Personalsorgen: Griechischer Vize-Minister tritt zurück

Griechenlands Regierung plagen Personalsorgen: Nach dem Aus des designierten Finanzministers hat sich auch der Vize-Minister für Handelsschifffahrt aus dem Kabinett verabschiedet - angeblich weil er ein Unternehmen in einem Steuerparadies betreibt.

Rücktritt nach wenigen Tagen im Amt: Giorgos Vernicos, Vize-Minister für Handelsschifffahrt Zur Großansicht
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Rücktritt nach wenigen Tagen im Amt: Giorgos Vernicos, Vize-Minister für Handelsschifffahrt

Athen - Es ist der zweite Rücktritt innerhalb von zwei Tagen: Nach dem Abschied des designierten Finanzministers Vassilis Rapanos räumte auch Giorgos Vernicos seinem Sitz im Kabinett. Der Tourismusunternehmer war erst am Donnerstag als stellvertretender Minister für die Handelsmarine vereidigt worden. Die Schifffahrt gilt als zentraler Wirtschaftszweig in Griechenland.

Vernicos selbst nannte keine Gründe für seinen Rücktritt genannt. Die Oppositionspartei Syriza hatte ihm vorgeworfen, ein Offshore-Unternehmen mit Sitz auf den Marshallinseln im Pazifik zu besitzen - einem ausgewiesenen Niedrigsteuer-Paradies. Nach griechischem Recht dürfen Unternehmer mit derlei Geschäften keine Regierungsposten übernehmen.

Samaras kündigt Europa-Tour an

Zuvor hatten bereits zwei Krankheitsfälle der neuen griechischen Regierung Startschwierigkeiten bereitet. Erst am Montag hatte Finanzminister Rapanos nach einem Kreislaufkollaps seinen Rücktritt eingereicht, noch bevor er seinen Amtseid ablegen konnte. Sein Nachfolger wird der Ökonomieprofessor Yannis Stournaras.

Auch Regierungschef Antonis Samaras muss das Krankenbett hüten - nach einer Augenoperationer führe seine Geschäfte vorläufig von Zuhause aus, teilte ein Sprecher mit.

Dennoch will der neue griechische Regierungschef offenbar bald nach Berlin, Paris und Brüssel reisen, um für eine Lockerung der strammen Hilfsauflagen zu werben. "Er plant eine Europa-Tour, sobald ihm Ärzte die Reise erlauben", sagte ein Regierungsvertreter am Dienstag in Athen.

Beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag wird Samaras jedoch nicht erscheinen. Dort verteten ihn unter anderem Staatspräsident Karolis Papoulias und sein neuer Finanzminister Stournaras.

usp/Reuters/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
josian 26.06.2012
die Ratten verlassen das sinkende Schiff
2.
magoan 26.06.2012
Die machen blau um ihren eigenen Problemen aus dem Weg zu gehen, langsam habe ich die Schnauze wirklich voll von den Griechen...und dann beschimpfen sie noch unsere Merkel. Ich hoffe das endlich mal diesen Südländern ein deutliches Zeichen gesetzt wird, ansonsten haben unsere Parteien bald ein Problem mit ihren Wählern. Auch Deutschland steht bald am Abgrund und das haben wir allein unseren Politiker zu verdanken!
3. Diese griechischen Minister
fort-perfect 27.06.2012
Zitat von sysopREUTERSGriechenlands Regierung plagen Personalsorgen: Nach dem Aus des designierten Finanzministers hat sich auch der Vize-Minister für Handelsschifffahrt aus dem Kabinett verabschiedet - angeblich weil er ein Unternehmen in einem Steuerparadies betreibt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841127,00.html
sind die gleichen Pflaumen wie ein Oskar Lafontaine, als der Minister wurde und Verantwortung für sein handeln übernehmen sollte, ist er auch ganz schnell zurück getreten..... Und auch Oskar hatte für sich selbst schon längst ein Steuerparadies geschaffen...... im Saarland.....
4. Hatte Deutschland nicht mal angeboten
apasionado 27.06.2012
Steuerexperten nach Griechenland zu schicken, damit die beim Aufbau eines funktionierenden Steuersystems mithelfen sollten. Klare Ablehnung damals aus vorhersehbaren Gründen bei den Griechen. Vielleicht sollte Brüssel die Vergabe weiterer Mittel an die Überlassung einer kompletten und funktionsfähigen Regierung denken und zwar so lange, bis die Missstände weitgehend aufgedeckt sind und klar ist, ob bzw. wann Griechenland nun aus der Eurozone ausscheidet. Dann wäre wahrscheinlich zu diesem Termin noch etwas von den ansonsten ganz sinnlos gewährten Finanzhilfen da.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.