Seoul/New York - In einer Rede vor der Uno-Vollversammlung hat der nordkoreanische Vizeaußenminister Pak Kil Yon die USA heftig angegriffen. Washingtons "feindselige" Politik gegenüber Pjöngjang sei für einen "Teufelskreis aus Konfrontation und Verschärfung der Spannungen" verantwortlich. So sei die koreanische Halbinsel der gefährlichste Brennpunkt der Welt geworden, wo ein Funke genügen könne, um einen Nuklearkrieg auszulösen, sagte Pak zum Abschluss der Generaldebatte in New York.
Zudem warf er den USA vor, die gewaltsame Besetzung der gesamten koreanischen Halbinsel anzustreben, um letztlich ganz Asien kontrollieren zu können. In einer Anspielung auf das nordkoreanische Atomwaffenarsenal und die Streitkräfte sagte Pak, die Geduld und das defensive Abschreckungspotential seines Landes hätten bisher verhindert, dass die militärischen Provokationen der USA zu einem Krieg auf der koreanischen Halbinsel geführt hätten. Doch sei die Geduld Pjöngjangs nicht unbegrenzt, sagte er.
Es war die erste Rede Paks seit dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und dem Amtsantritt von dessen Sohn Kim Jong Un. Dieser bemühe sich, das vom Vater begonnene Programm zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes mit eigenen Erkenntnissen voranzutreiben und setze eine "unabhängige Außenpolitik" um, sagte Pak. Das US-Außenministerium wollte sich zu der Rede nicht äußern.
Nordkorea wirft Propaganda-Flugblätter über dem Süden ab
Wegen gemeinsamer Seemanöver mit Südkorea hatte Pjöngjang den USA bereits mehrmals mit Krieg gedroht. Sollten Geschosse auf nordkoreanisches Gebiet fallen, sei mit einem "umfangreichen Gegenangriff" zu rechnen, warnte Kim Jong Un zuletzt Ende August.
Vor zehn Tagen hatte Nordkorea Südkorea mit "einem großen Krieg" gedroht. Hintergrund ist ein Grenzkonflikt im Gelben Meer. Nordkorea beschuldigt Südkorea, Fischerboote beschossen zu haben.
Im Konflikt mit dem Süden setzt Nordkorea derweil weiter auf Propaganda. Wie das südkoreanische Verteidigungsministerium am Dienstag mitteilte, sammelten Soldaten rund 17.000 Flugblätter ein, die Nordkorea am Samstag mittels eines Ballons über die schwer bewachte Grenze gebracht habe. Auf den Flugblättern werden demnach ein nordkoreakritisches Bildungsprogramm der südkoreanischen Streitkräften attackiert und der Einsatz Pjöngjang-treuer Aktivisten im Süden gelobt.
Seoul und Pjöngjang hatten sich eigentlich im Jahr 2004 auf den Stopp derartiger Propagandaaktionen geeinigt. Nach einem tödlichen Artillerieangriff Nordkoreas auf eine südkoreanische Insel nahm Seoul die Aktionen Ende 2010 jedoch wieder auf. Zwar beendete das Verteidigungsministerium den Abwurf von Flugblättern ein Jahr später, doch setzte im Juli Pjöngjang seinerseits die Praxis wieder fort. Die Beziehungen zwischen den verfeindeten Staaten sind seit einem nordkoreanischen Raketentest im April wieder sehr angespannt.
anr/dapd
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