Umstrittene EU-Kandidatin Bulc Slowenische Schamanin überzeugt Juncker

Eine Esoterikerin in der EU-Kommission? Sloweniens umstrittene Kandidatin Violeta Bulc hat im Vorstellungsgespräch bei Jean-Claude Juncker überzeugt. Sie darf wohl doch noch auf einen einflussreichen Posten hoffen.

Von , Brüssel

Slowenische Politikerin Bulc: Wird sie tatsächlich EU-Kommissarin?
DPA

Slowenische Politikerin Bulc: Wird sie tatsächlich EU-Kommissarin?


Violeta Bulc findet sich selbst ziemlich gut, nachzulesen ist das auch auf ihrem Twitter-Account. Beinahe im Minutentakt stellte die Slowenin dort am Dienstag Zitate von Menschen ein, die ihre Arbeit loben.

"Sie ist keine Spezialistin in jedem Energie-Bereich, aber sie verfügt ganz gewiss über die Fähigkeit zu strategischem Denken", ist in einem Tweet über Bulc zu lesen, in einem anderen: "Sie ist eine herausragende Innovationsexpertin." Ihr Erfolgsrezept formuliert Bulc in einem Eintrag so: "Connecting. Networking. Communicating - mein Kernkonzept, um jedes Thema erfolgreich anzugehen."

Offensichtlich haben diese Fähigkeiten der Unternehmerin auch bei ihrem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Dienstagabend in Brüssel geholfen. Dort interviewte der Luxemburger die designierte Kommissarin, die von Slowenien nominiert wurde als Ersatz für die ehemalige Regierungschefin Alenka Bratusek, der das Europaparlament die Zustimmung verweigert hatte.

Die künftige Kommissarin kann über glühende Kohlen laufen

Bulc, die als Anhängerin von Esoterik und New Age auf ihrem Blog davon schwärmt, über glühende Kohlen laufen zu können, hat also die Feuerprobe bestanden. Juncker nannte das Gespräch mit ihr "exzellent" und sandte die Aufforderung an den Europäischen Rat, die Slowenin auf die Liste seiner designierten EU-Kommissare zu setzen.

Bulcs Portfolio will Juncker am Mittwoch bekannt geben, doch es ist bereits zu vernehmen, dass sie vermutlich für Transport verantwortlich sein soll. Schon am Montag könnte sich die Kandidatin den Fragen der Abgeordneten im Europaparlament stellen, die noch zustimmen müssen.

Das ist ein wichtiger Schritt für die Eigentümerin der Beratungsfirma Vibacom, die laut ihrem Firmen-Blog an die "Kraft von Netzwerken, das holistische Individuum und positive Energie" glaubt.

Denn in den vergangenen Tagen stand im Vordergrund, was für eine ungewöhnliche Kommissars-Kandidatin Bulc ist. Kritiker stürzten sich auf Online-Videos, in denen die Slowenin erläuterte, "Strukturen hätten ihre eigenen Leidenschaften".

Kommissarin für positive Energie?

Blogger sezierten Bulcs eigenen Blog, auf dem sie über besagten Glühkohlelauf schrieb und von der kosmischen Erfahrung schwärmte, "die sie dabei tief innen verspürte". Spötter schlugen vor, man könne Bulc ja zur EU-Kommissarin ernennen, die "positive Energie fördern" solle. Andere tauften sie "Schamanin", weil Bulc eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann.

Politische Erfahrung brachte sie hingegen herzlich wenig mit. Erst vor wenigen Wochen wurde die Unternehmerin slowenische Entwicklungsministerin. Sie fungiert zwar offiziell als stellvertretende Regierungschefin, gilt jedoch vor allem als Vertraute des ebenfalls erst seit kurzer Zeit amtierenden Premiers Miro Cerar.

Der setzte sich bei ihrer Nominierung gegen Widerstand in seinem eigenen Kabinett durch - Minister, die aufgrund von Reisen an der Teilnahme verhindert waren, zählte er einfach zum Bulc-Lager. Das soll technisch möglich sein, rief jedoch die slowenische Anti-Korruptionsbehörde auf den Plan.

Die Zweifel scheint Bulc im rund einstündigen Treffen mit Juncker ausgeräumt zu haben. Jedoch wohl nicht genug, um auch jenes mächtige Vizepräsidentenamt zu ergattern, das für Ex-Premier Bratusec vorgesehen war - die Aufsicht über die EU-Energieunion.

Diese Aufgabe könnte Maros Sefcovic übernehmen, bislang als Transport-Kommissar gesetzt. Der Slowake müsste sich dafür allerdings auch einer neuen Anhörung im Parlament stellen.

Laufen diese aber glatt, könnte das Europaparlament am 22. oder 23. Oktober die neue Juncker-Kommission wählen - noch vor dem nächsten EU-Gipfeltreffen der Staats-und Regierungschefs in Brüssel. Mit großem Widerstand im Parlament gegen Bulc ist nicht mehr zu rechnen, sollte sie sich bei ihrer Anhörung nicht blamieren.

Schließlich wollen zahlreiche Abgeordnete die Juncker-Kommission, deren Bestellung sie auch als ihren eigenen demokratischen Erfolg sehen, nicht weiter beschädigen. Die beiden größten politischen Blöcke - die konservative EVP und Europas Sozialdemokraten/Sozialisten - sind sich einig, dass die neue Kommissions-Mannschaft möglichst zum 1. November die Arbeit aufnehmen soll. Und auch die Grünen-Chefin im Europaparlament, Rebecca Harms, schrieb am Dienstagabend auf Twitter über Bulc: "Eine auf den ersten Blick sympathische Frau."

Junckers EU-Kommission



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Seite 1
karlsiegfried 15.10.2014
1. Total richtig
Nur Esotheriker können diese Welt noch retten. Schöne Träume sind immer noch besser, als die besch...... Wahrheit.
karlsiegfried 15.10.2014
2. Total richtig
Nur Esotheriker können diese Welt noch retten. Schöne Träume sind immer noch besser, als die besch...... Wahrheit.
davornestehtneampel 15.10.2014
3.
Hm, mal überlegen... Wann hab -ich- die gewählt? Wann hätte -ich- die abwählen können? Warum wird die -mir- dann vor die Nase gesetzt (so wie einige andere unsägliche Schranzen auch)?. Um mit Grönemeyer zu sprechen - was soll das?
fritz242 15.10.2014
4. Sowas passiert wenn man einen Alkoholiker als Präsidenten hat
Tja, da war Juncker wohl (mal wieder) "leicht" alkoholisiert... Die Dame paßt aber ins restliche EU-Führungspersonal.
kral1 15.10.2014
5. Sollte der Bundestag vom EP übernehmen
Warum nicht in Deutschland von Europaparlament lernen und alle vorgesehenen Minister vor der Vereinigung im zuständigen Ausschuss des Bundestages auf ihre Eignung überprüfen?
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