Visite in Peking: Braver Obama schont die Chinesen

Von , Peking

Der große Kommunikator wird ganz kleinlaut: Nach dem mit Spannung erwarteten Gespräch mit Chinas Präsident Hu Jintao las auch Obama nur eine Verlautbarung vor. Keine Kritik an Peking, keine Antworten für die Journalisten. Lediglich eine lauwarme Ankündigung, man wolle den Dialog fortführen.

Schnell noch zupft eine Hostess in rotem Kostüm eine der drei amerikanischen Fahnen auf der Bühne zurecht, die neben drei chinesischen Flaggen stehen, dann erscheint Hillary Clinton. Blass und mit ernstem Gesicht nimmt die US-Außenministerin in der ersten Reihe Platz.

Kurz darauf betreten die beiden Hauptakteure das Podium der West-Halle: Staats- und Parteichef Hu Jintao und sein Gast Barack Obama. Länger als geplant haben sie in der Großen Halle des Volkes miteinander gesprochen, nun steht eine Pressekonferenz auf dem Programm.

"Pressekonferenz mit chinesischen Eigenschaften" wäre allerdings richtiger. Denn Fragen der Journalisten sind nicht zugelassen. Offenbar fürchtet sich Hu vor zu viel Spontaneität, und Obama, der große Kommunikator, will ein höflicher und zurückhaltender Gast sein: Er fügt sich den Gepflogenheiten des chinesischen Cheffunktionärs - und wirkt plötzlich fast so steif wie eben dieser.

So lesen die beiden Erklärungen vor, als ob sich zwei Abteilungsleiter aus dem Katasteramt getroffen hätten und nicht die zwei wichtigsten Politiker der Welt, die einen Wust von Problemen zu lösen haben. "Offen, konstruktiv und fruchtbar" sei das Treffen gewesen, berichtet Hu.

Obamas erster China-Besuch bringt nichts Konkretes

Beide Seiten werden in Zukunft besser kooperieren als bisher. Da die Erholung der Weltwirtschaft noch "nicht stabil" sei, setze man zum Beispiel in Wirtschafts- und Finanzfragen "Zusammenarbeit und Dialog fort". Den Weltraum wollen die USA und China fortan gemeinsam erforschen und den Bau von Hochgeschwindigkeitszügen. Die Militärs sollen sich ebenfalls häufiger treffen.

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Obama-Besuch bei Hu Jintao: Treffen der Giganten

Die Hoffnung, dass sich Obama und Hu in Peking in letzter Minute zu einer gemeinsamen Initiative für den Klimagipfel in Kopenhagen entschließen, verfliegt. "Präsident Obama und ich sind übereingekommen, dass die Zusammenarbeit bei Klimawandel, Energie und Umwelt ausgeweitet wird", liest Hu vor.

Anscheinend hat die weltweite Empörung geholfen, Obama wenigstens etwas Verbindlichkeit abzuringen. "Unser Ziel ist kein Teilabkommen oder eine politische Erklärung, sondern eine Übereinkunft, die alle Verhandlungsthemen abdeckt und die sofort praktisch umgesetzt wird", erklärt Obama.

Was ihm genau vorschwebt, sagt er nicht.

Obama bekennt sich zur Ein-China-Politik

So bleibt der erste Staatsbesuch Obamas in China im Vagen. Der Amerikaner hatte zu Beginn seiner Asien-Tour schon die Erwartungen gedämpft: Er wolle nur seinen "China-Horizont erweitern".

Wichtig vor allem ist ihm die Botschaft an die Chinesen, sie sollten künftig eine "größere Rolle auf der Weltbühne spielen - eine Rolle, die wachsende Wirtschaft mit größerer Verantwortung verbindet".

Hu wiederum sendet das Signal an Washington, China müsse fortan im internationalen Gefüge "als gleichwertiger Partner" behandelt werden, dessen "Kerninteressen und größeren Probleme respektiert werden".

Obama erfüllt brav, was die Pekinger Regierung von ihm will. Er bekennt sich zur Ein-China-Politik, ein unabhängiges Taiwan darf es nicht geben. "Wir respektieren die Souveränität und territoriale Integrität Chinas", fügt er hinzu. "Tibet ist Teil der Volksrepublik Chinas." Das ist nicht neu, dennoch verlangen Pekings Politiker bei jedem Besuch, diese Formeln zu wiederholen.

Allerdings schlägt der Gast eine "baldige Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der chinesischen Regierung und Vertretern des Dalai Lama" vor, "um die Sorgen und Differenzen zu lösen, die beide Seiten haben mögen".

Und er wiederholt, was er am Montag bereits in Shanghai bei der Diskussion mit Studenten gesagt hat: "Alle Männer und Frauen besitzen bestimmte fundamentale Menschenrechte." Diese Prinzipien sollten nicht nur "für Amerika allein gelten, sie sind universelle Rechte, für alle Menschen, für alle ethnischen und religiösen Minderheiten".

Hu nimmt diese Mahnung reglos hin, ein Händeschütteln für die Fotografen, nach 40 Minuten streben beide aus dem Saal. Nächste Station ist die Verbotene Stadt. Morgen wird Obama Premierminister Wen Jiabao treffen und weiter seinen Horizont erweitern - auf der Großen Mauer.

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Forum - USA und China - eine heikle Allianz?
insgesamt 1307 Beiträge
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1.
Panslawist 12.11.2009
Zitat von sysopDie aktuelle Reise von US-Präsident Obama nach China ist mehr als nur sein Antrittsbesuch: Beim Treffen mit Staatschef Hu Jintao geht es um das grundsätzliche Verhältnis der beiden Supermächte. Bei allem Misstrauen sind sie aufeinander angewiesen wie nie zuvor. Eine heikle Allianz?
Welche Allianz? Die amerikanischen Sicherheitsdoktrin besagt u.a., dass jedes Land, dass sich anschickt militärisch oder wirtschaftlich mit den USA gleichzuziehen, eine Gefahr für die nationale Sicherheit sei.
2.
Sumerer 12.11.2009
Zitat von sysopDie aktuelle Reise von US-Präsident Obama nach China ist mehr als nur sein Antrittsbesuch: Beim Treffen mit Staatschef Hu Jintao geht es um das grundsätzliche Verhältnis der beiden Supermächte. Bei allem Misstrauen sind sie aufeinander angewiesen wie nie zuvor. Eine heikle Allianz?
Die asiatischen Staaten haben die höchsten Leistungsbilanzüberschüsse und das stärkste Wirtschaftswachstum der Welt. Sie haben sich in den letzten Jahren gigantische Währungsreserven zugelegt. Wer an wessen Tropf mittlerweile hängt sollte daher einigermaßen verständlich sein.
3. Was will die USA von China denn noch mehr erwarten?
family 12.11.2009
Zitat von SumererDie asiatischen Staaten haben die höchsten Leistungsbilanzüberschüsse und das stärkste Wirtschaftswachstum der Welt. Sie haben sich in den letzten Jahren gigantische Währungsreserven zugelegt. Wer an wessen Tropf mittlerweile hängt sollte daher einigermaßen verständlich sein.
Mit den Waehrungsreserven kaufen sie US-Stadtsanleihen, um den US-Dollar vor der Hyperinflation zu bewahren. Hoffe dass es keine Forderungen seitens der USA um Afrika gibt. China ist dort schon zu lange am Druecker. China baut ja dort nicht nur Rohstoffe ab ohne Gegenleistung. Sie investieren auch viel in die Infrastruktur und verleihen Milliarden zu super guenstigen Zinsen, fuer moderne Energiegewinnung auf diesem Kontinent. Amerika soll die Haende von Afrika lassen, auch wenn sie jetzt einen schwarzen Presidenten haben.
4. Die Offenbarung
nr6527 12.11.2009
Zitat von PanslawistWelche Allianz? Die amerikanischen Sicherheitsdoktrin besagt u.a., dass jedes Land, dass sich anschickt militärisch oder wirtschaftlich mit den USA gleichzuziehen, eine Gefahr für die nationale Sicherheit sei.
Henry Kissinger sagte 2005 dazu folgendes: [/QUOTE]Conflict is not an option ...As a new century begins, the relations between China and the United States may well determine whether our children will live in turmoil even worse than the 20th century or whether they will witness a new world order compatible with universal aspirations for peace and progress. ...[/QUOTE]http://www.nytimes.com/2005/06/08/opinion/08iht-edkiss.html In diesem Youtube Video von 2009 sagt er, das man sich mit Chinan im Streit um die verbleibenden Ölreserven ohne Krieg einigen sollte, weil ein Krieg beide Seiten unnötig schwächen würde, mit dem Ergebnis, das dritte Staaten davon profitieren würden. http://www.youtube.com/watch?v=nYAkzoU7TkM Und wenn einer was zu melden hat dann Kissinger, hier eine kleine Übersicht der Organisationen, in denen er "wirkt". http://www.muckety.com/Henry-A-Kissinger/1864.muckety
5.
Sumerer 12.11.2009
Zitat von familyMit den Waehrungsreserven kaufen sie US-Stadtsanleihen, um den US-Dollar vor der Hyperinflation zu bewahren.
Japan, Großbritannien und weitere machen das nicht anders. Sie wollen halt ihre Währungsreserven nicht verbrennen sehen. Sie meinen wahrscheinlich Angola. Inwieweit das nachhaltig wirkt, wird sich noch zeigen müssen. Zumindest tut sich jetzt etwas überall in diesem Land. Es gibt Dinge, die mit militärischen Mitteln unerreichbar sind.
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