sendet ein klares Signal an China. Experten hatten erwartet, dass Vietnam neue Raketen für den Einsatz gegen Schiffe anschafft. Dass es nun Flugkörper des Typs "Klub" geworden sind, die auch Ziele an Land vernichten können, dürfte in China als Provokation verstanden werden. Angeblich soll es bei dem Deal um bis zu 50 Raketen gehen. Aus China gibt es noch keine offizielle Reaktion.

jok/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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udar_md 30.04.2015
1. Sonst waren alle US-Vertreter da!
"Ein Vertreter der USA war nicht dabei." Richtig ist es: KEIN Vertreter der USA was dabei. Es wäre auch schwer vorstellbar, es anzunehmen, dass "we are the no 1" als loser so einer Zeremonie beiwohnen würden.
türkoglutürk 30.04.2015
2. Alles böse bringt der April
Warum passierte alles im April? 1. WK, Gedenktage, 2. WK, Vietnam....
DerNerd 30.04.2015
3. Harte Hand?
Mag sein, die kommunistische Regierung regiert mit harter Hand. Nur, Vietnam ist nicht China. Mit wenigen Ausnahmen (wordpress) ist bsp. das Internet frei zugänglich inkl. westlicher Medien und Socials (Facebook, Twitter, etc) - und zwar ohne das mit Proxys herumtricksen müsste. Von den Staatsbetrieben sieht man fast nichts mehr, dafür Kapitalismus pur - und natürlich die Millionen von kleinen Familienbetrieben die in manchen Strassen der Städte dicht an dicht sind - jeder Meter ist da Geschäft. Die Vietnamesen selbst sind recht phantasievoll im Umgang mit Behörden und der Obrigkeit. Dank Beziehungen und "Spenden" bekommt man alles was man braucht (und hält sich jeglichen Unbill vom Leib). Ok, was nicht geht ist vor dem Ho Chi Minh Mausoleum auf die Kommunisten schimpfen, ich denke, da hat man dann schnell eine Anklage wegen "Steuerhinterziehung" an der Backe. Fakt ist, und da spreche ich natürlich nur für mich selbst: Nie in meinem Leben habe ich mich mehr als freier Mensch gefühlt als in Vietnam. Daher sind meine Tage in D auch gezählt. (Natürlich hat Vietnam auch arge Probleme, bsp. noch viel Armut, Ärger mit China, Verkehrsprobleme ... trotzdem ... mit dem Freiheitsgefühl ist das trotzdem vereinbar)
karavan 30.04.2015
4. Respekt!
Ich möchte mein größten Respekt an das kleine vietnamesisches Volk richten, dass sich gegen übermächtige Gegner erfolgreich verteidigen konnte. Ich wünsche diesen Menschen eine glückliche und vor allem friedliche Zukunft. Übrigens, haben diese Länder (Frankreich und USA) sich jemals bei Vietnamesen entschuldigt oder Reparationsleistungen erbracht? Weiss das jemand?
roger09 30.04.2015
5. Wierdergutmachung
Die Lüge des US- Präsidenten Johnson ein nordvietnamesisches Kriegsschiff hätte im Golf von Tonkin ein amerikanisches angegriffen, diese Lüge führte zu dem durch die USA zum Teil barbarisch geführten Vietnamkrieg, der fast 60000 amerikanischen Soldaten und fast unglaublichen 3 Millionen Vietnamesen das Leben kostete. Dieser demütigenden Niederlage folgten bis heute weitere "unsägliche verlorene Kriege bzw. Interventionen " zumeist unter Verletzung aller ethischen Grundsätze und unter eklatanter Verletzung des Völkerrechtes durch die USA. Das vietnamesische Volk sollte nun endlich nach vierzig Jahren eine Entschuldigung durch die Repräsentanten der USA erwarten können. Schäden, physische, psychische kriegsbedingte Leiden von Vietnamesen sind durch die USA adäquat auch heute nach Rechtsstaatsprinzipien wiedergutzumachen.
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