Chinas Vizepräsident: Die rätselhafte Abwesenheit von Xi Jinping

Wo steckt Chinas neuer starker Mann Xi Jinping? Der Vizepräsident soll im Oktober Vorsitzender der Kommunistischen Partei, später auch Staatschef werden. Doch nun sagt er seit Tagen einen Termin nach dem anderen ohne Begründung ab. Chinas Machtelite, die zuletzt von Affären erschüttert wurde, hat einen weiteren Skandal.

Chinas neuer starker Mann: Xi Jinping ist abgetaucht Fotos
DPA

Peking - In China wachsen täglich die Spekulationen: Es geht um den Mann, der die Volksrepublik ab kommenden März führen soll: Xi Jinping. Der Vizepräsident ist von der Bildfläche verschwunden und niemand weiß, warum, denn eine offizielle Begründung gibt es für sein Abtauchen nicht. Xis Büro und das chinesische Außenministerium schweigen.

Innerhalb weniger Tage versetzte Xi nicht nur US-Außenministerin Hillary Clinton, auch die Regierungschefs von Singapur und Dänemark mussten auf ein Treffen mit dem voraussichtlichen Nachfolger von Staatschef Hu Jintao verzichten.

Nun sprießen in der Volksrepublik die Gerüchte: Von einem Autounfall ist die Rede, sogar von einem Mordanschlag politischer Gegner. Andere mutmaßen, Xi sei an Krebs erkrankt oder habe einen Herzanfall erlitten.

Beim Schwimmen verletzt?

Am Dienstag meldete die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf nicht näher bezeichnete Kreise eine weitere mögliche Erklärung: Der Vizestaatschef habe sich während seines täglichen Schwimmpensums am Rücken verletzt. Allerdings wollte der Informant nicht verraten, wie schlimm die Verletzung genau sei und vor allem, wie es überhaupt dazu kam. Ein andere Quelle, die Reuters zitierte, sagte: "Er ist krank, aber es ist kein großes Problem."

Offiziell will sich niemand äußern, denn die politischen Gepflogenheiten Chinas verbieten es, den Gesundheitszustand der Führungskaste öffentlich zu machen. Die Kommunistische Partei (KP) behandelt das Thema als Staatsgeheimnis. Das war in den siebziger Jahren so, als die Öffentlichkeit eigentlich nie wusste, wie es dem Machthaber Mao Zedong ging.

Skandale in Chinas Machtelite

Was auch immer der Grund für Xis Abwesenheit ist - sie kommt für die Kommunistische Partei zur Unzeit. Vermutlich in der zweiten Oktoberhälfte soll Xi erst zum Chef der KP bestimmt werden und dann turnusgemäß im kommenden März als Staatsvorsitzender die Macht übernehmen. Doch die allein regierende KP macht derzeit keinen guten Eindruck: Zuletzt musste Ling Jihua, ein enger Vertrauter von Präsident Hu Jintao, seinen hohen Posten im Pekinger Führungszirkel räumen - sein Sohn war im März mit seinem Ferrari verunglückt.

Im April wurde Spitzenfunktionär Bo Xilai von allen Ämtern suspendiert. Seine Frau Gu Kailai wurde verurteilt, weil sie in den Mord an einem britischen Geschäftsmann verwickelt sein soll. Die Politikergattin gestand. Das Gericht verhängte die Todesstrafe, gewährte aber einen Aufschub von zwei Jahren. Damit könnte sie der Hinrichtung entgehen.

Xis Name geblockt

Auch Vizepräsident Xi gilt nicht als unbelastet: Er stand im Juni in der Kritik, Medien hatten über umfangreiche Investitionen und Finanztransaktionen in seinem familiären Umfeld berichtet. Darauf schritt umgehend die chinesische Internetzensur ein. Diese ist auch jetzt wieder aktiv.

Im Internet kann nach Angaben der "Times" derzeit nicht nach dem Wort "Rückenverletzung" gesucht werden - und Chinas populärer Mikroblogging-Dienst Sina Weibo hat die Suche nach Xis Namen blockiert. Allerdings haben die User ihre Mittel, die Zensur zu umgehen: Sie nennen Xi "Kronprinz". Ein Nutzer schreibt: "Was ist los mit dem Kronprinzen? Er ist für die vergangenen zehn Tage oder so verschwunden und die ganze Welt fragt sich, wo er ist."

heb/AFP/Reuters

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