Volksinitiative: Zürich verbannt Hochdeutsch aus Kindergärten

Hochdeutsch? Nicht mit uns! Im Schweizer Kanton Zürich wird in Kindergärten künftig nur noch der Dialekt als Unterrichtssprache verwendet. Eine entsprechende Volksinitiative erhielt rund 54 Prozent Ja-Stimmen.

Kinder und Jugendliche bei einem Umzug in Zürich (Archivbild): Künftig nur noch Dialekt Zur Großansicht
AP / Keystone

Kinder und Jugendliche bei einem Umzug in Zürich (Archivbild): Künftig nur noch Dialekt

Hamburg - Gabriella Fink ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Kindergärtnerin in der Schweiz - und sie vertritt eine klare Position, wenn es um die Arbeit mit ihren Schützlingen geht: "Hochdeutsch darf einfach nicht Unterrichtssprache sein" - das sagte Fink im Interview mit dem "Tages-Anzeiger".

Ihr Ziel hat Fink als Mitinitiatorin der Initiative "Ja zur Mundart im Kindergarten" erreicht: Künftig gilt in Kindergärten im Kanton Zürich der Dialekt als Unterrichtssprache, Hochdeutsch soll nicht mehr gesprochen werden. Unterrichtssprache sei "grundsätzlich Mundart". Die Volksinitiative erhielt am Sonntag rund 54 Prozent Ja-Stimmen.

Zwar hatten laut einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" Kantons- und Regierungsrat sowie der Zürcher Lehrerverband und die Zürcher Schulpräsidien die Initiative abgelehnt, aber der Erfolg der Initiative dürfte die Debatte über das mitunter schwierige Verhältnis von Schweizern und in dem Land lebenden Deutschen forcieren. So lautete etwa eine Interviewfrage des "Tages-Anzeigers" an Fink, ob sie bei ihrer Initiative "von der Anti-Deutschen-Welle in der Schweizer Bevölkerung profitiert" habe. Sie sei auf "dieses Thema" nicht angesprochen worden, sagte Fink.

Die Initiatoren der Volksinitiative begründeten ihren Vorstoß damit, Kinder von Anderssprachigen könnten besser integriert werden, wenn sie Schwyzerdütsch beherrschen würden. Bisher haben die Kindergärtner immer wieder auch Hochdeutsch mit ihren Schützlingen gesprochen.

Fink zufolge soll künftig allerdings nicht kontrolliert werden, ob sich die Kindergärtner an die Vorgabe halten. Sie könne sich auch vorstellen, dass es im ersten Kindergartenjahr möglich sein wird, "ein hochdeutsches Lied einzuüben oder eine Geschichte auf Hochdeutsch vorzulesen". Zu viel hochdeutschen Einfluss dürfe es aber nicht geben. "Ein Drittel Hochdeutsch wäre zu viel."

Die Schweiz tut sich derzeit generell schwer mit dem Thema Einwanderung. Längst ist es nicht mehr allein die rechtspopulistische Partei SVP, die Vorbehalte gegen Zuwanderer äußert. Auch die Sozialdemokraten beklagten sich bereits über Nachteile für die inländischen Arbeitnehmer. Im Parlament gab es sogar eine überraschende Mehrheit für den Antrag des SVP-Politikers Christoffel Brändli: Er hatte die Regierung aufgefordert, die Zuwanderung "in geordnete Bahnen" zu lenken.

hen

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insgesamt 380 Beiträge
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1. Meine Meinung
meinmein 16.05.2011
Nun da klar ist, dass die Schweizer uns Deutsche nicht wollen, nehme ich an, dass sie auch mein Geld nicht wollen und ich leider nicht mehr jährlich zur Kunstmesse in Basel fahren kann. Stattdessen kann ich von dem Geld für 3 Tage Basel 2 Wochen Urlaub in Italien machen.
2. leider ein wenig zu spät...
fritz_64 16.05.2011
da Mittlerweile ein Grossteil der Kindergärtnerinnen (gut ausgebildet in ihrer Heimat) aus Deutschland in die Schweiz gezügelt sind (hier hochgeachtet und gut bezahlt). Leider hat es keinen Sprach(züridütsch)test zur Einstellung gegeben hat.
3. warum nicht
sebastian_stgt 16.05.2011
Zitat von sysopHochdeutsch? Nicht mit uns! Im Schweizer Kanton*Zürich wird in Kindergärten künftig nur noch der Dialekt als Unterrichtssprache verwendet. Eine entsprechende Volksinitative erhielt rund 54 Prozent Ja-Stimmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762795,00.html
sollte mann zur pflege der regionalen eigenheit hier auch einführen ...
4. S'isch guet gsi
Layer_8 16.05.2011
Zitat von sysopHochdeutsch? Nicht mit uns! Im Schweizer Kanton*Zürich wird in Kindergärten künftig nur noch der Dialekt als Unterrichtssprache verwendet. Eine entsprechende Volksinitative erhielt rund 54 Prozent Ja-Stimmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762795,00.html
Richtig so. Mit mir wurde im Kindergarten früher auch nur badisch gesprochen. Somit bin ich auch hochdeutschsprechend deutlich als Badener zu erkennen. Und das ist gut so. Vielleicht sollten die Schweizer aber Englisch als Zweitsprache erwägen. Schon im Kindergarten geht das. Oder müssen die Schweizer Kinder vorher erst Französisch und Italienisch lernen?
5. Hm...
Pacolito 16.05.2011
Zitat von sysopHochdeutsch? Nicht mit uns! Im Schweizer Kanton*Zürich wird in Kindergärten künftig nur noch der Dialekt als Unterrichtssprache verwendet. Eine entsprechende Volksinitative erhielt rund 54 Prozent Ja-Stimmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762795,00.html
Warum nicht, die Bewahrung des regionalen Dialekts ist ein nachvollziehbares Anliegen. In Deutschland hat man sich ja bedauerlicherweise Jahrzehnte nicht um die regionalen Dialekte geschert, was an sich schade ist.
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