Völkermord Uno rechnet mit bis zu 300.000 Darfur-Toten

Schockierende Hochrechnung: Die Uno vermutet, dass bis zu 300.000 Menschen wegen des Darfur-Bürgerkrieges gestorben sind - das wären 100.000 mehr als die Vereinten Nationen bisher annahmen. Sie berichten zudem über eine drastische Zunahme sexueller Gewalt in der Region.


New York - Seit Jahren sterben in der Region Darfur täglich Menschen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen (Uno) sind es möglicherweise noch mehr als gemeinhin befürchtet. Die Zahl von 300.000 Toten nannte der Unter-Generalsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, vor dem Sicherheitsrat.

Sudanesin in Darfurer Flüchtlingscamp: Bis zu 300.000 Tote in der Region?
AP

Sudanesin in Darfurer Flüchtlingscamp: Bis zu 300.000 Tote in der Region?

Der Völkermord in der westsudanesischen Region Darfur dauert seit fünf Jahren an. Im Land bekriegen sich viele unterschiedliche Parteien, marodierende Söldner ziehen umher und verbrennen ganze Dörfer. Internationalen Experten zufolge wurden mehr als zwei Millionen Menschen durch die Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben.

"Eine Studie von 2006 hatte ergeben, dass durch die verschiedenen Auswirkungen der Krise etwa 200.000 Menschen ums Leben kamen. Diese Zahl muss inzwischen viel höher sein", sagte Holmes. Genauere Angaben, auf welchen Grundlagen die Schätzungen fußen, machte er nicht.

Laut Uno verheert die Darfur-Krise inzwischen die gesamte Region: Von den sechs Millionen Einwohnern der Region seien mittlerweile 4,27 Millionen Menschen direkt von dem Konflikt betroffen, sagte Holmes. Allein in diesem Jahr seien bislang 100.000 Menschen vertrieben worden, viele davon nicht zum ersten Mal. Besonders beunruhigend sei die zunehmende sexuelle Gewalt in den vergangenen zwei Monaten.

Der Uno-Botschafter des Sudan, Abdalmahmud Abdalhalim, bezeichnete die Angaben als deutlich übertrieben. Seine Regierung gehe von rund 10.000 Toten aus. Holmes' Bemerkungen bezeichnete er als "nicht hilfreich und nicht glaubwürdig". Der Generalsekretär müsse genau darlegen, "wer die Schätzung durchgeführt hat und auf welcher Methodik sie fußt".

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich enttäuscht über mangelnde Fortschritte bei der Lösung der Krise. "Die militärische Gewalt der Konfliktparteien überschattet den politischen Prozess. Die Aussicht auf Verhandlungen rückt in immer weitere Ferne", heißt es in Bans jüngsten Bericht über die internationale Friedensmission. Der Bericht über den gemeinsamen Einsatz der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU) wurde am Dienstag vor dem Weltsicherheitsrat in New York diskutiert.

Bans Bericht enthält zahlreiche Kritikpunkte: Die Stationierung der AU-Truppen gehe extrem langsam voran. Den Parteien fehle es an politischem Willen, eine friedliche Lösung für die Krise zu finden. Deshalb würde sich auch die humanitäre Situation nicht bessern.

ssu/AP/dpa/Reuters



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