Vollversammlung Südsudan ist neues Mitglied der Vereinten Nationen

Willkommen in der Weltgemeinschaft: Die Uno-Vollversammlung hat für die Aufnahme des Südsudan gestimmt. Das Land hatte erst am vergangenen Wochenende seine Unabhängigkeit erklärt - und steht vor einem grundlegenden Aufbau seiner Staatsstrukturen.

Uno-Vollversammlung in New York (Archivbild): Um eine Stimme größer geworden
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Uno-Vollversammlung in New York (Archivbild): Um eine Stimme größer geworden


New York - Die Vereinten Nationen sind wieder ein Stück größer geworden: Die Uno-Vollversammlung hat am Donnerstag den Südsudan als Teil der Weltgemeinschaft aufgenommen. Nur fünf Tage nach seiner Unabhängigkeit wurde der junge Staat damit Mitglied Nummer 193. Außenminister Guido Westerwelle hatte dem Sicherheitsrat, der in diesem Monat von Deutschland geleitet wird, am Tag zuvor den Südsudan als neues Uno-Mitglied vorgeschlagen. Das mächtigste Gremium reichte diesen Antrag ohne Gegenstimmen an die Vollversammlung weiter, die eine Art Parlament der Nationen ist. Die 192 Delegierten stimmten dem Antrag per Akklamation zu, also durch einfache Kenntnisnahme ohne förmliche Abstimmung. Zuletzt war 2006 Montenegro in die 1945 gegründete Uno aufgenommen worden.

"Südsudan, Willkommen in der Gemeinschaft der Nationen!", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Ban sprach von einem "historischen Moment" und rief den Norden und den Süden zur Zusammenarbeit auf. Der Südsudan hatte sich auf der Grundlage eines Referendums vom Januar erst am Samstag für unabhängig vom Norden erklärt. Die Aufnahme in die Uno gehörte zu den erklärten ersten Zielen der neuen Regierung in Juba.

Der Südsudan ist zwar reich an Erdölvorkommen, gehört aber nun trotzdem zu den ärmsten Uno-Ländern. Die Uno will sich massiv am Aufbau des neuen Landes beteiligen. "Es gibt nichts dort, kein Ministerium und nur ein paar Dutzend asphaltierte Straßen. Alles muss geschaffen werden", sagte ein Uno-Diplomat. "Die Staatsstrukturen müssen praktisch von Null an geschaffen werden."

Zudem ist der Süden darauf angewiesen, das Öl über Pipelines durch den Norden zu exportieren. Zwischen beiden Seiten gibt es außerdem weiterhin strittige Fragen, vor allem zum Status bestimmter Grenzregionen. Der Norden und der Süden hatten sich von 1955 bis 1972 und von 1983 bis 2005 in zwei blutigen Bürgerkriegen bekämpft. Zwei Millionen Menschen starben, vier Millionen wurden vertrieben. Der Konflikt wurde 2005 durch ein Friedensabkommen beendet, das dem Süden weitgehende Autonomie gewährte. Das Referendum im Januar setzte einen Schlusspunkt unter den Prozess.

Die Uno-Mission im Sudan (Minus) wurde bereits in Uno-Mission im Südsudan (Minuss) umbenannt. Die 7000 Uno-Soldaten sollen den Sudan Ende August verlassen und dann im Süden sowie in der umstrittenen Grenzregion Abyei eingesetzt werden. Zudem sollen sich 3700 Zivilisten und 3000 Mitarbeiter des Uno-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) an der Mission beteiligen.

Sudan und Darfur-Rebellengruppe unterzeichnen Friedensabkommen

Unterdessen hat die sudanesische Regierung ein Friedensabkommen mit einer der Rebellengruppen der Krisenregion Darfur geschlossen. Die Unterzeichnung fand nach fast zweijährigen Verhandlungen am Donnerstag in Doha im Golfstaat Katar statt. Der sudanesische Präsident Umar al-Baschir und der Emir von Katar, Scheich Hammad Bin Khalifa, waren bei der Zeremonie anwesend.

Das Abkommen soll den seit acht Jahren andauernden Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Rebellenbewegung LJM ein Ende bereiten. Es sieht unter anderem eine Machtteilung, die Rückkehr von Flüchtlingen und die Freigabe von Hilfsgeldern für Darfur vor, verlautete aus Verhandlungskreisen.

Größere Rebellengruppen in der westsudanesischen Krisenregion lehnten das Friedensabkommen jedoch ab. "Dieses wird schon bald scheitern, weil es nicht alle Bürger Darfurs repräsentiert", sagte die Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM) voraus. Die Regierung in Khartum hatte in der Vergangenheit schon andere Waffenstillstandsvereinbarungen unterzeichnet, von denen einige jedoch später gebrochen wurden.

Darfur liegt im Nordwesten des Sudan. Nach Uno-Schätzungen sind in der Region seit 2003 mehr als 300.000 Menschen ums Leben gekommen. Im Konflikt zwischen der überwiegend schwarzafrikanischen Bevölkerung und arabischen Reitermilizen unterstützt die sudanesische Armee die Milizen. Der internationale Strafgerichtshof hat gegen Präsident Baschir Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur erlassen.

lgr/dpa/AFP/dpa



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Ein_Forum_Schreiber 15.07.2011
1. Wie schnell das gehen kann
und Taiwan als demokratischer Staat bleibt aus der UN ausgeschlossen weil es das kommunistische China es so will.
Anne W. 15.07.2011
2. UN Mission Minus(s)???
Nur zur Richtigstellung: die UN-Mission heißt UNMIS bzw. UNMISS!!!
Loadon 15.07.2011
3. Öl in Taiwan?
Ich denke in Taiwan gibt es kein Erdöl. Süd Sudan hat viel Erdölvorkommen, die sind wichtig und müssen ausgenutzt werden. Die armen Sudaner... es wird Krieg geben...
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