Volksaufstand in Arabien Tage des Zorns, Wochen des Umbruchs 

Die Tage des ägyptischen Präsidenten Mubarak an der Macht sind vorbei. Auch in den Nachbarstaaten zittern die Herrscher. Die Sehnsucht nach Freiheit, Wohlstand und Glück treibt die Menschen auf die Straßen: in Marokko, in Syrien, in Jordanien, im Jemen. Der Volkszorn in Arabien - eine Übersicht.

Von , , Andreas Niesmann, , Ulrike Putz und

AFP

Zelte und Barrikaden haben die Autos und Lastwagen verdrängt, die normalerweise über den Tahrir-Platz im Herzen von Kairo brausen. Normalerweise. Doch hier ist nichts mehr normal. Der Platz ist zum Zentrum des Freiheitskampfes in der arabischen Welt geworden. Die Demonstranten, die hier ausharren, sind stolz auf ihr Land. Ägypten sei Vorbild geworden, sagt ein Mann. Ein anderer pflichtet ihm bei: "Was in Ägypten passiert, hat Folgen für viele Länder in dieser Region."

Die arabische Welt ist in Aufruhr. Erst stürzt Tunesiens Präsident, dann erhebt sich das Volk in Ägypten - wer kommt als nächstes? Auch in Algerien, Jemen und Jordanien finden Massendemonstrationen statt. Selbst in Saudi-Arabien versammeln sich Dutzende Frauen vor dem Innenministerium, um ihre Forderungen vorzubringen. Und in Syrien verlangen aufgebrachte Menschen auf Plakaten "Freiheit".

Die Despoten der arabischen Welt sind nervös geworden. Viele Staatschefs fürchten die Folgen der Jasmin-Revolution für ihr Land und reagieren hastig. Die einen senken Steuern, die anderen führen einen Sozialfonds ein. Die Monarchen können sich sicherer fühlen, sie sind in der Bevölkerung mehr geachtet als "bürgerliche" Despoten. Der jordanische König fand als Sündenbock für die Missstände die Regierung - und feuerte sie.

Ob diese Zugeständnisse reichen, um die Wut einer ganzen Generation zu besänftigen? In vielen Ländern der Region gibt es ähnliche Probleme wie in Tunesien und Ägypten. Die jungen Menschen dort begehrten gegen Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven auf, gegen die Bevormundung und Unfreiheit. Ganze Familien schlossen sich den Protesten an.

Doch was passiert, wenn der Tyrann verjagt ist? Die Zukunft Ägyptens ist noch völlig unklar. In Tunesien hatten sich viele die Zeit nach dem Umsturz wohl einfacher vorgestellt. Das Land ist im Umbruch, noch ist nicht abzusehen, wer sich politisch durchsetzt. Hinzu kommt - wie in anderen Ländern - die Angst, dass Islamisten an die Macht kommen könnten.

SPIEGEL ONLINE zeigt, wo in der arabischen Welt mit Revolten zu rechnen ist - und wo die Machthaber sicher sein können. Klicken Sie auf die Flaggen.

Protestbewegung in arabischen Ländern


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insgesamt 28 Beiträge
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iosono3 08.02.2011
1. einmischung
wenn herr westerwelle sagt ''wir sind für einen geordneten stabilen übergang'' dann ist das doch einmischung,oder? auf deutsch ''macht mal langsam''. dies ist pure einmischung. was ist wenn dem ägyptischen volk stabiler übergang wurst ist? mubarak weg,und dann kann es stabilen übergang geben-so wollen es die ägypter. die demonstranten erwarten nicht das westerwelle ihnen sagt wie und was sie machen sollen,und sie erwarten nicht das westerwelle sagt wer jetzt regieren soll in ägypten-sondern wer garantiert keine legitimität zum regieren mehr hat. wenn westerwelle sagt das dies die wahl des ägyptischen volkes ist dann ist das falsch-denn bis jetzt haben die ägypter seit ü30 jahren ja keine wahl. wie sollen sie dann entscheiden wer sie regiert? westerwelle & co. sollten lieber gar nichts sagen,dann ist das fremd schämen nicht so schlimm ps: wehe wenn chorodkowski noch mal 5 jahre bekommt,dann sieht man alle figuren der westlichen regierungen auf putin und russland eindreschen.
fontfreak 08.02.2011
2. Wie naiv!
"Die Sehnsucht nach Freiheit, Wohlstand und Glück treibt die Menschen auf die Straßen". Eine sehr naive, wenn nicht idiotische Interprätation, finde ich. Mag sein, dass mit diesen Sehnsüchten gespielt wird, aber die Fäden werden doch geschickt von den Islamisten gezogen mit dem Ziel einen islamistischen Staat zu gründen. Es ist doch kein Zufall, dass die Proteste sich vor allem gegen die prowestlichen "Diktatoren" richten.
ratxi 08.02.2011
3. Dass Sie so einen analytischen Durchblick haben,...
Zitat von fontfreak"Die Sehnsucht nach Freiheit, Wohlstand und Glück treibt die Menschen auf die Straßen". Eine sehr naive, wenn nicht idiotische Interprätation, finde ich. Mag sein, dass mit diesen Sehnsüchten gespielt wird, aber die Fäden werden doch geschickt von den Islamisten gezogen mit dem Ziel einen islamistischen Staat zu gründen. Es ist doch kein Zufall, dass die Proteste sich vor allem gegen die prowestlichen "Diktatoren" richten.
...ist ja super. Aber nur für Sie. Für einen Menschen mit klarer Auffassungsgabe dagegen wirkt Ihr Beitrag wie der einer Marionette der Anti-Islam-Lobby.
Parisien, 08.02.2011
4. Einmischung
Eine die Traditionen und Gefühle der Bevölkerung achtende Hilfestellung in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens wäre angebracht und keine Einmischung. Da reicht es natürlich nicht aus, dass ein Guttenb reine Verbalgymnastik betreibt und man sich in diesen Staaten fragt, was denn ausgerechnet der deutsche Militärminister (!), der erklärtermaßen weltweit, also notfalls im arabischen Bereich,die deutsche Armee zur Wahrung westlicher Wirtschaftsinteressen einsetzen will, zur Lösung der Probleme vor Ort beitragen kann. Nein, hier müssen die Deutschland zur Verfügung stehenden Experten für arabische Angelegenheiten (Sprache, Kultur, Geschichte, Gesellschaft ,Wirtschaft,Justiz,Religion etc) ran, mit deren Empfehlungen insbes. die Mitglieder der Opposition versorgt werden müssen - wenn man diese denn identifizieren kann ! Das, was sich dort jetzt anbahnt ist nicht mit einem Streich erledigt, dafür gibt es, wie eigentlich überall, zu viele unterschiedliche Interessen , u.a. auch die Nutznießer der bisherigen Systeme. Wenn man sich darauf einstellt,kann eine "Einmischung" zum Vorteil aller sein.
publicminx 08.02.2011
5. Arabische Staaten benoetigen endlich auch emanzipierte Wirtschaftsstrukturen
Diese sozialistisch-islamisch-archaisch-feudalistischen Methoden mal eben Brotpreise oder sonstiges rauf- und runterzusetzen, outen ja bereits, woran die ganzen Staaten kranken. Dieses typische von der Hand-in-den-Mund-Denken als Ersatz sinnvoller Strukturen. Auch Hugo Chavez hat derlei Missmanagement reintroduced. Entsprechend gehts diesbezueglich abwaerts. Und da er nicht der hellste ist, befindet er sich in der Negativspirale, immer mehr zu enteignen um die wirtschaftlichen und damit sozialischen SChaeden der vorherigen Enteignungen symbolisch als auch temporaer zu kompensieren.
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